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geschrieben am: 12.05.2002 um 01:29 Uhr
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Markus befand sich wie immer am großen Fenster des Kindergartens. Er setzte sich schon automatisch von den anderen ab. Morgens, wenn er ankam und ihm seine Mutter noch einen schönen Tag wünschte, und ihn dazu ermahnte, auch mal mit den anderen Kindern zu spielen, lief er gleich hinüber zum Fenster. Von dort aus konnte er den wundervollen Garten betrachten, wie er sich veränderte im Laufe der Monate.
Mit dem Rat seiner Mutter, mit den anderen Kindern zu spielen, konnte er sich nicht anfreunden, weil sie ihn ohnehin nur wieder ausgelacht hätten.
Nein, er wollte lieber die Natur betrachten. Weil es Herbst geworden ist, gingen die Kinder nicht mehr raus zum Spielen, doch das störte Markus wenig. Er hatte seinen Stammplatz am Fenster und war gespannt auf das, was ihm der heutige Tag wohl bieten würde.
Und so ergab sich etwas, das Markus nicht erwartet hatte. Er sah, wie ein Eichhörnchen mit einem gewaltigem Sprung vom Dach des Kindergartens direkt auf den großen, alten Nußbaum sprang. Er konnte es kaum glauben und rieb sich noch mal die Augen, denn das waren bestimmt fünf Meter.
Markus hat auf dem Baum schon ein oder zwei Mal Eichhörnchen gesehen, aber dieses hier mußte etwas ganz Besonderes sein.
Er mußte es einfach aus der Nähe betrachten. Doch wie könnte er wohl hinaus kommen? Einfach die Tür zu öffnen ging nicht, denn das hätten die Kindergärtnerinnen gesehen. Er hätte zwar fragen können, ob er raus darf, aber was, wenn sie „Nein“ gesagt hätten?! Also dachte Markus nach.
„Ich muß mich beeilen, sonst ist das Eichhörnchen weg!“, überlegte er, und mußte es mit einem Trick versuchen, der zwar nicht besonders raffiniert war, aber auf der Hand lag.
„Ich muß ganz dringend aufs Klo!“, rief Markus und war auch schon weg. Im Flur angelangt rannte er schnell zum Haupteingang und dann ums Haus herum. Er würde nicht viel Zeit haben, vielleicht zehn Minuten, dann würde sein Fehlen auffallen.
„Hoffentlich sieht keiner raus und entdeckt mich!“ murmelte er, doch da war er schon am Ziel angelangt. Vor ihm stand der alte Nußbaum. Von unten wirkte er noch größer, aber da die meisten Blätter bereits heruntergefallen sind, konnte Markus das Eichhörnchen rasch entdecken; es saß auf dem untersten Ast und schien nachzudenken, wie es vorgehen soll.
Josephine war ratlos. Sollte sie nun jede Nuß einzeln nach Hause bringen oder sollte sie für immer hierher ziehen? Aber was, wenn es andere Eichhörnchen hier gab? Mutter erklärte ihr, daß es nicht alle gut mit einem meinen, und daß sie aufpassen soll vor anderen.
Doch im Moment hätte Josephine sich nichts sehnlicher gewünscht, als einen Freund oder eine Freundin. Sie war doch ganz allein.
„Ich muß mich auf meine Arbeit konzentrieren!“, beschloß sie schließlich und beendete ihre Träumereien. Es würde nicht ewig Tag bleiben und ihr Vorhaben schien sehr aufwendig zu werden. Plötzlich hörte sie ein Rascheln, dann ein Knacken. Sie konnte niemanden auf dem Baum erkennen, deshalb sah sie hinunter.
Dort stand ein kleiner Junge mit braunen Haaren, der mit offenem Mund hinauf starrte. Josephine wußte nicht, was sie tun sollte, aber überlegte nicht lange und sagte „Hallo!“ |
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