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geschrieben am: 10.12.2002 um 21:42 Uhr
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Keiner von uns beiden sprach ein Wort. Einen Moment
lang musterten wir uns gegenseitig, blickten in den anderen
hinein und erkannten das wirkliche Wesen im Gegenüber.
Ich fühlte mich, als würde ich von seinem Blick von
innen nach außen gekehrt, und da ich wusste, was für
einen traurigen Anblick mein Innerstes ihm bieten
musste, schämte ich mich zutiefst.
Doch gleichzeitig sah ich, wie warm, ausgeglichen
und erfüllt das Wesen dieses Jungen war. Ein bisschen
neidisch machte es mich, denn ich wusste nicht,
wie er es schaffte, von innen her so zu leuchten.
Der Moment war vorüber – ganz plötzlich – und
wir wurden beide etwas verlegen.
„Hi“, sagte er. „Ich habe bei Dir Licht gesehen und
wollte fragen, ob ich mich ein wenig bei Dir wärmen
kann...“
„Sicher, komm doch rein...“ bat ich ihn.
Er trat ein und setzte sich auf die Fensterbank.
Ich schloss die Tür vor der Kälte.
„Schön hast Dus hier...warm und gemütlich“, er
nippte an einer Tasse Kakao, die ich ihm gereicht
hatte. „Doch warum fühlst du in Dir genau das Gegenteil?“
Er fragte, als wäre es das normalste der Welt.
„Ich fühle mich einsam, mein Herz ist gebrochen, meine
Seele verlassen....wie soll ich das Licht und die Wärme
hineinlassen, wenn es mich nur schmerzt, wenn ich nicht
zu ihrer Behaglichkeit gehöre? Gerne würde ich so erfüllt
sein wie Du...“ Mir schossen die Tränen in die Augen.
Er kam zu mir und nahm mich in den Arm.
„Armes Lichtkind...mir ging es genau wie Dir...doch
auch Du wirst sehen, mit der Zeit kommt auch die Erfahrung,
die Weisheit, das Wissen um die Welt. Du wirst unterscheiden
können zwischen *Gut* und *Böse*, zwischen Freunden
und solchen, die nur vorgeben es zu sein. Du wirst
wissen, welches Licht, welche Wärme Du in Dein
Herz lassen kannst und welche Dir schadet, die
du draußen lassen solltest. Nimm Dir die *Zeit* und lerne...“
Dann zog er aus seiner Manteltasche eine kleine
Schachtel, die er mir gab.
„Wird es mir gehen wie Dir? Woher willst Du
das wissen...?“
„Wir beide, wir sind vom gleichen Schlag, glaub mir,
eines Tages wirst Du vom Inneren her leuchten, so
wie ich es tue, und Du wirst das Licht zu anderen
bringen, so wie ich es tue...“
„Aber wie..?“ Tränen glitzerten im Kerzenlicht.
„Du wirst es wissen, Lichtkind...“
Er löste sich von mir, wischte mit dem Finger die
Tränen von meinen Wangen, ging zur Tür und öffnete
sie. Die Kerze flackerte wieder.
Bevor er hinausging, drehte er den Kopf noch mal
und zwinkerte mir zu. Dann schloss er die Tür, die
Kerze hörte auf zu flackern und ich war wieder
allein in meinem gemütlichen Zimmer.
Einige Zeit saß ich einfach nur da, dachte an nichts.
Je mehr Minuten verstrichen, desto unwirklicher erschien
mir, was ich gerade erlebt hatte.
Ich klammerte mich mit Gedanken an diese Momente.
wie ich mich auch die Schachtel ungewollt mit meinen
Händen umklammerte.
Nach diesen Minuten der Regungslosigkeit, bemerkte
ich erst bewusst, dass ich die Schachtel in der
Hand hielt.
Gespannt öffnete ich sie.
Mit einem Lächeln erkannte ich, was dieses silberne
prachtvoll verzierte *Ding* im Kästchen war
... in meinem Händen hielt ich eine Sanduhr....
AM |
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
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