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Inccubus (Geschichte)

Nutzer: LoreleiDaSilver
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geschrieben am: 04.07.2002    um 17:17 Uhr   
Halbdämon

Man sagte ihr nach, dass sie Unglück bringe, und jeder scheinbar unerklärliche Tod (der durch eine gründlichere Untersuchung eines Arztes bestimmt als 'natürlich' hätte bezeichnet werden können), wurde ihr angehängt, egal, ob es ein Säugling oder ein alter Mann war, der schon lange den Winter seines Lebens erreicht hatte.
Wenn ein Sturm durch die Dörfer fegte, die Felder verwüstete und einen Großteil der Ernte zerstörte, wurde sie dafür verantwortlich gemacht, galt es als 'Hexenwerk' oder 'Dämonenfluch'. Aber was hatte sie denn verbrochen?
Sie war anders, aber das war auch schon alles. Doch den Bauern und unwissenden Grafen war es genug. Sie, die ein unheiliges Produkt einer Verbindung zwischen Mensch und Dämon war, ein Bastard mit den Vorteilen eines Inccubus, eine Frau mit ledernen Schwingen und stahlharten Klauen wurde immer als Quell allen Übels angesehen.
Ihre Mutter wurde als Hexe auf einem Scheiterhaufen verbrannt, von der Hebamme angeklagt, die dem Säugling die dämonische Herkunft ansah, bevor er ganz geboren war. Ebendiese Hebamme war es auch, die sie töten wollte, die das blutverschmierte Kind mit spitzen Fingern an den Füßen hielt, es von der Nabelschnur abriss und in die erwartungsvoll blakenden Flammen der Feuerstelle warf.
Doch das Kleine, durch seine Herkunft immun gegen die verzehrende Hitze der Flammen, verbrannte nicht, schrie nicht vor Schmerzen und war nur ganz still.
"Stirb, elendes Balg", schrie die Hebamme, außer sich vor Wut, dass sich ihr dieser Bastard widersetzte. Sie zerrte es wieder aus den Flammen und fing an, mit einem eisernen Kochtopf auf das Kind einzuschlagen. Erst jetzt fing es an zu schreien, und die Mutter weinte verzweifelt, von den Schmerzen der Geburt gepeinigt und von der Angst um ihr Kind gequält. sie versuchte sogar, die Hebamme zurückzuhalten, doch sie war zu schwach.
Nur das plötzliche Auftauchen des Inccubus rettete das Neugeborene. Durch seine charismatische Ausstrahlung ließ er die Hebamme erstarren, entwand ihr das Kind und drückte es an seine Brust. Dann verschwand er wieder, ließ die Frauen zurück, die eine erleichtert, die andere zornerfüllt und voller Hass.
Das alles wurde ihr erst später erzählt, als ihr Vater sie für groß genug hielt, um es sie wissen zu lassen. Er war ihr ein guter Vater gewesen, hatte sie wohlerzogen und unterrichtet, ihr sein gesamtes Wissen vermacht. Und von den Menschen hatte er ihr erzählt, und sie eindringlich vor ihnen gewarnt. Doch sie war zur Hälfte ein Mensch, und diese Hälfte schenkte seinen Worten zwar Glauben, doch war sie auch so gut, dass sie nicht alle Menschen gleichermaßen verteufelte.
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Nutzer: LoreleiDaSilver
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geschrieben am: 04.07.2002    um 17:18 Uhr   
Natürlich zog es sie zu ihnen, diesem seltsamen Volk, zurück zu ihrer Geburtsstätte. Hier war es viel interessanter und aufregender - und gefährlich. Das musste sie am eigenen Leib erfahren, udn nur deswegen, wegen ihrer eigenen Neugier und Unvorsichtigkeit, hing sie an diesem Felsen und kletterte um ihr Leben. Sie hatte ihrem Vater nicht glauben wollen, dass die Menschen uneinsichtig seien und alles vernichten würden, was nicht wie sie aussah. Sie hatte sie unterschätzt, ganz einfach.
Mit Heugabeln hatten sie sie gejagt, mit Schrotflinten auf sie gezielt und mit faulem Obst nach ihr geworfen, zusammen mit deftigen Flüchen und Verwünschungen. Einer von ihnen hatte ihr die Flügel zerfetzt, mit einem Messer in Streifen geschnitten, damit sie nicht mehr fliegen konnte. Nutzlos für ihre Flucht waren sie geworden, und schmerzlich genug, um sie zu quälen.
Tränen rollten über ihre Wangen, aber sie gab nicht auf. Sie war schneller als diese dummen Menschen, und mit ein wenig Glück, könnte sie bis zu der Plattform auf dem Berg klettern, um sich dort ein wenig auszuruhen. Unter ihr schrie der Dorfpöbel, wedelte mit spitzen und scharfen Gegenständen, selbst die Kinder fuchtelten mit Dolchen oder Messern.
Sie spürte, wie ihre Kräfte langsam zu erlahmen drohten, merkte, dass sie ein oder zweimal mit ihren Händen abrutschte und gefährlich nahe davor stand, hinunter zu fallen. Nur noch ein kleines Stück.
Mit letzter Kraft zog sie sich hinauf - und sah in den Lauf eines Gewehrs.
"Du hast aber lange gebraucht, Dämon", sagte der Jäger kalt. Seine Waffe war durchgeladen, bereit zum Schuss. Sie gab auf, gab einfach auf. Diesem hier konnte sie nicht entkommen, dazu fehlten ihr ihre Flügel und ihre Kraft. Doch sie wollte ihrem Tod stehend in die Augen sehen, und so richtete sie sich auf.
"Stirb, du Bastard!" waren seine letzten Worte, gefühllos, ohne Mitleid. Ein Jäger auf der Jagd. Er schoss.
Sie konnte es nicht glauben. Fühlte sich so der Tod an? Wie ein kleines Loch in der Brust, aus dem unaufhörlich Blut strömte? Ein langsamer schlagendes Herz?
Der Jäger feuerte noch einen weiteren Schuss ab, und diesmal taumelte sie nach hinten, eine Hand auf ihrer Brust, den Unglauben immer noch im Gesicht. Ihre Füße trafen nur auf Leere, und dann fiel sie, fiel die ganzen anstrengenden Meter Felswand wieder hinunter, der wartenden Menschenmenge entgegen, die bluthungrig johlte und lachte.

das lore
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