Auf den Beitrag: (ID: 35717) sind "3" Antworten eingegangen (Gelesen: 169 Mal).
"Autor"

Die Eiche

Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 24.10.2002    um 19:18 Uhr   

Nach Aussen hin sieht man dein Alter dir wohl an,

doch was in dir für eine innere, starke Kraft wohnt nicht.

Du gibst dich nach Aussen hin immer so cool und gelassen,

als könnte dich nichts grämen oder tödlich verletzen.



Die Zeit scheint für dich schon lange stille zu stehen,

du bewegst dich nicht von der Stelle, bleibst wo du bist.

Nur das leise wiegen deiner mächtigen Baumkrone,

oder das sanfte rascheln deines Blättermeers es ist.



Dein Stamm erzählt von fernen Welten und Epochen,

doch du beklagst dich nie, lässt dich nicht gehen.

Deine starken tiefen Wurzeln gründen unendlich tief,

und so du den Halt noch heute findest wenn es stürmt.



Bist du so zu frieden, mit deinem einsamen Leben,

dass du nie die Sehnsucht in dir spürst, weg zu fliegen?

Oder hast du dich einfach damit abgefunden,

dass du bist der Baum, der da steht seit hundert Jahren?



Du trotzt allen Stürmen die das Land ertragen muss,

ob es Wind oder Regen aber auch die heisse Sonne ist.

Im Herbst verlierst immer du farbenfroh deine Blätter,

im Winter stehst du kahl und nackt an deinem Platz.



In den stillen kalten Nächten wenn der Schnee fällt,

schlummerst du einfach vor dich hin wie ein Kind.

Nichts scheint dich aus der Ruhe zu bringen,

wartest bereits auf die ersten Frühlingssommertage
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 24.10.2002    um 19:35 Uhr   

Nur ein leises sanftes Gefühl ich spüre,

wenn ich mich untern den Baum setze.

Ein Gefühl der inneren Geborgenheit,

er mich beschützt der grosse Baum.



Sein Stamm ist nicht glatt und fein,

sondern rauh und mit Narben übersät.

Ich stelle mir vor, was er alles hat erlebt,

und wie er es geschafft hat, zu überleben.



Ich kann ihn nicht umfassen mit meinen Händen,

sein Stamm ist breit damit er seine Krone halten kann.

Wenn ich nach oben schaue am Stamm entlang,

verschwinden meine Blicke fast in der Unendlichkeit.



Was er wohl alles schon erlebt hat in seinen Jahren,

wie viele haben an seinem Stamm gesessen, wie ich?

Haben viele Schutz gesucht vor der sengenden Sonne,

oder sich untergestellt wenn der Regen kam?



Ich sitze auf einer seiner grossen Wurzeln,

und spüre die Kraft, die ihn am Leben erhält.

Lasse die gleiche Kraft in mir Platz nehmen,

und verbindend werde ich eins mit dem Baum.



Ich schliesse meine Augen und verliere mich ganz,

lasse mich tragen und halten....

Und öffne erstaunt wieder meine Augen,

weil ich höre, es flüstert der Baum
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 24.10.2002    um 19:38 Uhr   


Das grüne Dickicht mit meinen Augen durchstossend,

erlebe ich die neuen Tiefgründe der Wirklichkeit.

Mit nichts ist es zu erklären oder gar zu deuten,

sondern einfach ein in sich selber fallen lassen.



Das die Tiefe des Offenbarten mich gefangen nimmt,

ja für ihr eigenes Leben einfach in Anspruch nimmt.

Lässt mich völlig kalt, nein mehr noch lässt mich eins werden,

mit dem ursprünglichen Leben, der faszinierenden Natur.



Die schillernden Farben zum Einen, das düstre Etwas zum andern,

gleichermassen von dem Wechselspiel der Farben angezogen werde.

Und mit einemmal selber bewusst zu merken, dass ich selber,

ein Teil der verschwommenen und der markanten Nuancen bin.



Mit der Leichtigkeit eines einzigen Hauches, wie ein Flügelschlag,

einzutauchen in die so süsse, scheinbar unendliche Tiefe.

Vorzustossen in neue Sphären der Unendlichkeit,

um eins zu werden, zumindest anfangs ansatzweise.



Neu zu lernen, zu schmecken und es zu ertasten,

ein immerwährend neu zu entdecken, nämlich mich selber.

Mich selber nicht mehr daran hindern, die Türen aufzustossen,

um erst zaghaft aber stetig die neuen Erfahrungen zu erlernen.



Um daraus erstarkt dem realen Leben, all das abzugewinnen,

was es für mich bereit hält, es zu erkennen, in Anspruch zu nehmen.

Mit dem Bewusstsein, das Leben mit neuen Augen zu betrachten,

und sich mehr noch an sich selber zu erfreuen, es am Erkennen ist
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 24.10.2002    um 19:48 Uhr   

Die Zeit scheint oft mehr als nur stille zu stehen,

wenn ich sitze in meinem geliebten Wald.

Dem rauschen des aufkommenden Windes zu höre,

das wiegen der Bäume mit ihren kahlen Äste verfolge.



Nur unterbrochen durch die Laute der Kleingetiere,

die sich aufmachen, die ersten Sonnenstrahlen zu geniessen.

So wie ich selber auch mich sehne nach dem warmen,

und herzerfrischenden Streicheln des Neubeginns.



Ich lehne mein noch etwas blasses Gesicht an den Stamm,

der grossen alten Eiche und spüre ihre innere aufbrechende Kraft.

Die Rinde ist arg verschrammt und doch sehr interessant,

beinahe ist es mir so, als rufe sie auch nach der warmen Sonne.



Wie sehne ich mich nach dem ersten Grün, dass sich aufmacht,

die kahlen Äste, wie ein Wunder neu zum Leben zu erwecken.

Das Rascheln der Blätter wenn der Windstoss sie trifft,

als Schutz wenn der Regen prasselt oder wenn die Sonne scheint.



Ich freue mich auf die Tage, wo ich ohne zu frösteln,

mich auf den weichen Waldboden setzen kann.

Den frischen Duft der Pilze oder der jungen Sprösslinge,

das satte Grün in allen Nuancen und Schattierungen.



Um dann mit dem oft stillen Wald mich zu verbinden,

nicht mehr Fremdkörper zu sein, sondern ein Teil von ihm.

Mit offenen Armen mehr als nur willkommen bin,

wenn ich gehe, bereits mich freue ihn aufs neue zu sehen.
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top