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geschrieben am: 22.10.2002 um 22:34 Uhr
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Eines Tages ging ich spazieren. Ich schlenderte die Straßen entlang. Ich sah einen Mann an eine Ecke gelehnt vor sich hin reden. er hatte eine Flasche Schnaps in der Hand. Ich schaute ihm in die Augen und sah wie gerade sein letzter Funke Hoffnung von einer Träne erdrückt wurde. Seine Augen schrien, sie schrien voller Verzweiflung. Die Flasche war sein einziger Trost und alles was ihm geblieben ist, außer seiner zerlumpten Kleider und einer dreckigen durchlöcherten Decke. Die Menschen hielten von ihm Abstand. Sie blieben nicht stehen um ihm etwas zu essen zugeben. Ich setzte mich neben ihn und hörte mir seine Geschichte an...
Ich lief weiter und dachte über die Geschichte des Mannes nach. Der Mann hatte eine lange schwere Geschichte. Ich habe noch nie eine so traurige Geschichte gehört. er wurde geschlagen, seine Mutter wurde geschlagen. Er wurde ins Heim gesteckt, er bekam keine Liebe. Er war alleine. Er war verlassen und konnte sich nicht wehren. Er nahm Drogen, um zu vergessen, um zu verkraften. Er klaute, um seine "Freunde" zu beschenken. Doch jetzt ist er alleine. Er ist tief gerutscht, zu tief. Und jetzt ist es zu spät, zu spät für alles, sagt er. Er weiß nicht was Liebe ist, er weiß nicht was Hoffnung ist, er kennt es nicht. Er kann nicht vertrauen, denn er hat sich verschlossen, um sich vor der Welt zu schützen. Er ist nicht er selbst. ER betrinkt sich um zu vergessen, um sich abzulenken, um den Schmerz nicht mehr zu fühlen. Die Flasche ist sein einziger Freund, auf sie ist wenigstens verlass, sagt er.
Später ging ich wieder spazieren und da sah ich wieder diesen Mann. Er trank wieder. Wieder hielt ich an und schaute ihm in die Augen. Doch diesmal sah ich nichts, sie waren leer, sie hatten keinen Ausdruck mehr. Sie konnten nicht mehr lachen und auch nicht mehr weinen. Er schaute durch mich hindurch. Er war nicht mehr da, er war total abwesend. Er starrte einfach vor sich hin. Überall hin und nirgendwo. Ich musste weinen, noch nie hatte ich so einen Menschen gesehen. Es war als würde er nicht mehr leben. Mein Herz wurde schwer, ich wollte etwas sagen, doch ich wusste es würde nichts bringen, ich wusste er würde nicht mehr reagieren. Ich ließ mich neben ihm nieder und nahm seine Hand. Aber selbst da kam keine Reaktion. Er tat mir Leid, dieser alte Mann. Ich wollte ihn einmal lachen sehen, ihn einmal fröhlich sehen, einmal ohne seine Flasche...!
Ich blieb noch lange dort sitzen, irgendwann als es dunkel wurde ging ich. Und der mann saß noch genau so da, wie am Anfang, noch immer zeigte sein Gesicht keine Regung, und seine Augen keinen Ausdruck. Traurig lief ich weg...
Ich ging wieder spazieren, und da sah ich diesen Mann wieder. Diesmal lag seine Flasche umgekippt auf dem Boden und der Mann lag in die Decke gehüllt auf dem Boden. Ich ging hin und wollte ihm in die Augen schauen, doch als ich da war, wusste ich jetzt war es zu spät, jetzt konnte ich diesen Mann niemals mehr lachen sehen, niemals mehr fröhlich und ohne seine Flasche. Denn er lag regungslos da, er atmete nicht mehr. Alles begann sich um mich zu drehen, mir wurde schwindlig. Ich wollte schreien, doch da kam nichts. Ich blieb einfach stehen, jetzt war es zu spät, es war zu spät. ich wollte nicht das er ging, ich hatte ihn doch noch nie lachen sehen. Noch nie fröhlich, noch nie ohne seine Flasche. Ich weinte, Menschen blieben um mich und den Mann stehen, sie blieben stehen, als wäre der alte Mann irgendeine Attraktion im Zoo. Sie blieben stehen und begannen zu tuscheln. Warum blieben sie stehen? Davor hatten sie sich doch auch nicht für den alten Mann interessiert. Sie blieben nur stehen um auf dem neusten Stand zu sein, damit sie wieder neuen Stoff zum tratschen hatten. Ich wollte das sie gingen, ich wollte das sie den alten Mann in Ruhe ließen, er hatte ihnen doch nichts getan. Eine fremde Frau kan zu mir und wollte mich trösten, doch ich riss mich loss und rannte davon, weit, weit weg...
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Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
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