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geschrieben am: 22.05.2002 um 06:43 Uhr
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Es war ein Traum.
Unter ewig neuen Wolken schallen
wie Gelächter die Rufe der Raben,
sturmzerfleddert und höhnisch,
regenschwer dräuen die Himmel
auf den Schultern der Welt.
Das leise Wispern des Schicksals
summend in silberner Spinnenseide,
wo Geburt, das Werden und Schuld
in geheimnisvollem Tanze wiegen,
wie heller Schatten niederfällt.
Ich entsinn mich, daß die Wölfe
heulten und an Braumkronen, dunkel
und tosend in den Armen der Winde,
die uns der Norden gesandt hat,
machtvoller Drachenflügelschlag.
Dann abgewandt, ein neues Fragment,
ein anderes Gefühl.
Das Flackern von Feuer im Geist.
Der Rauch hatte schwer in Kleider,
in Haut, selbst in die Gedanken
hineingefressen. Ich weiß, daß es
weh tat, doch daran erinner ich
mich nicht mehr.
Der Blick fällt auf zwei Narben.
Auf Handgelenken, fein und schmal,
so hell - und brennend - wie Eis.
Alles wiederholt sich, alles,
alles ist ähnlich, ist gleich.
An diesem Punkt bin ich aufgewacht,
nur für einen kurzen Augenblick.
Ich will mich erinnern an die
wabernden Schatten. War von Furcht
ich beseelt?
Es fühlte sich an, als schlösse
jemand mit sanftem Druck meine Lider,
und erneut sank ich in Schlaf,
tief und traumlos, und doch...
ich hatte gesagt: ich will mich
erinnern. (Es ist an der Zeit.)
Und nun ist es so ernst geworden,
denn wir gehen einem Ende entgegen.
Ich weiß, daß Du nach uns gerufen
hast. Wie viele noch ihre Stimme
zur Antwort erheben, vermag ich
nicht zu sagen.
Es ist so seltsam.
Wenn ich ansetze, um ein Gedicht
zu schreiben, schreibe ich es ganz
oder gar nicht... manchmal ist es
einfach noch nicht reif.
Dies aber muß ich aufschreiben,
denn ich will mich erinnern.
Daran erinnern, wo ich war, als
all dies geschah.
Es ist dunkel um mich,
ich hab es dazu gemacht.
Jemand hat einmal zu mir gesagt:
wenn man durch einen Jungel gehen muß, voll von
mörderischen reissenden Bestien, schnell wie Schatten
und gierig nach Blut, dann gibt es zwei Wege, das zu tun...
(wenn man mal davon absieht, aus lauter Angst nicht
zu gehen.)
Erstens kann man die Beute sein oder zweitens der
Jäger.
Auf diese Weise gehe ich in die Finsternis. Was
immer mir begegnen mag, meine Sinne sind wachsam, und
ich weiß, daß mir nichts geschehen kann - wenn ich
es nicht will. (natürlich ist auch ein Trick dabei.)
Seit Tagen gelange ich nicht mehr richtig zur Ruhe.
Ich will mich erinnern.
Es wäre an der Zeit...
aber etwas fehlt noch.
Sonnenfinsternis.
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