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geschrieben am: 10.05.2002 um 15:17 Uhr
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Hier ist nun der tatsächliche, physikalische und logisch richtige Anfang meiner Interpretation des Rattenfängers, der nun kurz vor seiner Vollendung steht.
Mit diesen weiteren 14 Versen stelle ich noch zwei Kapitel ins Forum, und hoffe, daß sie Freude bereiten bzw zum Nachdenken anregen, selbst wenn die ganze Geschichte noch immer nicht vollständig zu finden ist.
1.
Vermag wer zu sagen, wie lange es währt
und ob am heutigen Tage es lange vorbei,
oder ob es noch immer andauern mag,
ob jener noch heut durch die Lande fährt,
von dem hier Bericht zu erstatten es gab,
denn denkt ihr nicht auch, es sei einerlei,
wie man die Straßen anderswo kehrt...
2.
Zu jener Stadt mit all ihren stolzen Mauern
konnt man bittre Klagen ringsum vernehmen
und die Furcht ging um als lichtloses Gespenst,
sie mochte dort in dämmrigen Gassen lauern.
Selbst die tapferen Männer dienten ergebenst
ihren tückisch harmlos scheinenden Emblemen,
geplagt von Grimm und ängstlichen Schauern.
3.
Die Ratten hatten Quartier hier bezogen,
Korn und Speicher längst in den Krallen,
waren sie die wirklichen Herren der Stadt,
ausnahmslos, man hatte schon alles erwogen
das Bestiarium zu bannen, dem Nimmersatt
ihrer Mäuler nicht zum Opfer zu fallen,
fühlte vom Schicksal sich lange belogen.
4.
Oh ja, so reich war sie bis dahin gewesen,
die feine Stadt in wohlständigem Bürgertum,
an Weizen besaß man so viel wie an Gold,
gefällig hatten die Herren ihre Bilanzen gelesen,
ihr Blick war dem Samt ihrer Mädchen hold,
Hoffart zum Mammon war mehr wert als Ruhm
und mehr als alle Menschlichkeitsthesen.
5.
Ratten fand man selbst in den Betten,
fast niedlich in Decken und Kissen gerollt,
sie saßen in Kisten, Schränken und Fässern
um selig zu schlafen, von Ermüdung zu retten
ihren stinkenden, fransigen Pelz vor Wässern
des Regens, vor Winden, und wie bitter gezollt
von den Menschen ihr Glück zu verwetten...
6.
Als kaum noch Speise ohne Makel als Beute
von dem Getier es einzunehmen gelang;
der Ruf der Pest klang bereits mit ekliger Süße
über Dächer und durch Gassen , die Leute
verlangten vor Wut keifend Beschlüsse,
wo man die Macht der Stadtobren besang:
„Merzt endlich sie aus, wir wollen die Häute!“
7.
So stand es um Hameln in tödlichem Stolz,
die Bürger hatten in Narreteien und Tand,
den Ratten im Innern recht ähnlich,
sie standen in der Diktatur ihres Solds,
mit ihren Eitelkeiten verfehlend sich
in ihrem Begehren und Wünschen verrannt;
so stand es um Hameln im Bann seines Golds.
8.
In jenen furchtbaren Tagen kam einher
ein Bursche, wie man ihn nie zuvor sah.
Er war kein Bauer, kein Schuster auf Walz,
kein Jemand wies schien und kein Irgendwer,
sein sinniges Lächeln ein Alb allenfalls,
flüchtig und wissend um das was geschah,
blieb seine Mimik stets listig und leer.
9.
Einen entsetzlichen Pelz trug er um sich,
ein Stückwerk aus schwarzbraun und grau,
aus leblosen Pfoten, aus fasrigen Ohren,
aus verstrubbelten Fellen gar meisterlich
genäht, es war dieser Mantel beschworen
von dämonischer Kunst im Stiche genau,
so präsentierte der Bube sich ansehnlich.
10.
Es wurde schon Abend, es wurde schon Nacht
als er vor die Mauern des Rattenpfuhles trat,
und seine Gedanken flohen weiter hinauf,
da tasteten bleiche Finger dessen anbetracht,
was seine Sinne ersahen von der Dinge Lauf,
an seine Seite und schlossen in eisiger Tat
um jenes Rohr sich, beinahe hätt er gelacht,
11.
aus keinem Holz war es oder irgend Metall
konnt er benennen, es erglühte wie Wein,
doch im verborgnen nur lag das Geheimnis,
denn sah man genauer dort hin, gewahrte all
man auf dem Instrument nur den Firnis
von Silber, von Silber und Blut, aber kein
Abglanz von Licht blieb, nur tiefster Fall.
12.
Zärtlich mutete die Berührung wohl an,
doch schmerzlich voll Gram sein Antlitz blieb,
wächsern bleich die kantigen schmalen Züge,
der Wind griff hämisch in seinen Mantel. Dann
murmelte er leis: „Auch hier ist nur Lüge,
nichts anderes als Schätze ist ihnen lieb,
und nicht einer von ihnen je Gutes ersann.“
13.
Das Haar trug er zausig wie Rabengefieder,
und bis daß im Osten die Sonn sich erhob
unerbittlich wie das Anlitz der Engel des Zorns
stand er reglos, doch liebkost hin und wieder
von den wispernden Schatten dieses Dorns
in seinem Herzen, da er selbst sich betrog
in seinem Denken an freundliche Lieder.
14.
Auf seine eigene Weise bewacht er die Stadt,
lauschte auf das Nagen und Quieken darinnen,
die Hand fester im Halt um die seltsame Flöte,
eng dacht er bei sich, ja, freßt euch nur satt,
mit dem morgigen Dunkeln beginnen die Nöte
und keineswegs sollt ihr gen mich gewinnen,
da noch niemals gen mich man gewonnen hat.
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