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Goethe |
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geschrieben am: 23.12.2002 um 14:36 Uhr
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Grüsst euch!
Da ich Goethe in Form, Ausdruck und Inhalt wahnsinnig mag, wünsche ich mir von euch zu Weihnachten eure Lieblingsgedichte von ihm! :-))
Ich mach den Anfang...
"Warum ist Wahrheit fern und weit?
Birgt sich hinab in tiefste Gründe?
Niemand versteht zur rechten Zeit!
Wenn man zur rechten Zeit verstünde,
so wäre Wahrheit nah und breit
und wäre lieblich und gelinde."
-Sehnsüchtig-
Noe |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.12.2002 um 15:17 Uhr
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Prometheus (in seiner Werkstatt)
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst,
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonne, als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät,
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Thoren
Da ich ein Kind war,
Nicht wußte wo aus noch ein,
Kehrte ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir Wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herren und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle Blütenträume reiften?
Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
zu genießen und zu freuen sich,
Und Dein nicht zu achten
Wie ich!
Johann Wolfgang von Goethe
(Aus: Prometheus, ein dramatisches Fragment, 1773)
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.12.2002 um 16:59 Uhr
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den prometheus musste ich im lk auswendig lernen.... hm
das nachfolgende gedicht auch....
johann wolfgang goethe
mächtiges überraschen
(1807/08)
Ein Strom entrauscht umwölktem Felsensaale,
Dem Ozean sich eilig zu verbinden;
Was auch sich spiegeln mag von Grund zu Gründen;
Er wandelt unaufhaltsam fort zu Tale.
Dämonisch aber stürzt mit einem Male -
Ihr folgen Berg und Wald in Wirbelwinden -
Sich Oreas, Behagen dort zu finden,
Und hemmt den Lauf, begrenzt die Schale.
Die Welle sprüht und staunt zurück udn weichet
Und schwillt bergan, sich immer selbst zu trinken;
Gehemmt ist nun zum Vater hin das Streben.
Sie schwankt und ruht, zum See zurückgedeichet;
Gestirne, spiegelnd sich, beschaun das Blinken
Des Wellenschlags am Fels, ein neues Leben.
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das gedicht hat was. und oreas ist eine bergnymphe die den berg personifiziert - zum verständnis :).
wieso grade goethe? ich mein...ich weiß ja nicht ob du in der schule bist oder sonstiges, aber das warum würde mich interessieren.
kennt du vielleicht den dichter joseph von eichendorff? der schreibt auch gedichte....wahnsinn
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.12.2002 um 17:23 Uhr
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(zitat)
wieso grade goethe? ich mein...ich weiß ja nicht ob du in der schule bist oder sonstiges, aber das warum würde mich interessieren.
kennt du vielleicht den dichter joseph von eichendorff? der schreibt auch gedichte....wahnsinn(/zitat)
Mit Schule hat das nichts zu tun- nein.
Nur habe ich mich mich 11 oder 12 schon hingesetzt und GoetheŽs Faust gelesen- habŽs zwar damals nicht gleich verstanden, aber war es und bin jetzt- nach dem ich mehr begreife- erstrecht begeistert!
Nur komme ich nie dazu mehr von ihm zu lesen als die gängigen Sachen oder mal dies und das, was man so aufschnappt.
Deshalb würden einige Sachen sicher Platz in meinem Gedanken- und Lyrikbüchlein finden! :-)
Eichendorff sagt mir was, doch zitieren könntŽich wohl nicht! :-) Doch wenn du möchtest, schreibe mir eins oder öffne einen neuen Thread, wenn es dir hier nicht passend erscheint.
Auf mehr wartend und für schon Geschriebenes dankend
Noe |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.12.2002 um 18:19 Uhr
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nee, einen eigenen thread braucht das nicht. es war bloß ne frage. also ich hab in den letzten wochen viel über goethe gelernt.... . naja, was man halt in der schule lernt, aber immerhin im deutsch-lk, aber bei einem phantastischen lehrer.... der ist echt unglaublich - was der alles weiß, da wird man bloß noch blass vor neid ;). aber im ernst - der ist unglaublich. wir befassen uns mit literarischen epochen. sturm und drang, romantik, klassik, aufklärung etc. . zur zeit sind wir bei ... ähm.... klassik. wir müssen öfters mal was auswendig lernen und unheimlich viel lesen. etliche stücke, ich weiß nicht ob die dir was sagen, z.b. maria stuart, die räuber, die leiden des jungen werther und so. natürlich nicht bloß von goethe. falls du dich nicht bloß für die gedichte von goethe interessierst - also da gibts von seinen stücken immer so reclam-hefte, die kosten kaum was....1,90 oder so. wollte ich bloß mal gesagt haben - wenn dich das wirklich so interessiert :))
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| "Autor" |
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geschrieben am: 24.12.2002 um 01:29 Uhr
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Gesang der Geister über den Wassern
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.
Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!
Goethe
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| "Autor" |
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geschrieben am: 24.12.2002 um 12:20 Uhr
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| Wunderbare Verse Talja... eines der schönsten und berührendsten die ich kenne. |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 24.12.2002 um 15:14 Uhr
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Hier ist noch ein sehr schönes
Willkomm und Abschied
Es schlug mein Herz. Geschwind, zu Pferde!
Und fort, wild wie ein Held zur Schlacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht.
Schon stund im Nebelkleid die Eiche
Wie ein getürmter Riese da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.
Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah schläfrig aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr.
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch tausendfacher war mein Mut,
Mein Geist war ein verzehrend Feuer,
Mein ganzes Herz zerfloß in Glut.
Ich sah dich, und die milde Freude
Floß aus dem süßen Blick auf mich.
Ganz war mein Herz auf deiner Seite,
Unde jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbes Frühlingswetter
Lag auf dem lieblichen Gesicht
Und Zärtlichkeit für mich ihr Götter,
Ich hofft es , ich verdient es nicht.
Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe!
Aus deinen Blicken sprach dein Herz.
In deinen Küssen welche Liebe,
O welche Wonne, welcher Schmerz!
Du gingst, ich stund und sah zur Erden
Und sah dir nach mit nassem Blick.
Und doch welch Glück, geliebt zu werden,
Und lieben, Götter, welch ein Glück!
Johann Wolfgang Goethe
Geändert am 24.12.2002 um 15:15 Uhr von talja |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 25.12.2002 um 19:07 Uhr
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:-) Auch dieses gefällt mir sehr und passt zudem zu meiner momentanen Situation....
Danke! |
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