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geschrieben am: 20.06.2002 um 11:36 Uhr
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Am nächsten Tag erschien der König der Haubentaucher, der eigentlich ein Zauberer war, und nicht einmal ein schlechter. Man nannte ihn nicht ohne Grund einen König, auch wenn in seinem weitesten Bekanntenkreis dringend der Verdacht bestand, daß er sich diesen Titel selbst erwählt hatte. Was er allerdings mit den Haubentauchern zu tun hatte, die es vorzogen, ihr eigenes Leben ohne Zauberei zu leben, verriet er niemandem, und es blieb sein Geheimnis bis ans Ende aller Tage.
Der König der Haubentaucher poffte einfach aus dem Nichts hervor - er hatte es wirklich leicht, was das Reisen anging. Der Herr der Schlüssel bedachte den Neuankömmling mit einem langen Blick, in dem man deutlich die Mühen seines eigenen Weges absehen konnte. Der König jedoch sah sich nur um, hob eine feine schwarze Augenbraue, als der die Verzweifelte und den Wahnsinnigen ins Blickfeld bekam, und runzelte die Stirn, als der den Herrn der Schlüssel betrachtete. Er grüßte ihn freundlich.
„Sind sie etwa schon wieder nicht da?“, fragte er dann, und der Herr der Schlüssel schüttelte nur resigniert den Kopf. „Oh.“, entgegnete da der König, denn er war ein Zauberer, und die verstehen sich auch nicht sonderlich auf Unterhaltung.
Der König der Haubentaucher begann rasch, sich zu langweilen. Das lag daran, daß er schon sehr lange ein Zauberer war. Oh, am Anfang, da war das sehr aufregend. Man lernte ständig neue Dinge oder versuchte zumindest, gewisse andere Dinge nicht in die Luft zu jagen. Zauberer haben unter sich ein ausgeklügeltes Klassensystem, und sie verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, herauszufinden, wie stark die anderen Zauberer sind. Sie neigen dazu, ihre eigenen Kräfte an denen der anderen zu messen. Dieses Spiel fasziniert sie so sehr, daß sie darüber manchmal sogar ganz vergessen, sich der Zauberei zu widmen, und so kommen sie nie weiter. Sie tricksen und spielen und intrigieren, um andere auszustechen, und glauben dann noch immer, im Grunde wirklich stärker zu sein.
Der König aber hatte diese Zeit schon lange hinter sich gelassen. Irgendwann konnten ihm all die Emporkömmlinge das Wasser nicht mehr reichen, da sie damit beschäftigt waren, aufeinander herumzuhacken. Da ihm also das Vergnügen verloren ging, den anderen zu beweisen, daß er der Beste war – es war unübersehbar – hatte er mit einem Mal die Zeit gefunden, noch besser zu werden, was dazu führte, daß er den in seinem Beruf üblichen Spitzhut ablegte und gegen einen Anglerhut austauschte. Er mochte diesen Hut sehr. Er war viel leichter, man stieß damit nicht dauernd gegen die Zimmerdecken und außerdem konnte man Köder daran befestigen. Weil der König der Haubentaucher aber es nicht so mit dem Fischen hatte, prangten an den Plätzen für die Köder aber ein paar silberne Sterne. So ganz hatte er doch nicht auf das Ambiente seines Standes verzichten wollen.
Schließlich setzte er sich in die Luft. Vielleicht war auch ein Stuhl da, aber wenn, dann hatte er ihn so gut unsichtbar gemacht, daß nicht einmal er ihn sehen konnte. Er begann, ein unsichtbares Kartenspiel zu mischen und eine unsichtbare Patience zu legen. Ab und an grummelte er, wenn er nicht weiterkam. Eigentlich wäre er viel lieber in seinen Turm zurückgekehrt, um seine Füße auf dem Ottomanen hochzulegen. Aber da die anderen offensichtlich warteten, beschloß er, sich ihnen anzuschließen.
Denn das, was er den Menschen hätte zeigen sollen – wären sie denn erschienen – war auch nicht gerade unwichtig, denn sie sollten doch endlich erfahren, daß es unnötig war, gegeneinander zu arbeiten. Er wußte das am allerbesten, denn er war ein großer Zauberer. Es war viel besser, zusammen das zu erreichen, was man erreichen wollte, und das Beste an der Sache war: es war nicht einmal erforderlich, daß alle dasselbe Ziel hatten.
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