|
|
|
geschrieben am: 09.12.2002 um 19:37 Uhr
|
|
Nun laß dich nieder auf dem Stumpf des Baumes,
blicke in das Wasser wieder, was wirst du sehen?
Nichts, was du nicht kennst,
nichts, was dir könnt' fremd,
nichts, was du nicht einst hast getan,
nichts, wofür du die Frucht must tragn'.
Das Licht des Abends geht in ein sanftes Rot,
der Himmel scheint zu brennen,
als die letzten Strahlen sein Tuch berühten.
Du warst selten hier, erinnerst dich?
Kamst einst her, mit Fakel, Gift und Dunkellicht!
Hast hier alles niedergebrannt in einer Nacht,
selbst die Sterne vergiftet,
die starben und fielen, als Tränen in das Meer.
Erinnerungen liegen westlich, siehst du die Bäume nicht?
Groß, wie Türme,
hoch wie die Berge, wieder grün,
dennoch immer noch teils verbrannt,
durch deine eigene Hand.
Du siehst in das Wasser, es jetzt golden von dem Himmelsschein,
das Wasser bricht die Stahlen, formt dein Spiegelbild.
Siehst du dich selbst? Siehst du in dich hinein?
Erkennst du deine Gedanken, deine Wünsche in deinem Land?
Siehst du, wie du bist, wie kein anderer hier!
Erkennst du dich? Deine Lügen, deine Liebe, dein Haß?
Siehst du dein Feuer in deiner Hand, die Fakel die du trägst?
Der Geist sitzt auf dem Stumpfe noch, sein Blick in die Sterne schweifen,
sieht dich an, verwandelt sich in dich. Siehst du dich?
Wer bist du, das du sagen kannst, ich kenne dich!
Wer bist du, das du denken kannst, wen du siehst?
Wer bist du, das du fühlen kannst, was andere sind?
Nichts, als dein Morast an deinen blanken Füßen,
du gewandert über die Felder der Selbstherrlichkeit,
du gewandert über die Moore deiner Lügen,
du gewandert über die Berge deiner Selbstblendung.
Siehe in den Spiegelsee, das Wasser klar und kalt,
Siehe in den Spiegelsee, wasche hinfort den stinkenden Morast,
den du nicht siehst, du trägst ihn schon zu lange!
Dieses Wasser labt dich selbst,
dieses Wasser ist deines Geistes selbst,
auch die weiße Nebelgestalt neben dir, ist das was du bist,
wenn du wanderst in der Welt der Menschen,
beurteilst sie nach dem was du siehst?
Lege ab den Schleier deiner Selbstblendung,
Lege ab den Schleier deine Lügen,
Wasche ab den Morast deiner Selbstherrlichkeit,
dann bist du rein für eine Zeit,
wandere weiter, labe dich an deinen Schätzen,
wenn du gehst, nimm die Erinnerung mit,
wenn du gehst, schau nicht zurück,
wenn du gehst, denk nicht nach,
dieses nur deinen Geiste plagt.
So gingst du weiter auf deinem Pfad,
durch die Nacht, durch die Kälte,
durch die Wiesen, über Berge, Täler, Auen,
denk nach über die Welt, sie ist an ihr Ende gestellt,
nichts ist wie es scheint,
nichts ist wahr,
ließ ist es dir klar?
Ließ in dir und du wirst lachen,
nichts als deine Worte aus Staub und Asche,
für immer auf den Boden deines Landes,
denk nach über dich selbst, geh an deinen Spiegelsee,
laß dich durch dich führen, nehm einen Schluck von dir,
ließ in ihm deine Worte und werde dir klar,
was verborgen, was zerstört,
was gerettet, was versengt,
welches du hast geboren in die Welt hinein...ohne dir darüber klar zu sein!
AM |
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
|
|
|
|
|