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Es scheint so... (Heinz Erhard)

Nutzer: drngattata
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geschrieben am: 21.04.2002    um 00:13 Uhr   
Es scheint so, dass auf dem Planeten,
den wir so gern mit Füßen treten
und ihn dadurch total verderben -
dass hier also nur GUTE sterben!

Denn: las man je im Inserat,
dass ein Verblichner böses tat,
dass er voll Hass war und verdorben-
und dass er nun zurecht gestorben?

Es kann hier keinen Zweifel geben:
Die schlechten bleiben alle leben!
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Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 21.04.2002    um 00:20 Uhr   
Grabinschrift

Hier ruhen in Schnee und Eis
a toter Bayer und a Preiß.
Bet für den Bayersmann,
der Preiß' geht di a Scheißdreck an.
Doch wenn du betest, bete leis,
sonst wacht er wieder auf, der Preiß.

Lama
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Nutzer: Gast_tinkerbell
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geschrieben am: 21.04.2002    um 00:42 Uhr   
Reinhard Mey: «Das wahre Leben»

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Das wahre Leben
Warmherzig, großzügig und liebevoll, stets die helfende Hand
Gütig, klug und aufgeschlossen, aufopfernd und tolerant,
Stets ein off'nes Ohr für Jedermann und -Frau und jederzeit
Immer Vorbild, immer selbstlos in stiller Bescheidenheit!
Zu gern wüßt' ich, wer dies Prachtexemplar eines Menschen ist,
Nur leider hat er sich grad durch friedliches Ableben verpißt,
Und dies ist kein Bewerbungsschreiben für den Job des Ersatzheil'gen der Stadt
Ich studier' nur grad die Traueranzeigen im Sonntagsblatt.

Das Erfund'ne und das Wahre
Von der Wiege bis zur Bahre,
Das eröffnet sich beredt
Dem, der sie zu lesen versteht,
Auf den Punkt gebracht, gebündelt, im Telegrammstil kurz und knapp:
Das wahre Leben, das wahre Leben spielt sich doch in den Todesanzeigen ab.

Während ich darüber nachdenk', entdeck' ich das Phänomen,
Daß von allen Menschen immer nur die guten Menschen gehn.
Nur die edlen, nur die klugen, nur die mutigen, wie jeder weiß,
Nur die Vorbilder entschlafen viel zu früh und sanft und leis.
Nur die Guten treten ab und das heißt unabänderlich:
Es bleiben nur die Ekel übrig, Leute so wie du und ich.
Nur die Schweine leben ewig, aber das erklärt konkret,
Warum hierzulande alles langsam den Bach runter geht!

Da steh'n Lügen und Intrigen,
Daß die Sargbretter sich biegen,
Der Tote sich im Grab umdreht,
Für den, der zu lesen versteht,
Auf den Punkt gebracht, gebündelt, im Telegrammstil kurz und knapp:
Das wahre Leben, das wahre Leben spielt sich doch in den Todesanzeigen ab.

Oder hat man je gelesen: «Der war längst fällig!» oder gar,
Daß der teure Heimgegangene ein schlimmer Stinkefinger war?
«Widerwärtig bis zum Ende, Zweitracht war sein Lebenswerk,
Ein Geschwür, ein Spielverderber, ein gift'ger, böser Zwerg.
Ewig hat der Sack genörgelt, hat uns jeden Spaß verpatzt.
Endlich und viel zu spät ist die alte Ratte abgekratzt.
Endlich hat den Sensenmann der Zecke den Rüssel gekappt,
Hat ihm die Lampe ausgeschossen und die Hufe hochgeklappt!».

Das Gereimte und Geschleimte
Niederträchtig Abgefeimte,
Schön verpackt in Pietät
Für den, der zu lesen versteht,
Auf den Punkt gebracht, gebündelt, im Telegrammstil kurz und knapp:
Das wahre Leben, das wahre Leben spielt sich doch in den Todesanzeigen ab.

So leg' ich vorsorglich fest, was eines Tags in meiner steht,
Daß mein letztes Inserat nicht auch noch in die Hose geht,
Ich will kein «teurer Verblich'ner» und kein «Heimgeruf'ner» sein
Ich will nicht noch 'nen Verriss, ich will keine Lobhudelei'n,
Nicht, daß noch Mike Krüger Candle-in-the-wind-mäßig zum Schluß
«Mein Gott, Walter» für den traurigen Anlaß umdichten muß!
Ich mach's kurz und ich mach's schmerzlos, ich mach's preiswert und ich grüß'
Alle, die's am Sonntag lesen mit zwei Worten: und tschüs!

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