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Licorne |
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geschrieben am: 13.09.2002 um 10:56 Uhr
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Ein Einhorn, das durch grau gepflasterte Strassen zog,
hob sein von tausend Sternen schimmerndes Haupt.
Sekunden strichen wie Sommerwind her,
und von keinem Laut mehr wurde die Stille geraubt.
Das Einhorn, das in Vollkommenheit reglos stand,
sah aus unsterblichen Augen zum Himmel hinan.
Ein mondhelles Leuchten floh über seinen Leib,
als aus grau gepflasterten Wolken der Regen begann.
Und ein jeder Tropfen war eine Perle aus Glas.
Als das Einhorn einen silbrigen Laut von sich gab,
klang es zum Gruß an die grau gepflasterte Welt,
die so viel und so wenig zugleich zu sehen vermag.
Es legte zum Sterben sich nieder schon in der Nacht
da die Welt für das Einhorn Schweigen nur hattŽ,
und es war sterblich geworden ein häßliches Tier
in einer häßlich gewordenen, schweigenden Stadt.
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| "Autor" |
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geschrieben am: 13.09.2002 um 20:18 Uhr
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...
ich genieße die stille.
die stille um mich rum,
die stille dieser worte,
die stille des einhorns
in meinem inneren,
das dennoch nicht gestorben ist.
auch wenn ihr es glaubt.
RHia |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 14.09.2002 um 12:39 Uhr
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@Engelsfall
Dein Gedicht ist schön geworden.
Irgendwie liest es sich wie eine Anklage. Kann es sein, dass Du "grau gepflastet" zweimal verwendet hast, um den moralisierenden Charakter des Gedichtes zu verstärken. Oder bin ich jetzt total auf dem Holzweg ?
Gruss Lama
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| "Autor" |
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geschrieben am: 14.09.2002 um 15:21 Uhr
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Doch dann eine Stimme drang zu dem Wesen,
Das lange und länger schon hiergewesen.
Sie zwar nur von einem kleinen Menschen kam,
Doch die meint es ehrlich und umstreifte es warm.
"Warum denn nur, Du schönes Tier,
Rege Dein Haupt, oh sage mir,
Was Dir nur jene Harm angetan,
Dem Schönsten, was menschliche Augen je sah'n.
Warum nur, liegst Du hier auf den Straßen,
Der Anger ist nah, auf dem wir Kinder als saßen.
Weine nicht, denn nun bin ich da,
Der prächtigste Ritter, den die Welt jemals sah."
So streckt der Jüngling, erst sieben an Jahren
Sein Holzschwert gen Himmel, das gefüllt wird mit Strahlen,
Dass alle Menschen, wie das Kind können sehen,
Welch prächtiges Tier wird zugrunde gehen.
"Weine nicht, denn ich mit nun da
Der prächtigste Ritter, den die Welt jemals sah!"
Und als Mut und Glück dem Jungen wiederfahr'n
Bricht sein Schwert mit der Kraft eines Löwenzahn
Die asphalt'ge Decke der Straßen entzwei,
Ruft all seine Träume und Wünsche herbei,
Die hoch und höher im Lichte fliegen;
Weil rein sie sind, die Zweifel besiegen.
Und durch den einfachen Wunsch wird's offenbar:
Er ist der prächstigste Ritter, den die Welt jemals sah.
~Vile
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| "Autor" |
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geschrieben am: 14.09.2002 um 15:28 Uhr
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(zitat)
@Engelsfall
Dein Gedicht ist schön geworden.
(/zitat)
@wendennsonst??
(zitat)
Irgendwie liest es sich wie eine Anklage. Kann es sein, dass Du "grau gepflastet" zweimal verwendet hast, um den moralisierenden Charakter des Gedichtes zu verstärken. Oder bin ich jetzt total auf dem Holzweg ?
(/zitat)
hmm...
(zitat)
...
klang es zum Gruß an die grau gepflasterte Welt,
die so viel und so wenig zugleich zu sehen vermag.
(/zitat)
-Torc-
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| "Autor" |
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geschrieben am: 14.09.2002 um 17:44 Uhr
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((hallo, da ich grade etwas unter zeitdruck stehe, nur eine kurze antwort, die mir am dringensten in diesem thread scheint - der rest folgt später))
@bluelama
ja, da hast du recht. es ist eine anklage, aber keine, die jemanden beschuldigt über das maß seiner eigenverantwortung hinaus. ist es nicht so, daß so viele dinge verloren gehen, weil wir uns einfach nicht mit ihnen auseinander setzen? es muß jeder selbst wissen, inwieweit er dazu in der lage ist...
aber ich möchte gemahnen, daß es wichtig ist, es zu tun.
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| "Autor" |
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geschrieben am: 14.09.2002 um 18:31 Uhr
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Danke für die rasche Antwort, Engelsfall
Dein Appell ist eindrucksvoll und ich wollte dir natürlich keinen "moralischen Zeigefinger" unterstellen, von daher finde ich "gemahnend" treffender als moralisierend. :-)
Gruss Lama |
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geschrieben am: 16.09.2002 um 12:22 Uhr
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Einhörner sind nicht, wie man sie sich vorstellt. Sie sind genau genommen auch nicht anders, aber das wissen die wenigsten. Natürlich gibt es einen Trick an dieser Sache. Eigentlich beschränkt man sich immer darauf, sie sich vorzustellen, und das ist gut so. Denn das bedeutet, daß eigentlich niemand weiß, wie sie wirklich sind, und Dinge, über die man so wenig weiß, das man sie sich vorstellt, die findet man nicht wieder. Die Einhörner sind gar nicht verschwunden. Wir sehen sie jeden Tag. Nur erkennen können wir sie nicht.
Manche sagen, sie sind wie Sterne. Aber das stimmt nicht, denn Einhörner verbrennen nicht in den endlosen Weiten des Alls.
Andere sagen, sie sind so wie Schnee. Aber auch das stimmt nicht, denn Einhörner verursachen kein Verkehrschaos auf winterlichen Autobahnen.
Und wieder andere meinen, sie sind wie das Meer, doch auch hier stimmt etwas nicht, denn Einhörner überfluten nicht die Welt, weil das Loch in der Ozonschicht die Polkappen schmilzt.
Man siehe also, all diese Versuche, ein Einhorn auch nur ansatzweise zu beschreiben, zu umschmeicheln, empfinden zu können – sie alle sind völlig unzulänglich.
Ich bin ganz sicher, daß Einhörner vollkommen anders sind, als man sie sich vorstellt. Der einzige Grund, warum ich sie mir sie so vorstelle ist, daß ich sie mir nicht anders vorstellen möchte.
Es würde sie töten.
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