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geschrieben am: 11.12.2002 um 00:37 Uhr
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Alleine sitzt sie draussen in der Kälte und betrachtet den Sternenhimmel. Ihr Atem zeichnet sich gräulich vom nächtlichen schwarz-in-schwarz ab. Die Kälte ist so allgegenwärtig... Um sie herum, in ihrem Inneren, ja, sie hat sogar das Gefühl sie nimmt sie überall mit hin. Jeder Raum, jeder Weg, überall wo sie geht oder steht oder auch nur kurz hinsieht, sieht sie nur Leere und diese altbekannte Kälte. Sie fühlt sich sehr alleingelassen. Ihrem Herzen fehlen ein paar wichtige Stücke, die sie nie verlieren wollte. Sie hat diese Stücke den Menschen anvertraut, die sie gern hat, denen sie vertraut... sie muss sich wohl geirrt haben, denn nun fehlen sie ihr und an deren Stelle ist Leere getreten. Sie gibt niemandem die Schuld, sie wusste vorher schon, dass Vertrauen schwer ist und das man sich sicher sein sollte bevor man es jemandem schenkt - aber sie war sich sicher. Niemandem zu vertrauen ist schwer, irgendwann muss man etwas von sich selbst preisgeben. Es war immer schwer dies zu tun, und die Tatsache das es nun, wo es ihr gelungen war, wieder weh tat, bestärkt sie nur in ihrer Verschlossenheit. Ein kalter Windstoß streift sie und steigt durch ihre Fingerspitzen in ihr Hoch, das es ihr wie ein Schauer über den Rücken läuft. Ihr Herz sollte mit der Zeit schon sehr geschrumpft sein, so wie es in den letzten Jahren ausgeschlachtet worden ist. Wie lange wird sie dieses Mal brauchen bis sie wieder ein wenig Vertrauen schenken kann? Mit starrem Blick sieht sie in die Dunkelheit und ihre Gedanken überschlagen sich fast. Hin und her - rauf und runter - von hier nach dort - und wieder zurück. Jetzt sind sie grade bei der Geschichte die sie einmal gelesen hatte, die, in der ein Mann sich mit einem wunderschönen Herz gerühmt hat und wahnsinnig stolz darauf war, überall hat er es herumgezeigt. Bis eines Tages ein alter Mann auf ihn zukam und ihm sagte das sein Herz hässlich sei, ein so hässliches habe er noch nie gesehen. Als die Menge, die den Unwissenden umschwärmt hatte, den alten Mann aufforderte ihnen sein Herz zu zeigen, brachte er ein verstümmeltes, verkrüppeltes Herz hervor, aus dem Teile entfernt und und unpassende Teile wieder hineingesetzt waren. Er erklärte ihnen allen warum es für ihn das schönste Herz sei, das es geben kann, nämlich weil jedes unpassende oder entfernte Stück ihn an einen Menschen erinnerte den er kennen und lieben gelernt hatte. Der junge Mensch fing an zu weinen, griff sich an sein Herz, riss ein Stück heraus und gab es dem Alten in die Hand.
Wenn es nach dieser Geschichte ginge, hätte sie wohl eins der schönsten Herzen der ganzen Welt, nur wäre dann auch kaum noch etwas davon übrig geblieben. Die meisten hatten ihr das geschenkte Stück wieder genommen und nun erinnern nur noch Löcher, Wunden und Narben an sie. Sie fährt sich kurz mit den kalten Händen an die Brust, vielleicht nur um zu sehen ob das verwundete Herz überhaupt noch schlägt. Aber es schlägt noch, wenn auch schmerzend. Fragen tun sich in ihr auf. Was hat sie so schlimmes getan das sie immer wieder belogen und betrogen wird? Hat sie sich nicht immer alle Mühe gegeben gut für ihr Herz und dessen Teile zu sorgen? Und hat sie nicht immer mal wieder an die wenigen wichtigen Menschen in ihrem Leben gedacht? Wieso verlassen sie sie dann? Alles für sie nicht nachzuvollziehen. Sie macht sich Vorwürfe, Hass kocht in ihr auf, kalter Hass, so kalt wie eh und je. Wie betäubt von diesem Gefühl, legt sie sich auf den harten, gefrorenen Boden. VIel kälter als jetzt, kann es ja schon nicht mehr werden. Manchmal, in schwachen Momenten, vielleicht auch immer öfter, ist sie kurz davor alles aufzugeben und sich fallen zu lassen. Jetzt grade, ist einer dieser Momente, und sie hofft, dass der kalte Boden ihren Sturz auffangen wird. Dieses schreckliche Gefühl der Verlassenheit, der Einsamkeit, schlägt sie nieder, lässt sie bluten und weinen, und alles nur weil sie vertraut hat. Wann werden die Tränen auf ihrem Gesicht erfrieren? Wann wird ihr Herz es nicht mehr aushalten? Ungewissheit darüber, ob sie sich diesen Zustand herbeiwünscht oder vor ihm flieht. Jetzt grade, wünscht sie einer der Menschen die sie verloren hat würde sie in den Arm nehmen und ihr die verlorene Wärme wiedergeben. Jetzt grade wünscht sie sich nur, dass sie alle ihre Versprechen gehalten hätten...
~Just think what you're doing, if you start to forget someone who gave you a piece from his heart, in order to keep it protected~
"Denn Vertrauen ist für Menschen so notwendig wie das Wasser für den Fisch" Red Rocks, Sioux
by BlackFortune, 11.12.02 Geändert am 15.12.2002 um 06:48 Uhr von BlAcKfOrTuNe |
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