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geschrieben am: 01.06.2003 um 14:32 Uhr
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Der alte Freund
Mein Kleid trage ich schwer. Schwerer trägt mich mein Kleid. Mein schwacher Arm gestreichelt von dir, des Windes Wonne. Ich lausche und ja ich höre noch dein Lied. Bekannt, vertraut, verliebt habe ich mich einst in deine Stimme, sangst du doch für mich, für uns, für all das wundersame Leben, das des Schicksals Bunde trug, hier an jenem Moor, wo einst mein Samen blühte. Und doch verklingt deine Stimme, mein Freund. Verliebt, vertraut, bekannt fächerst du den Lebenssinn durch mein ergrautes Blattwerk, forderst mich zum Tanz und ich... Ich verharre stil in meiner Müdigkeit. Ich sterbe, alter Freund. Wie lange hörte ich Dich ? Wie lange darf ich noch ? Des Sperlings Nest in meinem Haar steht leer. Ich trug und hielt es lange stolz und weinte Glückswasser, jeden Frühling nach der Balz wenn warm das Nest sich füllte und bald junges Gezwitscher mir verhieß : „wir danken dir, für Schutz und Nahrung, holder Baum.“...wie lange noch ? Und wer wird es tragen, jenes Nest in meinem Haar, wenn nächsten Frühling ich nicht bin ?
Ich dürstete so lange, den Himmel zu berühren, fern in jener Zeit als ich noch mit Büschen und Sträuchern wetteiferte um die Gunst des längsten Armes. Gegangen sind sie, Busch und Strauch, vor langer Zeit und heute spende ich kleinen Bäumen Schatten. Noch bitter ihre Frucht, noch weich und zart ihr Blattkleid streben sie im Willen stark, weil jung gen Himmel. Wie einst auch ich. Sie tanzen erregt in wilder Leidenschaft, wenn sie dein Liebeslied in ihren Armen tragen, holder Wind und ich... ich verharre still in meiner Müdigkeit. Ich sterbe, alter Freund. Gegangen sind sie und ich werde folgen.
Wieviel Leben spendest du, oh Moor im Nebel zu meinen Füßen. Aus dir trank ich den Lebenssaft, doch nun schmerzt mich mein Mund... taub sind meine alten Wurzeln. Soviel nahm ich von dir, wie du von mir. Meine Früchte alt und dörr fallen in dein ewiges Tief, da die Vögel sie nicht wollen. Meine Rinde fahl und spröd, schwimmt an deiner Oberfläche, soweit kam es schon, dass ich mein eignes Kleid nicht tragen kann. Wirst du mich umarmen Moor, wenn ich fallŽ in deinen Arm ? Dann, wenn mein eignes Wurzelwerk die Lippen nicht mehr öffnet ?
Oh Wind , oh weh ! Hörst du es, das Rascheln ihrer Blätter an ihren jungen frischen Ästen ?
Sie laben, winden, locken froh des werdenden Morgens wegen und ich... ich verharre still in meiner Müdigkeit. Ich sterbe, alter Freund...
Copyright by Bantu @Ralha
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Das ist eins der schönsten Stücke, wortmalender Kunst, die ich kenne. Als ich dein Toppic und deinen Beitrag gelesen habe, fiel es mir ein und ich holte mir die Erlaubnis des Autors, es hier rüber zu kopieren.
lächelnd zuzwinkert dem Röslein
Jalima
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