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Die Nachtmahr : Hunger

Nutzer: Yojimbo
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geschrieben am: 17.10.2002    um 17:24 Uhr   
Dies ist kein Liebeslied
und dies ist auch keine Warnung
So wird es sein
Weil jeder seinen Erzfeind
ganz tief im Herzen trägt

Im Mark spür ich den zwölften Schlag
Bewußtlos aus des Schlafes Tiefen
Viel mehr wie blindes Wachen
Mein Geist treibt mich noch immer um
Seit Stunden, ach seit Tagen
Und manchmal schon mein ganzes Leben
Als wär ganz tief in meiner Brust ein Toben wie von Bienen
es sticht und beißt und quält mich schon als wie seit hundert Jahren

Ach wär mein Herz doch nicht so hungrig
und wollt es doch nicht ständig jagen
In Worten, Studien such ich Nahrung
und hungere - und hungere
weil ich so vieles wissen will
weil meine Seele ständig giert
ist diese heil`ge Litanei
für mich nur schaler Fraß

Mein Geist ist wach und langt nach Taten
Zerreißt den Mensch der ich bloß bin
Die Ödnis meiner Seele
das kahle Tal des Lebens
Doch pocht`s so laut ganz tief da drinnen
Es dröhnt in hohler Leere
Erfüllung such ich raubtierwild
zerfetz vor Wut die Bücher
Gar tausend Jahre dumm Geschwätz
so eitel, so verlogen

Hinweg der Menschheit sinnlos Reden
in viel zu vielen Bänden
Brenn, papiergebor`ner Parasit
Nährst dich an meiner Zeit
vergiftest mein Gedankengut
Doch dies war deine längste Zeit

Was bringt`s -
die Müdigkeit kehrt wieder
ermattet sink ich
Als wär in mir ein Kerzenschein
Im stärksten Regensturm
Bald schon flieht mein eigner Wille
als Rabe, fliegt zum Fenster
bei Kerzen sitz ich - gräme mich
bei Kerzen sitz ich - lebe nicht

Noch nicht entschlafen spür ichs schon
zurück schießt mir der Hunger
wie Blitz und Donnerschlagen
Dem Wahnsinn bin ich fast schon nah
so gierig , keine Nahrung
Ich will so vieles noch viel mehr
jedes Geheimnis wissen
was Götter tun will ich vermögen
war nie zum Hund gebor`n
Entreißen will ich die Magie
Dem Himmel und der Hölle
Zum zeitvertreib - mein eignes Spiel
sag wo kann ich die Lehre finden

zu lang war stumpfsinn, lethargie
der schleier meiner Jahre
Daß was ich weiß ist gar nichts wert
Brauch unvergänglich Wissen
so sitz ich unter Büchern
uns starre blind hinaus
betäub das Hirn mit starkem Brandt
betäub den Hunger kaum

Dort draußen tanzt ein wilder Sturm
die schwarzen, naßen Tänze
wär ich doch bloß so stark und frei
wär ich doch bloß so reuelos
verhöhn mich, wirf mir Dreck ans fenster
wie sollt ich mich schon wehren
ach könnt ich bloß ein einzigmal
dir frechem Dämon trotzen
könnt ich bloß diese kalte , fade Welt
zu meiner eignen formen
Dumpf wütend streift mein blick die Jahre
Still seufzend sterb ich leise

Ein trippeln , nicht vom Regen
so leis und unscheinbar
vergaß es zu bemerken
Doch hör ichs durch des Sturmes reigen
so hart als wie von Hufen
Ein Klappern von den Wäldern
vom Brandt berauscht, ich dummer Tor
Nichts regt sich dort im Hofe
nichts regt sich auf der straße

Und doch - nun hör ichs immer lauter
Bald hör ichs wahrhaft donnern
Als schlüg im Grund ein ängstlich herz
will mein geist mir vorgaukeln
Jetzt riechts wie Brand , wie Kerosin
wie kohlenschwarzer Weihrauch
Dazu glühts rot wie Feuerwüten
wie sonne tief am Morgen
welch Geist ist dies, welch Hexenwerk
rumort da vor den Toren

zeig dich brüll ich in die Nacht
schon wünsch ich hätts doch nie getan
Das Dröhnen schwillt wie Höllenlärm
Ein taubes schwarzes Schreien
wie tausend irre Pferde
Gestank verbrennt die Lungen mir
wie Tod und Pestilenz
zerreißt des Hofes Tore

Ein Flammenmeer
Ein See von Qual
ergießt sich vor mir aus
wie nachtgeborn, verhaltnen Tritts
steht dort ein Höllenbote
und Feuer züngelt überall
um Sie
Die schwarze Mähre

(eine kleine Huldigung an E.A.Poe


Geändert am 17.10.2002 um 17:48 Uhr von Yojimbo

Geändert am 17.10.2002 um 17:52 Uhr von Yojimbo

Geändert am 22.01.2003 um 18:25 Uhr von Yojimbo
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