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Der Seelendieb

Nutzer: Sorry555
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geschrieben am: 13.08.2002    um 11:01 Uhr   
In einer Stadt, die Bakshaan hieß und so reich war, dass alle anderen Städte des Nordostens dagegen arm erschienen, saß eines Abends in einer von hohen Türmen gekrönten Taverne Elric, Lord der rauchenden Ruinen Melnibonés, und lächelte wie ein Hai und scherzte gekonnt mit vier mächtigen Kaufmannsprinzen, die er in wenigen Tagen in Armut zu stürzen gedachte.
Mondmatt, der Fremdländer, Elris Gefährte, betrachtete den großgewachsenen Albino mit Bewunderung und Sorge. Dass Elric lachte und scherzte, kam selten vor - dass er jedoch gutgelaunt seine Zeit mit Männern des Kaufmannstandes teilte, das hatte es bisher noch nicht gegeben. Mondmatt beglückwünschte sich, dass er Elrics Freund war, und überlegte, was sich aus diesem Zusammensein wohl noch ergeben mochte. Wie üblich hatte sich Elric gegenüber Mondmatt nur wenig über seine Pläne ausgelassen.
"Wir brauchen deine speziellen Fähigkeiten als Schwertkämpfer und Zauberer, Lord Elric, und werden dich dafür sehr gut belohnen." Pilarno, übermäßig herausgeputzt, nervös und hager, war der Wortführer der vier. "Und wie wollt ihr zahlen, meine Herren?" erkundigte sich Elric höflich lächelnd.
Pilarnos Kollegen hoben die Augenbrauen, und sogar der Sprecher war leicht gekränkt. Er bewegte eine Hand durch die verqualmte Luft des Schänkenraums, in dem die sechs Männer die einzigen Gäste waren.
"In Gold - in Edelsteinen" antwortete Piarno. "In Ketten", sagte Elric. "Wir freien Wanderer brauchen solche KEtten nicht." Mondmatt beugte sich aus dem Schatten, und sein Gesicht verriet, dass er Elrics Äußerung mißbilligte.
Auch Pilarno und die anderen Kaufleute waren sichtlich überrascht. "Wie sollen wir dich dann bezahlen?"
"Darüber entscheiden wir später", sagte Elriclächelnd. "Wozu vorzeitig über solche Dinge sprechen - was soll ich tun?"
Pilarno hüstelte und wechselte Blicke mit seinen Begleitern, die ihm zunickten. Pilarno senkte die Stimme und sagte langsam:
"Dir ist bekannt, dass der Handel in dieser Stadt einer starken Konkurrenz unterliegt, Lord Elric. Viele Kaufleute wetteifern miteinander um die Kundschaft des Volkes. Bakshaan ist eine reiche Stadt, und seiner Bevölkerung geht es im allgemeinen gut."
"Das ist bekannt," stimmte Elric zu;insgeheim verglich er die reichen, wohlhabenen bakshaanischen Bürger mit Schafen udn sich selbst mit dem Wolf, der den Pferch heimsuchen wollte. Wegen dieser Gedanken stand in seinen roten Augen ein humorvolles Blitzen, das Mondmatt als boshaft und ironisch erkannte.
"In dieser Stadt gibt es nun einen Kaufmann, der über mehr Lagerhäuser und Läden gebietet als jeder andere," fuhr Pilarno fort. "Wegen der Größe seiner Karawanen kann er es sich leisten, größere Warenmengen nach Bakshaan zu bringen, und kann deshalb günstigere Preise machen. Er ist praktisch ein Dieb - mit seinen unfairen Methoden wird er uns noch ruinieren." Pilarno war ehrlich gekränkt und bekümmert. " Du meinst Nikorn aus Ilmar?" fragte Mondmatt hinter Elric. Pilarno nickte stumm. Elric runzelte die Stirn "Dieser Mann führt seine eigenen Karawanen an - er stellt sich den Gefahren von Wüste, Wald und Bergen. Er hat sich seine Stellung verdient."
"Darum geht es wohl kaum!" rief der dicke Tormeil, über die Maße geschminkt und gepudert und mit Ringen überladen. Seine Fleischmassen wabbelten. "Nein, natürlich nicht." Der glatzköpfige Kelos tätschelte seinen Kollegen beruhigend den Arm. " Aber wir alle bewundern Mut - hoff ich." Seine Freunde nickten. Der stumme Deinstaf, der letzte der vier, hüstelte ebenfalls und wiegte den haarigen Schädel. Er legte die kränklich wirkenden Finger auf den juwelenbesetzten Griff eine geschmückten, doch praktisch nutzlosen Dolches und straffte die Schultern. "Aber", fuhr Kelos mit zustimmenden Blick auf Deistaf fort, "
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geschrieben am: 13.08.2002    um 13:52 Uhr   
Nikor geht kein Risiko mehr ein, wenn er seine Waren billig anbietet - mit seinen niedrigen Preisen bringt er uns an den Bettelstab." "Nikor ist uns ein Dorn im Fleische", erklärte Pilarno unnötigerweise. "Und ihr Herren wollt nun, dass ich und mein Begleiter diesen Dorn entfernen", stellte Elric fest.
"Kurz gesagt, ja." Pilarno hatte zu schwitzen begonnen. Er schien vor dem lächelnden Albino auf der Hut zu sein. Es gab zahlreiche Legenden über Elric und seine Abenteuer, die in grausam ausgeschmückten Einzelheiten bercihtet wurden. Es war auf die Verzweiflung dieser Männer zurückzuführen, dass sie ihn in dieser Angelegenheit um Hilfe baten. Sie brauchten einen Mann, der sich sowohl in den nigromatischen Künsten auskannte als auch mit dem Schwert. Elrics Ankunft in Bakshaan war möglicherweise ihre Rettung.
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geschrieben am: 13.08.2002    um 14:27 Uhr   
"Wir möchten Nikors Macht brechen", fuhr Pilarno fort. "Und wenn dies bedeutet, dass wir Nikor selbst vernichten müssen, dann..." Er setzte ein halbes Lächeln auf, und zuckte die Achseln und beobachtete Elric Gesicht. "Gewöhnliche Mörder lassen sich doch leicht anwerben, besonders in Bakshaan.", sagte Elric leise.
"Äh - das ist richtig", stimmte Pilarno zu "Aber Nikor hat einen Zauberer in Diensten - und eine Privatarmee. Der Zauberer schützt ihn und seinen Palast mit MAgie. Und eine Garde von Wüstenkriegern sorgt dafür, dass natürliche Methoden zum gleichen Zweck eingesetzt werden können, sollte Magie versagen. Mörder haben bereits versucht den Kaufmann aus der Welt zu schaffen, doch leider hatten sie damit kein Glück."
Elric lachte. "Wie enttäuschend, meine Freunde! Trotzdem, Mörder sind nun mal die entbehrlichsten Mitglieder in der Gemeinschaft- nicht wahr? Ihre Seelen haben wohl außerdem einen Dämonen zufrieden gestellt, der andernfalls ehrlichere Leute heimgesucht hätte." Die Kaufleute lachten halbherzig, worüber Mondmatt grinsen musste; er saß im Schatten und freute sich über die Szene.
Elric schenkte den andern fünf Wein von einem Jahrgang nach, den zu trinken den Bakshaanern gesetzlich verboten war. Zuviel davon raubte den VErstand; dabei hatte Elric bereits große Mengen genossen, ohne dass sich schlimme Nebenwirkungen zeigten. Er hob einen Becher des goldenen Weins an die Lippen und leerte ihn, danach atmete er tief und voller Zufriedenheit, als das Getränk seine Blutbahn erreichte. Die anderen kosteten eher vorsichtig. Die Kaufleute bedauerten bereits die Eile, mit der sie den Albino angesprochen hatten. Sie begannen zu ahnen, dass nicht nur die Legenden stimmten, sondern dass sie dem Manne mit den seltsamen Augen, den sie für ihre Zwecke einspannen wollten, irgendwie nicht gewachsen waren.
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