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geschrieben am: 14.08.2002 um 18:06 Uhr
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ein hohes gatter zwischen mir und den wölfen, ein tiefer graben, den sie leicht überspringen könnten, wäre nicht der drahtzaun dahinter. ein künstlicher hügel. ein paar steinblöcke, sträucher und bäume, die jetzt, in der mittagszeit, keinen schatten geben. zwei wölfe, einander so ähnlich, dass ich sie nicht unterscheiden kann, laufen entlang des grabens; sie kehren um, laufen zurück, kehren wieder um. wie weit laufen wölfe, wenn sie ihrer beute folgen, fünfzig kilometer oder mehr? unter einem der büsche liegt ein schmächtiger wolf, die schnauze auf den pfoten. eine schlanke wölfin sitzt daneben, ihr fell ist silbergrau, im grellen sonnenlicht scheint es fast weiss. einer der wölfe, braun wie eine kastanie, trottet zu ihr. zwei junge wölfe, das haselnussbraune fell noch wollig wie bei welpen, spielen miteinander, zausen einander den pelz. oben auf der hügelkuppe steht ein schwarzer wolf, der grösste aus der schar. er schaut auf mich herab. was bin ich für ihn - ich, der mensch?
ich sehe in die augen der wölfe, wenn ihr blick mich streift, und ich glaube traurigkeit darin zu lesen.
was mögen sie empfinden, sie, die gefangenen in einem winzigen revier, das wir freilandgehege nennen?
ergeben in ihr geschick, das sie nicht ändern können, so scheinen sie mir. aber das ist ein menschlicher begriff.
um wirklich zu wissen, was in ihnen vorgeht, müsste ich ein wolf sein wie sie.
vor dem gitterzaun stehend, den tiefen graben zwischen mir und den wölfen, wünsche ich mir, ich könnte einer von ihnen sein, könnte denken und fühlen wie sie - nur ein paar herzschläge lang.
aber das ist ein vergeblicher wunsch. was mich von den wölfen trennt, ist nicht nur der zaun, ist nicht nur der graben.
die silbergraue wölfin und der braune wolf berühren einander mit den schnauzen. eine zärtliche geste,
sage ich mit meinen menschenworten. die zwei am zaun trotten noch immer hin und her... hin und her.
oben auf dem hügel hebt der schwarze wolf den kopf, als wollte er sein lied anstimmen und das rudel rufen -
aber er bleibt stumm.
der schmächtige wolf unter dem busch ist eingeschlafen. seine rute bewegt sich, seine ohren zucken.
läuft er im traum durch hohes gras, das seine flanken berührt, läuft er im schatten endloser wälder dahin?
ich wünsche, ich könnte mein menschsein vergessen und den traum des wolfes mit ihm träumen...
(käthe recheis - einleitung zum buch wolfsaga)
wie gerne würde ich mein menschsein vergessen...leise seuftz und sich zurückzieht
*Fee*
Geändert am 14.08.2002 um 18:07 Uhr von *dieFee* Geändert am 14.08.2002 um 18:09 Uhr von *dieFee* |
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