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Für meinen Schmetterling |
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geschrieben am: 06.10.2002 um 19:24 Uhr
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Es war einmal eine kleine Distel. Eigentlich war sie gar nichts Besonderes. Stachelig war sie halt und grün - wie Disteln eben so sind. Nicht sehr groß, nicht sehr klein, mit einer kleinen Blütenknospe auf der Spitze. Aber das Schicksal hatte es recht gut mit dieser kleinen Distel
gemeint:
Sie wuchs nämlich ganz in der Ecke eines kleinen Gartens, der ein wenig verwildert war. Der Eigentümer mochte es, daß das Gras etwas länger wuchs, als in den Nachbargärten. Auch freute er sich immer riesig, wenn im Frühjahr die Blumen, Sträucher und Büsche zu blühen anfingen. Selbst an dem glücklichen Unkraut konnten seine Augen sich nicht satt sehen. Und unter gar keinen Umständen hätte er diese Pracht und Schönheit mit schrecklichen Geräten oder Giften zu zerstören versucht.
So kam es, daß dieser kleine Garten eine rechte Pracht war. Da gab es stolze und stachelige Rosen, riesige strahlende Sonnenblumen, einen Apfelbaum in voller Blüte, und auch ansonsten so ziemlich Alles, was wächst und gedeiht.
Besonders die Insektenwelt fühlte sich in dem Gärtchen so recht wohl. Schwärme von fleißigen Bienen summten und brummten von Blüte zu Blüte. Die schönsten Libellen vollbrachten die unglaublichsten Kunststücke, während sie wie kleine Hubschrauber im Tiefflug durch die Büsche und Äste schwirrten. Scharen von Faltern taumelten von Nektar zu Nektar, sehr zur Freude der kleinen bunten Vögelchen, die ihre süßen Liedchen von der Spitze des Apfelbaumes trällerten.
Und trotzdem war unsere kleine Distel gar nicht recht glücklich. All die anderen Unkräuter, Blumen, Büsche und Sträucher waren so viel größer und so viel hübscher. All die Bienen und Hummeln und Falter hatten gar keine Augen für eine stachelige kleine Distel in der Ecke des Gartens. So verbrachte sie die milden Tage des sonnigen Frühlings damit, dem munteren Treiben im Garten zuzusehen. Aber je mehr sie sah, desto einsamer fühlte sie sich auch in ihrer kleine Ecke.
Sie konnte sich so gar nicht an der ganzen Schönheit und dem festlichen Treiben erfreuen. Am liebsten hätte sie ganz laut ausgerufen: "Hey, IHR! ICH BIN AUCH NOCH DA!!!" und "Kommt doch mal zu mir, ich schmecke auch gaaaaanz lecker". Aber bekanntlich können ja Disteln nicht rufen, und haben auch ansonsten keinen sehr guten Ruf was ihre Anschmiegsamkeit betrifft.
So kam es, daß das Frühjahr sich langsam seinem Ende zubewegte, um für einen langen und warmen Sommer Platz zu machen, ohne daß unsere kleine Distel auch nur einen einzigen Besucher hatte. Und während alle anderen Blumen bereits große Blüten zur Schau stellten, war ihre kleine Knospe noch kein Stückchen gewachsen. Auch waren die Bienen, Falter und Libellen inzwischen zu neuen Gärten umgezogen - in diesem hatten sie so ausgiebig gefeiert, daß es für sie nicht mehr viel zu holen gab.
An einem dieser schönen aber traurigen Tage war es, als ein wunderhübscher Schmetterling sich in unseren Garten verirrte. Und wie schön er war. Seine hübschen Flügel schillerten in allen Farben des Regenbogens und leuchteten wie feinste Seide unter den Strahlen einer zufriedenen Sonne. Auch dem Fluge nach war dieses kein gewöhnlicher Falter. Während alle anderen ziellos auf- und ab-, und hin- und herschwirrten, schwebte dieser mehr mit der Eleganz und Leichtigkeit eines Falken.
"Aaaaaaach", dachte die kleine Distel mit einem tiefen Seufzer, während sie voller Sehnsucht und Verlangen diesem Schmetterling zusah, "wenn er doch nur einmal ein Auge für mich hätte".
Aber im ganzen Garten reckten und streckten sich die Stengel, Blüten, Büsche und Äste. "Komm zu mir" winkten sie alle, und "Ruh' Dich aus auf mir und laß' Dir von mir den schönsten Nektar servieren". So traurig wurde die kleine Distel bei diesem Anblick, daß sie doch tatsächlich ein Nektartränchen weinen mußte.
Aber der Schmetterling hatte keine Augen für die großen, bunten und stolzen Blüten. Geradewegs flog er auf unsere kleine Distel zu und setzte sich auf ihre kleine Knospe.
"Du bist genau was ich gesucht habe" lächelte er und trocknete zärtlich ihre Tränen. Und Tränen gab es dort jetzt viele, denn wie Du ja weißt, kann eine Distel auch vor Freude weinen.
Lama
Geändert am 06.10.2002 um 21:21 Uhr von BlueLama |
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geschrieben am: 06.10.2002 um 19:34 Uhr
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*Tränschen wegwischt*
Lama, das ist eine rührende Geschichte  |
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geschrieben am: 06.10.2002 um 20:31 Uhr
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Sehr schön Freund Lama . . . Geschichten, die das Leben (Lama) schreibt! |
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geschrieben am: 06.10.2002 um 21:20 Uhr
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@destiny
Das Bildchen passt ja ganz toll!! Danke dafür... :-))
@fratzi
Zewa-Wisch-und-Weg reich ;-)ansonsten: Dankeschön
@borb
Das wundert mich jetzt aber, dass dir eine Geschichte so ganz ohne Rein-Raus gefällt *schmunzel*
@mindi
Ich schätze wirklich JEDE Kritik, auch wenn ich es nicht immer zeigen mag. Bei *Fehlern* bin ich jedoch IMMER dankbar!! Daher gilt dir mein besonderer Dank. :-))
lieber Gruss
Lama |
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geschrieben am: 06.10.2002 um 23:54 Uhr
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Ich bin, ähm, irgendwie gerührt. Hast du gut geschrieben Lama :-)
Gruss Azze |
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geschrieben am: 07.10.2002 um 00:01 Uhr
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(zitat
@borb
Das wundert mich jetzt aber, dass dir eine Geschichte so ganz ohne Rein-Raus gefällt *schmunzel*
Lama(/zitat)
(i
ähäm :-))) ausnahmen bestimmen die Regel :-)
abba nacher macha ma weiter wie gehabts
borbiusdreitachvarucktikuss ;-) |
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geschrieben am: 07.10.2002 um 18:59 Uhr
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@Azze
danke für deinen Kommentar :-))
@Borb
;-)
Gruss Lama |
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geschrieben am: 07.10.2002 um 22:50 Uhr
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geschrieben am: 07.10.2002 um 22:55 Uhr
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nix da kinkerkacke. *grummels*
also ich finde die geschichte einfach nur rührend und wirklich schön.
kann man sich so richtig schön reinversetzen ;-)
*drücktz dat lamalein mal liep*
greetz
goa |
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geschrieben am: 08.10.2002 um 12:45 Uhr
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@goalein
danke, das freut mich aber. :-))
@dickeskarnickel
>>Kinderkacke
Ich weiß wohl, was Du meinst, aber mir gefällt es. Das Ganze wurde von mir absichtlich so gestaltet, daß die Geschichte eine (nahezu kindliche) Naivität erhält, die in meinen Augen ein notwendiger Bestandteil in jeder aufrichtigen Liebesbeziehung ist.
Freut mich dass das auch von einen überdimensionalen Karottenschlotzer so erkannt wird.
lieber Grüsse
Lama |
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geschrieben am: 08.10.2002 um 13:05 Uhr
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Schöner text.....
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Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
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geschrieben am: 08.10.2002 um 13:51 Uhr
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Mindi,
du raubst unserem rasenden Ostermonster seine ganzen Illusionen
Gruss Lama
ps.s. danke an röschen :-)) |
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