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Der mit den zerschmetterten Knochen

Nutzer: Engelsfall
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geschrieben am: 17.06.2002    um 10:38 Uhr   

Also sprach der, dessen Knochen zerschmettert waren, als er erkannte, daß er nicht laufen konnte; stetig in schlammige Tümpel fiel und über Erhebungen strauchelte:

„Wohl hätt ich gern einen Stab, der meinen geschundenen Leib stützt – ach, wie viel sicherer wäre ich dann auf meinen Beinen. Stark müßt er sein, stärker als ich, damit er mein Gewicht tragen kann, wo ich es nicht mehr vermag. Und dankbar wäre ich für den Halt, den er mir gäbe, wenn ich schwanke. Das kranke Bein vermöchte vielleicht gar das Heilen, da ich es dank dieses herrlichen Geräts nicht mehr andauernd mir stoßen würde. Ein treuer Freund müßte er mir ja werden, da ich so auf ihn angewiesen wär. Ich könnte im Dunklen meinen Weg mit seiner Hilfe ertasten, wo meine Augen nichts mehr kennen können. Verteidigen könnte er mich, sollte ein Wolf mich behelligen. Und ja! Dieser Stab ließe mich größer sein, als ich bin, denn an ihm gehalten kann ich mich aufrichten.

Und dann, wenn meine Knochen gesundet wären, so könnt ich ihm vergelten, was an Gutem er mir getan. Da dann rasch und sicher meine Füße mich trügen über die Felder dahin, so wollt ich ihn mit mir nehmen und ihn tragen, ihn in Ehren halten und mich daran stets entsinnen, was ich ihm verdanke.“

So sprach der mit den zerschmetterten Knochen. Was er nicht wissen konnte war, daß ein Stab ihm das Gehen nur erleichterte, nicht jedoch ihm die Qualen eines allzu langen Weges abnahm.



Geändert am 17.06.2002 um 11:29 Uhr von Engelsfall
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Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 18.06.2002    um 22:07 Uhr   
Die Geschichte erscheint mir wie eine Widmung an einen Freund/Bekannten von Dir. Vielleicht täusche ich mich da
und es hat keinen Hintergrund. Ich habe viel Bewunderung für diese Menschen, die, äußerlich gehandicapt, eine innere Stärke besitzen, von welcher viele "gesunde" Menschen nur träumen können.

Lama
Geändert am 18.06.2002 um 22:08 Uhr von BlueLama
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Nutzer: Engelsfall
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geschrieben am: 18.06.2002    um 22:57 Uhr   


Ha...

ja, jein. schmunzelt

Im Grunde hast du absolut recht. Es ist eine Widmung, sogar an mehrere Bekannte, aber auch an mich selbst. Ich kenne sehr viele Menschen, die eine solche Schwäche haben, daß sie einen Stab benötigen wie ich ihn beschrieb. Und ich selbst brauche ab und an auch einen.

Das bedeutet allerdings für mich mehr, ebenso wie für diese Menschen: eine emotionale Schwäche, ein Scheitern an sich selbst im Innern, ein Nicht-Überwinden der eigenen Fehler.

Und selbst wenn man die beste Hilfe hat, die man bekommen kann - einen ausgeglichenen Menschen mit Erfahrung - so tragen die Menschen die Schmerzen immernoch selbst.




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Nutzer: Engelsfall
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geschrieben am: 18.06.2002    um 22:59 Uhr   


@nandris

schießt manchmal etwas übers ziel hinaus... zuviel nietzsche gelesen hat.... es erstmal so läßt, weil man so herrlich drüber stolpert.

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Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 18.06.2002    um 23:30 Uhr   
lacht da "hakt" jemand nach ;-)

Lama
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Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 18.06.2002    um 23:52 Uhr   
"Schweif" finde ich lürüscher :)

Lama
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Nutzer: Engelsfall
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geschrieben am: 19.06.2002    um 08:01 Uhr   


Man könnte ja auch auf das Wort "Rute" zurückgreifen. Andererseits ist das nicht so ästhetisch wie "Schweif", nicht so auf den Punkt bringend wie das Wort, daß mir zensiert würde, wenn ich es schriebe... (schock... wurde noch nie zensiert...).

Stattdessen bringt das einen ganz neuen Aspekt ein, denn abweichend von jedwedem tierischen Körperteil, das mit einem der in Frage kommenden Worte bezeichnet wird, kommt anbetracht dessen, daß man zu den Ha(e)ken stehen soll, eine weihnachtliche Stimmung auf.

Wart ihr auch alle brav?


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Nutzer: Vile
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geschrieben am: 19.06.2002    um 10:16 Uhr   

Da kam einer an und reicht ihm die Hand,
Der war völlig fremd, ihm so gar nicht bekannt.
Doch denkt er, ganz heimlich, für sich ganz allein,
Dass könnte ne neue Chance sein.

Er lächelt zum Stock und wirft ihn weit,
Denn denkt er jetzt kommt eine bessere Zeit.
Was aus ihm wurde bleibt offen, für wahr,
Lange, sehr lange ich ihn nicht mehr sah.

Doch seid Euch gewiss, wie immer es ging,
So sehr er auch in den Seilen hing,
Er blieb ein Mensch, verständnislos klein
Und wollte doch gar kein Lahmer mehr sein.

Vielleicht erkennt er ja irgendwann,
Dass man lahm nicht im Fuße nur bleiben kann.

~Vile

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