|
|
|
geschrieben am: 08.02.2003 um 13:17 Uhr
|
|
Er hatte lange mit sich gerungen, saß Stunde für Stunde auf seinem Fensterbrett und blickte in den trübseeligen Hinterhof.In seinem Kopf spielte sich jedes Mal das gleiche Szenario ab - Sollte er wirklich nach Landshut fahren? Sollte er dort wirklich das Mädchen treffen, das sein Herz berührt hatte?
Er wusste es nicht, doch eines war ihm mittlerweile bewusst geworden.Er liebte sie!Und das tat er wirklich, denn immerhin hatte er viel für sie geopfert.Zwei ganze Jahre lang war er enthaltsam geblieben, hatte immerwieder die Zeichen der anderen Mädchen mißachtet, hatte sogar ohne Zögern abgelehnt, als eine, mehr als aufreizend, in seinem Bett lag.
Das Mädchen, das ihn eines Tages nur in Reizwäsche gekleidet, auf seinem Bett empfing war bei weitem nicht zu verachten gewesen.Sanft brach sich das Licht der schwachen Wintersonne an ihren vollen, rot sinnlich schimmernden Lippen, verführerisch streckte sie ihm ihre festen Brüste, nur von einem Hauch von Seide verhüllt, entgegen und sinnliche, erwartungsvolle Augen blickten ihn an, als sie sich eine der langen, blonden Strähnen aus dem tadellosen Gesicht strich.
Doch hatte er nichts besseres zu tun, als sie schroff anzuweisen, dass sie sich gefälligst anziehen solle und auf dem schnellst möglichem Wege seine Wohnung und damit auch sein Leben zu verlassen.Ihm war bewusst, dass ihn jeder "normale" Mann dafür geschollten hätte, doch für ihn zählte das nicht.
Tausendmal hatte er die Briefe gelesen, die ihn von dem Mädchen aus Landshut erreicht hatten, tausendmal war er mit seinen Fingerspitzen die weichen, perfekten Konturen ihres Gesichtes auf einem Foto nachgegangen und tausendmal hatte er sich in Gedanken seine kleine, unantastbare Traumwelt erschaffen, in der er glücklich und vereint mit dem Mädchen sein Leben gemeistert hat.
Sollte er diese Traumwelt aufgeben, nach Landshut fahren und sich der Realität stellen?Was wenn sie ihn nicht liebte und ihm nur etwas vorgegaukelt hatte?
Je länger er darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass er so, nämlich in seiner Traumwelt, nicht weiterleben könne.
Als er sich vom Fensterbrett erhob, hatte er eine Entscheidung getroffen.Er würde nach Landshut fahren und sein Glück in die Waagschale Fortunas werfen.Froh darüber, dass er mit seinen Gedanken im Reinen war, machte er sich auf, seinem Alltag nachzugehen.Doch eine Stimme tief in seinem Innersten warnte ihn, flehte ihn förmlich an an von seinem Vorhaben abzulassen, doch er ignorierte sie.
Und obwohl er alles mögliche versuchte sich von der Stimme abzulenken, scheiterte das Vorhaben immer und immer wieder.Diese leise, und dennoch mächtige Stimme fraß sich penetrant jeden Tag in seinen Hinterkopf und versuchte verzweifelt ihm klarzumachen, dass er in sein Unglück rennen werde - vergebens.
So setzte er sich zwei Wochen später in einen Zug und brach in richtung Landshut auf.
19.30 Uhr, das war die verabredete Zeit gewesen, an der sie ihn am Bahnhof in Landshut abholen sollte.Das schrille Qutischen der Bremsen riss ihn aus seinen Gedanken und skeptisch betrachtet er sein Spiegelbild im Fenster der Zugtür.Er atmete einmal tief ein, drückte entschlossen die Klinke der Tür nieder und trat auf den steinigen Betonboden des Landshuter Hauptbahnhofes.
Hektisch versuchte er die Menschenmassen und das rege Getümmel am Bahngleis zu überblicken, versuchte sein Mädchen in den vielen Gesichtern ausfindig zu machen.Panik machte sich in ihm breit, als er erkennen musste, dass sie nicht am Bahnhof auf ihn gewartet hatte.Dann streifte sein Blick den tiefschwarzen Nachthimmel und er sah, wie weiße, dicke Schneeflocken vom Himmel fiehlen.
"Sicherlich hat sie Probleme mit dem Wagen" - doch der verzweifelte Versuch sich zu beruhigen schlug fehl.Er entschloss sich zu warten, immerhin sind die meisten Frauen ja nicht dafür bekannt pünktlich zu sein.
Nervös blickte er auf seine Uhr und mußte feststellen, dass er schon zwei Stunden vergeblich auf sein Mädchen gewartet hatte und just in diesem Moment wurde ihm bewusst, dass er gestrandet war.Gestrandet in einer fremden Stadt, getrieben von den Wellen der Lieben und gelandet auf einer Insel voll von brennender Verzweiflung.Sein Mädchen war nicht gekommen.
Mühseelig schleppte er sich in sein Hotel, während die leise Stimme in seinem Innersten immer lauter zu lachen began.
Anm. d. A: So, das ist meine erste Geschichte. Da ich noch nicht damit an die Öffentlichkeit gehen will, sie aber trotzdem beurteilt haben möchte, bitte ich euch, eure Meinung dazu aufzuschreiben. |
|
|
|
|