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geschrieben am: 27.06.2004 um 14:41 Uhr
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Ein frühsommerlicher Tag endet in einer schlaflosen Nacht. Du findest keine Ruhe, ständiges Durchwühlen der Laken. Du siehst hinaus auf den Himmel. Ein sanftes Rot taucht am Horizont auf, vermischt sich mit dem Blauschwarz der Nacht. Der Blick auf die Uhr ist enttäuschend – erst 4. Die Aussicht auf Schlaf erscheint dir hoffnungslos. So raffst du dich auf und ziehst dich an.
Doch was tun um eine solche Zeit? Du fast den Entschluss durch die noch schlummernde Stadt zu wandeln. Raus aus der Wohnungstür, wo dir kühle, reine Luft entgegen schlägt. Die Briefkästen sind noch von Tau belegt. Deine Füße tragen dich, fast, dass du es nicht wahrnimmst. Dein Blick schweift umher, doch nichts aufnehmend. Du gehst über Kopfsteinpflaster, deine Schritte hallen in der Leere der Umgebung wieder. Ein Stillstand in deiner Bewegung, du fasst in deine Tasche... doch noch Zigaretten… denkst du. Hastig wird eine angezündet und der Rauch tief inhaliert.
Erst jetzt bemerkst du, dass dir dieser Teil der Stadt unbekannt erscheint. Verwirrt und rauchend stellst du fest, dass dir dieser Teil der Stadt unbekannt erscheint. Die Gegend, viel zu schweigend. Obwohl sie heruntergekommen wirkt, scheint die Straße so, als wären alle Bewohner nur zufällig zur selben Zeit im Urlaub. Heruntergekommen trifft es vielleicht nicht richtig, eher ausgestorben.
Schon leicht erstaunt, ja fasziniert, entdeckst du eine riesige Villa dir schräg gegenüber. Die Zigarette hast du vernachlässigt, der Wind hat für dich mitgeraucht. Auf der Überquerung der Straße wirfst du sie weg. Du erreichst das Anwesen. Es sieht ungepflegt aus, aber seine vergangene Pracht kannst du dennoch erkennen. Ein kleiner Pfad aus Kies führt zum Haus. Unkraut wuchert an einigen Stellen. Unentschlossen stehst du vor einem schmiedeeisernen Tor. Durch einen Windstoß schwingt es auf, als wolle es dich auffordern einzutreten. Ein Quietschen der alten Scharniere, welche Rost angesetzt haben, versetzt dich in Bewegung. Auf dem Weg in Richtung des Eingangs kannst du einen ehemaligen Springbrunnen erkennen. Die Wasserspeier scheinen erstarrt, nur eine müde Pfütze des letzten Regenwassers schwimmt in dem Steinbecken. Die Stufen sind erreicht. Du steigst sie empor. Ein letztes Mal drehst du dich um, kein Mensch in deiner Nähe. Die Sonne rückte höher am Himmel und lässt ihr Licht in die staubbedeckten Fenster einfallen. Deine Hand ergreift den Türgriff. Sie öffnet sich geräuschlos.
Dein Zögern ist verschwunden und du trittst ein. Du findest dich in einer großen Eingangshalle wieder. Deine Schritte werden gedämpft durch die Staubschicht, welche die Dielen belegt. In der Ecke eine große Standuhr, verharrend auf elf Minuten nach neun. Durch das Zimmer wandelnd, gelangst du in einen nächsten Raum, ein Speisezimmer, wie dir scheint. Der barocke Teppich bräuchte nur ein wenig entstaubt werden. Die Werbung eines Superstaubsaugers kommt dir in den Sinn. Schnell verwirfst du diesen Gedanken. Ein Gedeck, welches noch auf dem Tisch, lenkt deine Aufmerksamkeit auf sich. An der gegenüberliegenden Wand befindet sich ein Kamin. Holzscheite leicht verkohlt, sie sehen aus, als könnten sie sofort wieder entzündet werden, um Wärme zu spenden. Du hast das Gefühl schleichen zu müssen, als ob man dich belauschen würde. Nach der Küche, die du auch erforscht hast, mit ihrem alten Porzellan und Töpfen, taucht eine Wendeltreppe vor dir auf. Erwartungsfreudig eilst du sie hinauf. Ihr Marmor ist etwas getrübt.
Im oberen Stockwerk scheinen sich nur Schlafräume zu befinden. Eine Tür steht offen. Ein riesiges, romantisches Himmelbett steht in der Mitte des Raumes. Die Kissen sind zerwühlt. Man könnte denken, dass jemand hastig aufsprang. Am Fußende des Bettes ein Bücherregal. Der Geruch von moderndem Papier liegt in der Luft. Ein wenig davon entfernt schwebt ein Vorhang herein, welcher vor einer geöffneten Balkontür hängt. Du trittst hinaus. Bewunderst den Garten. Ein herrlicher Ausblick. Ein Pavillon ruht unter einer mächtigen Weide. Über den Balkon erreichst du ein weiteres Gemach. Es scheint ein Salon oder ähnliches zu sein. Viele Sitzgelegenheiten bieten sich hier an. Auf einem Beistelltisch steht ein Aschenbecher. Du nutzt die Gelegenheit und rauchst noch eine. Auf einem Regal entdeckst du ein Porträt einer Frau. Jung und hübsch. Welch Ausdruck in ihren Augen, so geheimnisvoll wirkend.
Erinnerungen steigen in dir empor. Doch sind es deine?
Plötzlich springst du auf, rennst die Treppe hinab auf die Straße. Du läufst weiter. Ohne dich umzudrehen.
Als du zu Hause angelangt bist, versuchst du deine Gedanken zu ordnen. Jedoch bleibt es ein Versuch.
Am nächsten Tag setzt du dich ins Auto, suchst nach diesem wundersamen Ort. Eine lange Autofahrt – doch vergebens. Die Villa ist verschwunden.
Ich würde mich sehr über Meinungen freuen. Denn eigentlich schreibe ich ungern längere zusammenhängende Texte.
~Mondscheinkuss~
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