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geschrieben am: 26.01.2003 um 11:00 Uhr
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Xerill, so ganz habe ich jetzt nicht verstanden, was du mir nun genau sagen wolltest, aber danke fürs lesen.
Nun zu Annettes kleinem Statement: ;)
(/zitat)zum gedicht. es klingt irgendwie ärger durch, ist aber doch distanziert geschrieben , was mir persönlich zweckmäßig erscheint, weil du den leser ja nicht dazu zwingen mußt, sich mit dir zu ärgern. das tut er ja sowieso. (/zitat)
Das erscheint mir auch zweckmässiger, weil er sich sonst über mich ärgert. :-) Nee, mal ernsthaft. Ich muss, kann und will niemanden zu irgendetwas zwingen. Wenn ich eine Stimmung, und sei es der Ärger, in ein Gedicht verpacke, ist dieses Gedicht ein Medium. Es könnte aber auch Ausdruck dessen sein, was ich zum Thema mache. Wer sich dadurch gezwungen sieht, sich mit "mir" zu ärgern, hat ein Problem mit seiner Distanz zum Gedicht und/oder zum lyrischen Ich
des Verfassers. Gedichte erzwingen nicht, die eventuellen (denn da kann man sich nie sicher sein) Emotionen mitzuerleben. Sie lösen allenfalls eine Assoziation zu Selbsterlebtem aus. Wenn der Leser sich "sowieso" mit "mir" ärgert, liegt es eher daran, dass ein Reiz-oder Tabuthema behandelt wurde und weniger an der Umsetzung.
(zitat)zum inhalt: so einfach ist das nicht! (/zitat)
Annette, ich weiss, dass Du und auch BlueLama sehr kritisch mit Gedichten umgehst, und ich begrüsse das. Aber wen willst Du hier belehren? Denkst Du denn wirklich, dass ich das nicht weiss?Also nun nimm mal den Oberlehrerinnenfinger wieder runter, und lass uns drüber reden. :-)
(zitat)als ich heute mit dem bus unterwegs war, stieg ein furchtbar entstellter junger mann zu, und ich ertappte mich dabei, daß ich ihn NICHT ansah, daß ich demonstrativ den boden nach irgendwas absuchte, eben weil ich fürchtete, er könnte das als "glotzen" auffassen. und mir kam auch so vor, daß die anderen fahrtgäste sich ähnlich verhielten wie ich. ich kam mir auf alle fälle ziemlich feige vor. es ist schwierig, da einen mittelweg zu finden. (/zitat)
Über "Dich" und die anderem, die sich ebenso verhalten haben, sagt das Gedicht nichts. In diesem Gedicht geht es _um die Gaffer_. Es spricht für Dich, das Du so empfunden und Dir Gedanken darüber gemacht hast. Es ist wirklich sehr schwierig, einen Mittelweg zu finden. Aber dieses Verhalten ist nicht Thema des Gedichtes.
(zitat)ich könnte also nicht sagen, was für die betroffenen schlimmer ist. das glotzen oder das abwenden des blickes. jedenfalls ist beides falsch und entspringt der eigenen unfähigkeit mit gewissen situationen fertig zu werden.(/zitat)
Ich weiss, dass es für die Betroffenen leichter ist, mit der Unsicherheit, also dem Abwenden des Blickes, der anderen umzugehen. Es ist viel schwerer, sich mit tumber Dummheit der Spöttenden konfrontiert zu werden. Wer kann schon mit einer Situation fertig werden, die ihm fremd ist? Das ist den meisten "Elefantenmenschen" klar. Hättest Du
z.B. eine Freundin oder eine Schwester, die entstellt ist, wäre es für Dich eine gewisse "Normalität", und Du hättest den jungen Mann in diesem Bus anders angesehen. Es ist also keine Unfähigkeit, mit solchen Situationen umzugehen, sondern lediglich eine Frage der Erfahrung. Wer nie mit "Abnormen" in Berührung gekommen ist, wird entweder diese Unsicherheit oder diese Dummheit in seinem Verhalten ausdrücken. Je nach dem, was der Intellekt und die Erfahrung zulässt.
(zitat)du läßt weiters durchklingen, daß es sich bei "glotzern/gaffern" um sensationsgierige handelt. glaub ich nicht! (/zitat)
Ich auch nicht. Das habe bzw. wollte ich auch nicht durchklingen lassen. Die letzte Zeile des Gedichtes macht das deutlich. Sie wissen es nicht besser.
(zitat)die machen das nicht absichtlich, sondern weil sie eben auch nicht damit umgehen können und diese hilflosigkeit läßt viele dann auch zum spott greifen.(/zitat)
Ein Verteidigen für verletztenden Spott, zu dem sie greifen, weil ihr bisschen Verstand nichts Besseres hervorbringt? Ja, dann stimme ich Dir zu. Sie können nichts dafür.....
(zitat)vor allem präpubertäre im rudel. (ausgerechnet DIE!)(/zitat)
Aber, aber. Das ist mir aber jetzt wirklich zu pauschal.
Du wirst mir doch nicht abdriften und Minderheiten wie diese unsäglichen, rudeligen Präpubertären vorverurteilen. Da hätte ich Dir wirklich mehr Toleranz zugetraut. ;-)
(zitat)das soll jetzt kein plädoyer für ungebührendes verhalten sein. trotzdem: immer auch die andere seite sehen!(/zitat)
Annette, sei sicher, dass ich die andere Seite sehe. Aber sie ist nicht Inhalt dieses Gedichtes. Es handelt davon, wie diese Blicke und der Spott der Gaffer empfunden werden. Die andere Seite ist ein anderes Gedicht.
Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich freue mich, dass Du Dich auf diese Weise damit auseinandergesetzt hast. Mehr wollte ich gar nicht, deswegen kann ich sehr gut damit leben, dass Dir dieses Gedicht nicht gefällt.
Grüsse
Weika
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