Auf den Beitrag: (ID: 36193) sind "8" Antworten eingegangen (Gelesen: 1122 Mal).
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Wärmende Erinnerungen an Amela B.

Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 18.12.2002    um 10:52 Uhr   
Wärmende Erinnerungen an Amela B.

Ach! Einsam setz' ich Schritt um Schritt
Voran durch schneebedeckte Welt,
Und knirschend senkt ein jeder Tritt
Sich tief ins frostig leere Feld.

Der Mond bescheint mit kühlem Glanz
Das Land und mich in Einsamkeit.
Mein wirrer Geist durchtränkt sich ganz
Mit altvertrautem Herzensleid.

- Urplötzlich bist Du wieder da,
Dein Bild schiebt sich in meine Welt,
Der Geistesnebel wird so klar
Und die Bewegung inne hält.

Dann senkt sich Stille auf das Land
Und Ruh durchziehet alle Glieder,
Schmiegt sich als weiches Liebesband
Ums Herz und singet warme Lieder.

Lama
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Nutzer: RedSilvertears
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geschrieben am: 18.12.2002    um 11:21 Uhr   
Wohl an edler Dichter. Der Worte mich doch gar berühren. So mögen sie fortan mein Geist erleuchten - Grüsse Dich - habe Fehler behoben in HP (-> MP3)

wirklich Schönes Gesicht - sooo melancholisch ... ;-)
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Nutzer: Bigmoon
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geschrieben am: 18.12.2002    um 11:35 Uhr   

schön mal was Besinnliches von dir Lama :-)

Gruß Big
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Nutzer: ZerKnuellsDoch
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geschrieben am: 18.12.2002    um 12:28 Uhr   
hallo bluelama,

ein gedicht, das sich lohnt, sich damit zu befassen. ich will zunächst konkret auf die passagen eingehen, die ich nichtgelungen finde.

(zitat)Mein wirrer Geist durchtränkt sich ganz
Mit altvertrautem Herzensleid.(/zitat)

"wirrer geist" klingt für mich hier etwas abgegriffen.
und "durchtränkt sich ganz"... also nein. er mag sich füllen oder das "herzensleid" (auch eine phrase gefährlich nah beim kitsch) mag ihn füllen.

(zitat)Der Geistesnebel wird so klar
Und die Bewegung inne hält.(/zitat)

"geistesnebel" klingt nicht gut. und nebel wird nicht klar, sondern er verdunstet oder löst sich auf. insofern ist das bild hier schief. "und die bewegung inne hält"... heißt: der schritt verharrt? da steht also ein spaziergänger auf dem schneefeld und rührt sich nicht?

(zitat)Dann senkt sich Stille auf das Land
Und Ruh durchziehet alle Glieder,(/zitat)

das macht die kälte... was der spaziergänger hier als "ruh" empfindet, ist die trügerische taubheit der abfrierenden glieder :-).

insgesamt:
du bemühst hier einen immens klassischen sprachgestus, der eines eichendorffs würdig gewesen wäre. besonders auffällig bei solchen 'längungen' wie "durchziehet" und "singet". das problem dabei ist nur:
eichendorff lebte im 19. jahrhundert, und was damals gut war, muss es heute nicht unbedingt auch sein. zumindest auf mich wirkt dieser sprachstil (in einem zeitgenössischen gedicht) eher komisch denn würdevoll.

durchweg gelungen sind aber versmaß und reim, und das ist ja schon sehr viel.

Annette Droste ZerKnuellsDoch

Geändert am 18.12.2002 um 12:32 Uhr von ZerknuellsDoch
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Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 18.12.2002    um 13:52 Uhr   
bedankt sich fürs lesen und kommentieren. :-))

zerknuellsdoch, ich schreib nachher was zu deinen anmerkungen.

red, ich lade später deine mp3 runter. bin gespannt. ;-)

gruß lama
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Nutzer: nightrose
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geschrieben am: 18.12.2002    um 14:20 Uhr   

Gut geschrieber Lama :-)
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

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Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 18.12.2002    um 15:19 Uhr   
hallo ZeknuellsDoch,

(zitat)ein gedicht, das sich lohnt, sich damit zu befassen. ich will zunächst konkret auf die passagen eingehen, die ich nichtgelungen finde.(/zitat)

das ist schon mal gut so. wenn alles gelungen wäre, bräuchte man ja auch hier nicht drüber diskutieren.

(zitat)"wirrer geist" klingt für mich hier etwas abgegriffen.
und "durchtränkt sich ganz"... also nein. er mag sich füllen oder das "herzensleid" (auch eine phrase gefährlich nah beim kitsch) mag ihn füllen. (/zitat)

ja, das ist richtig, das ganze gedicht kratzt immer ganz nah am kitsch vorbei, aber sieh mal:
es ist (und das schreibst du ja auch selber) sehr stark von der romantik beeinflusst. die romantiker bedienen sich bewusst dieser scheinbar "abgegriffenen", immer wiederkehrenden gleichen standardbilder.
ein beispiel: wie oft kommen bei brentano die "kühlen brunnen" und die "kleinen äuglein" vor?! es sind chiffren, die beim leser respektive hörer bestimmte emotionen auslösen sollen.
mein "durchtränkt sich ganz" ist nicht nur "gefährliche nahe beim kitsch", sondern meiner meinung nach schon kitsch in vollendung. ;-) aber das ist auch romantik.

(zitat)"geistesnebel" klingt nicht gut. und nebel wird nicht klar, sondern er verdunstet oder löst sich auf. insofern ist das bild hier schief.(/zitat)

kann man sich drüber streiten... natürlich gibt es keinen "klaren nebel", das ist eine contadictio in adiecto, ein widerspruch in sich, die hier aber als bild für das sich-auflösen des nebels steht. ich denk nochmal drüber nach.

(zitat)die bewegung inne hält"... heißt: der schritt verharrt? da steht also ein spaziergänger auf dem schneefeld und rührt sich nicht? (/zitat)

ja.

(zitat)das macht die kälte... was der spaziergänger hier als "ruh" empfindet, ist die trügerische taubheit der abfrierenden glieder :-).(/zitat)

das kann ich auch nur bestätigen.
für das "ich" im gedicht gibt es halt in diesem moment nichts anderes als die erinnerung, die ihn überflutet. er steht da und denkt und wärmt sich daran. ob er nun dabei erfriert oder nicht, kümmert ihn wenig. er bemerkt die kälte gar nicht. - ob ihm das nun gut tut oder nicht, sei mal dahin gestellt... :-))

(zitat)insgesamt:
du bemühst hier einen immens klassischen sprachgestus, der eines eichendorffs würdig gewesen wäre. (/zitat)

Danke! :-)

(zitat)besonders auffällig bei solchen 'längungen' wie "durchziehet" und "singet". das problem dabei ist nur:
eichendorff lebte im 19. jahrhundert, und was damals gut war, muss es heute nicht unbedingt auch sein. zumindest auf mich wirkt dieser sprachstil (in einem zeitgenössischen gedicht) eher komisch denn würdevoll.(/zitat)

möglich, aber sie es mal als hommage an die eichendorff'schen lyrik-ideale :-)

liebe grüße & danke für deine ehrliche meinung!

Lama

p.s. danke an röschen und big














Geändert am 18.12.2002 um 15:21 Uhr von BlueLama
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Nutzer: Raweika
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geschrieben am: 18.12.2002    um 21:04 Uhr   
Lama, ich mag das gedicht sehr. ich liebe solchen "kitsch", wenn auch nicht immer. ;-)

weika
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geschrieben am: 19.12.2002    um 09:19 Uhr   
desti&raweika

danke :-))

Gruß Lama
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