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"Autor"

»sie«

Nutzer: nandris
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geschrieben am: 09.08.2002    um 12:23 Uhr   

(zitat)einmal hatte ich nach der wæesche seine socken ins schubfach seiner kommode eingeræumt, nicht gestœbert, nichts gesucht. es waren viele socken in der wæsche gewesen, das schubfach war fast leer, sonst hætte ich wahrscheinlich gar nichts gesehen.
es war ein duennes heft, alt & zerlesen. das glanzpapier hatte seinen glanz im laufe vieler jahre eingebuesst, auf manchen fotos fehlte sogar ein wenig von der farbe. insgesamt vielleicht 20 fotos, auf jeder seite 1.
wæren es nackte frauen gewesen, von mir aus auch paare, die sich miteinander beschæftigten, es hætte mich vielleicht schockiert im ersten augenblick, weil ich von alleine niemals auf den gedanken gekommen wære, dass f. sich solche hefte anschaute. aber ich hætte mich wohl nicht allzusehr darueber aufgeregt. ich hætte mir sagen kœnnen, es ist normal. er ist ein mann, er war lange allein. & mænner schauen sich solche hefte gerne an, wenn sie allein sind oder in der ehe zu kurz kommen.
aber es waren keine paare & keine nackten frauen. es waren kinder in unterschiedlichem alter. da war vor allem ein bild: ein mædchen von vielleicht 8 oder 9 jahren auf einem stuhl, in einer position, die es bestimmt nicht freiwillig eingenommen hatte. den ausdruck auf dem kindergesicht habe ich nie vergessen kœnnen. das kind læchelte; es hætte ebensogut weinen kœnnen, so verkrampft wirkte sein gesicht.
es war so widerlich, zu begreifen. wir waren seit 6 jahren verheiratet, gerade ins haus eingezogen. vielleicht hatte ich schon lange vorher begriffen & es nur nicht wahrhaben wollen, nicht von mir selbst & erst recht nicht von anderen. f. liebte mich, o ja, er sorgte dafuer, dass es mir gut ging, dass ich mir keine sorgen machen musste. aber wenn er mit mir schlief, dann meinte er nicht mich.(/zitat)

[aus »der stille herr genardy«, p. hammesfahr.]


~€~


»sie«

mein blut fliesst wie der atem einer toten
durch adern, von der einsamkeit verengt,
und tief in meinem innern schwillt ein knoten,
der alles leben harsch nach aussen drængt.

die trænen lassen lange auf sich warten
und alles um mich her wird hart und kalt
wie glieder, die im todeskrampf erstarrten.
das eis ist glatt. ich finde nirgends halt.

die schmerzen stuerzen wild aus meinen tiefen
wie damals, als ich unaufhœrlich schrie,
wie damals, als wir miteinander schliefen -
gevœgelt hast du mich, gedacht an »sie«.


© nandris


Geändert am 09.08.2002 um 14:47 Uhr von Nandris

Geändert am 09.08.2002 um 14:50 Uhr von Nandris

Geändert am 12.08.2002 um 13:52 Uhr von Nandris
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Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 09.08.2002    um 12:34 Uhr   
Hallo nandris,

ist die textpassage aus "die sünderin" ?

Deine zeilen sind beindruckend bedrückend.so will ich es mal auf den punkt bringen!

Gruss Lama
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Nutzer: nandris
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geschrieben am: 09.08.2002    um 14:53 Uhr   
danke, lama.
deine frage duerfte sich beantwortet haben.

(zitat)

»cold feet«,
© laurie snow hein.(/zitat)

xxx
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Nutzer: Bigmoon
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geschrieben am: 09.08.2002    um 14:57 Uhr   
Hallo nandris

lasse uns wieder öfter etwas von dir lesen
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"Autor"  
Nutzer: nandris
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geschrieben am: 10.08.2002    um 16:10 Uhr   
(zitat)sie malt gern bilder von sich selbst
& riesengrossen maennern in einer zwergenwelt.
sie weiss geschichten, die sie nie erzaehlt;
die meisten davon hat sie selber erlebt.

wie die vom boesen wolf, der hin & wieder kommt
& jedesmal danach von ihr verlangt,
dass sie niemals ein sterbenswoertchen sagt,
weil er sie dafuer sonst fuerchterlich bestraft...

wenn ihre mami sie in den arm nimmt,
wuerde sie am liebsten weinen & alles gestehen,
doch sie hat angst & sie schaemt sich
sie weiss keinen rat & versucht wegzusehen

wenn der boese wolf hin & wieder kommt,
& jedesmal danach von ihr verlangt,
dass sie keinem ein sterbenswoertchen sagt,
weil er sie dafuer sonst fuerchterlich bestraft...

sie ist so scheu wie ein reh.
man nimmt sie kaum wahr, denn sie redet nicht viel.
sie bleibt am liebsten fuer sich allein,
betet zu gott & wuenscht sich dabei,
dass der boese wolf niemals wieder kommt
& mit festem griff um ihren hals verlangt,
dass sie niemals ein sterbenswoertchen sagt,
weil er sie dafuer sonst fuerchterlich bestraft.(/zitat)

[die toten hosen.]
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Nutzer: himmelswache
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geschrieben am: 10.08.2002    um 18:36 Uhr   
nandris, du bist ein autor, der sachen sehr gut auf den punkt bringen und zusammensetzen kann. deine beiträge beschäftigen nicht nur minuten, nicht nur einige, sondern sie bleiben kleben, manchmal ganze sätze, manchmal bloß bestimmte wendungen. sie bewegen mich und ich MUSS mich in solchen tagen dann mit diesem thema ausseinander setzen, da gedanken dazu in meinem kopf herrumschwirren. ich schreibe gedichte und habe dabei einen beitrag von dir im hinterkopf...vielleicht solltest du wirklich mal versuchen deine "werke" einem breiteren publikum zur verfügung zu stellen, damit auch sie begreifen, dass alles mehrere gesichter hat und das man über folgen seines tun`s nachdenken sollte.

beindruckte,leicht-verwirrte hw
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Nutzer: nandris
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geschrieben am: 11.08.2002    um 13:50 Uhr   
himmeLswAche,

vieleN dAnk ƒuEr deiN lOb, abeR eRfahrunGsgeMæss haT es wEdeR zweCk nocH wirKunG, mEine gedi(hte deNjeniGen vorzusTeLLen, ƒuEr die sie bEstiMMt siNd :-(.

xxx
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Nutzer: nightrose
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geschrieben am: 11.08.2002    um 13:54 Uhr   

Schön geschrieben aber trauurig
Aber oft ist das Leben so :-(
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

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Nutzer: Almitra
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geschrieben am: 12.08.2002    um 14:35 Uhr   
(zitat)Fee Fi Fo
the cranberries

Fee Fi Fo sie riecht seinen Körper
Sie riecht seinen Körper
Und es zerstört ihre Seele
Es gibt sovieles, was er beantworten muss
Beantworten, warum er die Seele eines Kindes ruiniert

Wie kannst du etwas anfassen?
So unschuldig und rein
Obskur
Wie kannst du befriedigt werden
Durch den Körper eines Kindes?
Du bist abscheulich, du bist

Es ist wahr, was die Leute sagen
Gott beschützt diejenigen, die sich selbst
Auf ihre Weise helfen
Es ist wahr, was die Leute sagen
Gott beschützt diejenigen, die sich selbst
Auf ihre Weise helfen

Er hat in ihrem Schlafzimmer gesessen
In ihrem Schlafzimmer
Und was sollte sie jetzt tun?
Sie wurde so unsicher
Und seine Verunreinigung
war eine sich zusammenbrauende Dunkelheit

Wie kannst du etwas anfassen?
So unschuldig und rein
Obskur
Wie kannst du befriedigt werden
Durch den Körper eines Kindes?
Du bist abscheulich, krank

Es ist wahr, was die Leute sagen
Gott beschützt diejenigen, die sich selbst
Auf ihre Weise helfen
Und ich frage mich oft:
Wer beschützt diejenigen, die sich nicht selbst beschützen können?
Es ist wahr, was die Leute sagen
Gott beschützt diejenigen, die sich selbst
Auf ihre Weise helfen
Und ich frage mich oft:
Wer beschützt diejenigen, die sich nicht selbst beschützen können?(/zitat)

*nickt* manches ist leider völlig sinnlos, betr. Zweck und Wirkung.:-(



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Nutzer: Rhiannon
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geschrieben am: 12.08.2002    um 15:11 Uhr   

wie schön und schockierend.
sicherlich können sich viele hier in deine zeilen
einfühlen.
seltsam, wieviel grundlosen hass es auf der welt gibt.

aber dieses "ich finde nirgends halt" irritiert mich.
den ausdruck hast du schon öfters benutz, war es in "das ende" oder "ich sterbe"?

Rhia
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Nutzer: nandris
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geschrieben am: 13.08.2002    um 01:20 Uhr   
(zitat)ich sterbe(/zitat)

ich kann mich an kein gedicht mit diesem plumpen titel erinnern.
btw., keinen halt zu finden ist keine grosse sache.

xxx
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Nutzer: Rhiannon
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geschrieben am: 13.08.2002    um 15:32 Uhr   

Ich sterbe
der nebel reißt. im milchmeer klafft ein spalt.
mein herz haelt still. die lider werden schwer.
die adern platzen auf. mein leib laeuft leer.
mein blick zerbricht. ich finde nirgends halt.

verfaulte traenen sickern warm empor
aus einem roten riss im himmelszelt.
die erde atmet schwer. die sonne faellt
herab. es dunkelt. angst dringt an mein ohr.

das meer umarmt mich. mein verstand ertrinkt.
mein kopf faellt auf den brennenden asphalt.
das leben rinnt aufs pflaster. haut wird kalt.
die wolken stuerzen ein. mein stern versinkt.

nandris


na, erinnerst du dich jetzt?

übrigens hab ich mir gerade eben bei amazon von sylvia plath bestellt, mich hat dieses "lady lazarus" so fasziniert.

Rhia
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Nutzer: nandris
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geschrieben am: 13.08.2002    um 18:12 Uhr   
& wo kommt der titel »ich sterbe« her? sicher nicht von mir - das ding war unter dem namen »excrucior« verœffentlicht, aber das ist eigentlich scheissegal.

love&peace,

xxx
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