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verrat

Nutzer: Rhiannon
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geschrieben am: 09.11.2002    um 00:15 Uhr   

Lieber Freund, gib mir nur eine Minute Zeit, meine Gefühle einzuordnen, und ich sage dir, was gerade in mir vorgeht. Ich bin dir nicht böse. Ich bin auch nicht enttäuscht. Obwohl, wenn man den ursprünglichen Sinn der Worte nimmt, getäuscht hast du mich ja. Nein, nicht wirklich. Du hast gesagt, dass du mich immer lieben wirst, nicht, dass du mir immer treu bleibst. Ich wusste, es würde früher oder später geschehen, wenn man nur die Umstände betrachtet. Aber so bald... In dem Sinne bin ich nicht enttäuscht, ich habe eine gute Methode, mich vor Enttäuschung zu schützen, nämlich, indem ich einfach nicht zuviel erwarte. Ich bin dir wirklich nicht böse. Ich kann dich verstehen. Ich sehe nicht übermäßig gut aus, bin ungeschickt, infantil und ziemlich verwirrend, lebe sehr weit weg. Du hingegen hast ein klasse Aussehen, eine gute Ausstrahlung, natürlich springen Mädchen schnell auf dich an. So sind Männer eben. Sie können nicht so enthaltsam leben wie Frauen. Wütend bin ich ebenfalls eher weniger. Wenn, dann wütend auf mich. Ein bisschen ist es ja vielleicht auch meine Schuld. Doch eigentlich, was kann ich denn dafür? Wut ist ermüdend und unnötig. Ich würde niemals auf den Gedanken kommen, dich am Telefon anzuschreien, hysterisch zu werden. Da blamiere ich mich doch höchstens. Gegen dich hab ich eh keine Chance.
Hm, verzweifelt? Nein. Möglicherweise zweifelnd, aber nicht ver-zweifelt. Meine Welt wird davon nicht zusammenbrechen. Auch wenn die Wunden auf meinen Armen und in der Handfläche eine andere Sprache sprechen. Verzweifelt ist man, wenn man keinen Ausweg mehr weiß. Und ich habe mir wie immer ein paar Alternativen eingeräumt. Ich werde niemals mehr völlig hilflos dastehen und zusammenbrechen. Nie wieder.
Schau, es ist wie mit der Münze, um in deinen Metaphern zu erklären.
Kaum verwandelt sich die Münze in Gold, verwahrt der Mann sie gut in seiner Tasche auf, sicher, dass sie ihm gehört, und gedenkt derer nicht weiter. Mit seiner Mannschaft unternimmt er mehrere Expeditionen, um die neue Heimat zu erforschen. Als er eines Abends erschöpft nach Hause kommt, muss er voller Schrecken feststellen, dass er die Goldmünze verloren hat. Er wird beunruhigt sein und ein wenig schuldbewusst, weil er sie in einem unbedachten Moment vergaß. Vielleicht wird er die ganze Gegend nach ihr absuchen, in fiebriger Hast. Aber die Münze fiel in eine staubige, dunkle Ecke, direkt vor seiner Nase. Möglicherweise wird er sie übersehen, so dreckig wie sie ist, und weit weg nach ihr suchen, obwohl sie doch so nah ist. Oder er findet sie, reinigt sie und hält sie für immer in Ehren. (was jedoch eine mühevolle Arbeit wird) Du hast die Wahl. Ich lasse dir in deiner Entscheidung vollkommene Freiheit und werde das Resultat akzeptieren, ob es nun erfreulich ist oder weniger.
Sofort, als die Kette, die du mir gabst, zerrissen ist, war mir klar, dass etwas nicht stimmt. Sehntest du dich in diesem Moment so sehr deine Freiheit? Wünschtest du dir, dass es mich nicht gäbe? Sei bitte ehrlich zu mir, ich verkrafte es schon.
Du schenktest mir dein Herz. Ich dachte, ich hätte gut darauf aufgepasst, aber scheinbar besitze ich nicht die Kraft, es bei mir zu halten. Willst du es zurückhaben? Ich reiche es nicht gerne zurück, aber ich tue es, wenn du danach verlangst. Solange du mir darauf noch keine klare Antwort gegeben hast, werde ich es weiterhin innigst hüten und pflegen. Du brauchst keine Angst haben, dass ich es zerreiße, darauf herumtrete, um mich zu rächen. Es ist schon in Ordnung. Ich habe keine Probleme damit, bin sogar fähig, dir eventuell zu verzeihen. Naja, egal ist es mit natürlich nicht. Aber ich komme damit klar, akzeptiere es. So viel habe ich dir gegeben, wovon du niemals erfahren wirst. Ich fordere nicht, dass du solche Opfer auch bringst, oder auch nur Dankbarkeit zeigst. Ich fordere einzig ein wenig Ehrlichkeit. Ich habe oft gelogen und wurde belogen, sag wenigstens du die Wahrheit. Sicherlich vertraue ich dir in gewisser Hinsicht. Ist das falsch?
Gut, um alles in einem Satz zusammenzufassen: Ich nehme an dieser Sache keinen Anstoß. Ich bin nur ein bisschen traurig, dass ich dir anscheinend nicht das geben konnte, was du gerade s dringend benötigst. Weißt du, manchmal tut es einfach unheimlich weh.


Rhiannon
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Nutzer: Engelsfall
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geschrieben am: 09.11.2002    um 00:31 Uhr   


mögen all deine mühen den wert beweisen, den du ihnen zugedenkst... das sternenlicht soll deinen weg erhellen, wo es gut ist, daß er erhellt wird.


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Nutzer: Rhiannon
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geschrieben am: 22.11.2002    um 17:28 Uhr   

danke, engel.

ich habe ihn angerufen und gefragt: "nehmen wir an, ich wüsste alles, was du in den letzten tagen getan hast, worüber müssten wir dann reden?" er ist sofort mit der sache rausgebrochen und hat alles erklärt. ich idiotin verzeih ihm natürlich. ich würde ihm alles verzeihen...

Rhia
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