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Engelsseelen

Nutzer: Vile
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geschrieben am: 22.05.2002    um 10:13 Uhr   

Mit steifen Schwingen reglos schwebend
Streift seine Träne weltlich Leid.
Der Boden noch vor schmerzen bebend,
Trockner Riss in toter Zeit.

Wunden bis zum Herz geschlagen,
Zeichnen seine sterblich' Hülle.
Was Todes Sense nicht würd' wagen,
Der Mensch schenkts ihm in reicher Fülle.

Das Weiß aus stolzem Federkleid,
Durch hartes Wort und kein Vertrauen,
Wurd sichtlich von sich selbst befreit
Und blutig durch sein Fleisch gehauen.

Das Knacken der gebroch'nen Glieder
Dringt schaudernd in die Seele ein,
Schallt leblos in ihr selber wieder
Und hört im Herzen auf zu sein. (*)

Sein Blick ruht auf der kalten Erde,
Sein Geist schon über Raum und Zeit.
Kurz hofft er, dass geschenkt ihm werde,
Was ihn von dieser Welt befreit.


Doch streift ein Blick die tiefen Augen
Und schaut weit hinter Angst und Schmerz,
Erkennt man strahlend noch den Glauben,
Der tief wärmt jedes Menschen Herz.

Gelitten unter all den Schlägen,
Gebrochen durch der Menschen Wort,
Liegt tief, ganz tief in ihm der Segen
Und strahlt von jenem Träumer dort.

Ein Lächeln schleicht auf seine Lippen.
Fast nichtig Blutes Zeichen da,
Wo schimmernd durch gebroch'ne Rippen
Des Engels Pracht wird offenbar.

Ein sanftes Licht fällt auf den Boden,
Schließt und heilt mit weicher Kraft,
Beendet dann die finst'ren Wogen,
Wie's nur ein reiner Glaube schafft.

Die Wolken öffnen ihre Mauern
Und neue Kraft erfüllt die Knochen.
Die Stärke, sie soll ewig dauern,
Der Seele Glanz ist ungebrochen.


Durch allerdickste Eichentür'n,
Hinab zum Gut der Menschlichkeit,
Soll Licht Euch eurer Wege führ'n,
Wenn Ihr zu folgen nur bereit.

Und die, die diesen Weg Euch weisen
Schweben dort mit steifen Schwingen.
Als Hoffnung sie stets mit Euch reisen
Und tief im Herzen nie verklingen.

Und wenn sie selbst die Zung' erklommen
Werden sie zu Worten, rein,
Und wenn für Dich die Zeit gekommen,
Wirst Du für ihn sein Engel sein.


~Vile

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(*) Siehe auch "Der Panther" von Rainer Maria Rielke

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