Auf den Beitrag: (ID: 36560) sind "18" Antworten eingegangen (Gelesen: 740 Mal).
"Autor"

König der Lüfte....

Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 11:02 Uhr   



Doch weder dein Mut

noch dein Stolz ist zu sehen,

wie du da einsam und verlassen

am Straßenrand sitzt.


Nur wer genau hinsieht,

ahnt das einstige Feuer,

sieht die Weite des Himmels,

die deine Heimat ist.


Als ein Sturm aufkommt,

der die Bäume um dich herum beugt,

den Staub aufwirbelt,

verängstigte Gesichter zaubert.


Fängst du an,

deine Schwingen auszubreiten.

Zuerst vorsichtig und langsam,

dann jedoch mit Stolz erfüllt.


Ja du bist ein stolzes Wesen,

das die Weite des Himmels durchzieht,

dessen Augen die kleinste Bewegung wahrnehmen,

der König der Lüfte eben.


Und mit einem energischen Flügelschlag,

erhebst du dich mitten in diesem Sturm

erhebst dich aus dem Staub,

mühsam zwar, aber du gleitest dahin.


Getragen von den gewaltigen Sturmböen,

die Andere in Schrecken versetzen,

schraubst du dich empor,

bis nur noch ein kleiner Punkt zu sehen ist.


Deine Federn sind vom Staub befreit,

deine Augen freigeblasen,

haben das alte Funkeln zurück,

sind bereit erneut allem zu trotzen.


Nur wer genau hinsieht,

kann erahnen, daß es dich Mühe kostet,

mit dem verletzten Flügel zu schweben,

doch dein Mut gibt dir unbeschreibbare Kraft.


Wer kann es dir an Mut gleich tun,

der Mut, der dich nun durch die Luft trägt,

frei dahingleiten, inmitten der gewaltigen Wolken,

die so unbeschreiblich schön sind.


Wer dich dort oben,

stolz deine Kreise ziehen sieht,

den Blick zu dir erhoben,

bekommt Mut, selbst so frei zu sein.
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: Yutaka
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 22.02.2003
Anzahl Nachrichten: 157

geschrieben am: 23.03.2003    um 11:08 Uhr   
Wunderschön geschrieben und sie
  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 11:15 Uhr   
Danke Dir Yutaka und Dich auch mal
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: Eygatur
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 22.12.2002
Anzahl Nachrichten: 65

geschrieben am: 23.03.2003    um 11:19 Uhr   
Zu leicht zu transferieren.

Es macht einen Traurig, gleichzeitig lacht man über die Stimmung die von dem Gedichte ausgeht...

sarkasmus ?

schön...
  Top
"Autor"  
Nutzer: Gast_Pebbelz
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 13.03.2002
Anzahl Nachrichten: 1851

geschrieben am: 23.03.2003    um 11:37 Uhr   


morgen Röschen!
  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 11:38 Uhr   
Danke Dir :-)
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 11:54 Uhr   


Wir sind so verschieden wie Wasser und Feuer,
doch ein Leben in Schablonen ist uns nicht geheuer.
Wir brauchen immer das Extreme.
Suchen selten das Angenehme.
Leben unser Leben aus, weit über dessen Grenzen,
machen's uns nicht leicht mit allen Konsequenzen.
Paradiesvögel sperrt man nicht ein,
Paradiesvögel werden immer nur Paradiesvögel sein.

Ein Leben aus dem Vollen, immer auf der Flucht.
Das Glück nie gefunden, obwohl immer gesucht.
Unternehmen vieles gemeinsam,
sind doch immer einsam.
Tun uns gegenseitig weh, sind egoistisch sensibel.
Am Rande der Hölle, im Charakter penipel.
Paradiesvögel sperrt man nicht ein.
Paradiesvögel werden immer nur Paradiesvögel sein.

Brauchen Geld, gar keine Frage.
Machen die Nächte fast immer zum Tage.
Schöpfen aus dem Brunnen des Lebens in vollen Zügen,
wollen die Cleveren sein, niemals die Müden.
Liebe und Haß so eng in einem Raum.
seh einen Strick schon am höchsten Baum.
Paradiesvögel sperrt man nicht ein,
Paradiesvögel wollen immer nur Paradiesvögel sein.

Lieben das Leben, Kunst und Malerei,
werden kaum älter, sind einsam und frei.
Auf der Suche nach dem Paradies, werdens nie finden.
Ein Leben im Vollrausch verweht in den Winden.
Wir sollten überlegen, wir hätten den Mut.
Sollten beenden des Paradiesvogels Flug.


Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 11:54 Uhr   
Moin süsse Pebbi
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 12:20 Uhr   


Der nasse Regen drang tief in die Wälder ein,
durchweichte den Boden und wer noch
keinen Unterschlupf gefunden hatte,
wurde bis ins Innerste durchnässt.
Die meisten Vögel hatten sich
zu Schwärmen zusammengefunden
und waren nach Süden in die Wärme gezogen.
Nur Quempas, die kleine Schwalbe,
hatte den Anschluss verpasst.

Wie jedes Jahr hatte sich Quempas
mit den anderen an der verabredeten Stelle getroffen.
Und wie jedes Jahr hatten sie sich
so viel von ihren Sommererlebnissen zu erzählen gehabt.
Ihre Geschichten wuchsen wie alle Jahre
zu einem mächtigen Gesang zusammen,
der sie ausnahmslos auf die grosse Reise einstimmte.
Quempas war schon zum dritten Mal mit dabei,
doch dieses Jahr blieb er stumm.
Still verfolgte er etwas abseits
das Treiben seiner Freunde.

Als die anderen Vögel sahen,
dass Quempas sich nicht
an ihren Geschichten wärmen konnte,
begannen sie ihn eindringlich
über sein Befinden zu befragen.
Doch er blieb weiterhin stumm.
Seine traurigen Augen sprachen Bände
und doch kam kein Laut
aus der verschlossenen Vogelkehle.
Schweren Herzens machten sich seine Freunde
ohne ihn auf den Weg.
Sie wussten, dass sie sich wohl für immer
von ihm verabschiedet hatten.
Doch was war aus diesem quicklebendigen Vogel geworden,
der immer eine schöne Geschichte auf Lager hatte?

Als Quempas mit seinen Freunden
im vergangenen Frühling aus den warmen Gebieten
ums Mittelmeer zurückgereist war,
liess er sich in einem Wald nieder
und suchte sich wie die Anderen eine Frau.
Doch keine der normalen Schwalbenfrauen
konnte sein Herz erobern.
Viel zu emsig waren sie damit beschäftigt,
gute Nistplätze zu suchen.
Und interessierte ihn eine Gefährtin
mehr als die anderen, wartete er immer darauf,
bis sie mit ihrer Schwalbenstimme zu singen anfing.
Nach dem ersten Ton wusste er dann jeweils,
dass es nicht die richtige Frau war.
Sein Herz kannte tief in seinem Innersten
den Klang jener Schwalbenstimme, die er suchte.

Schliesslich kam er in ein zauberhaftes Waldstück.
Dort liess er sich eines Morgens auf einer Lichtung nieder
und traf auf Orenda, die wunderschönste Schwalbe,
die er je gesehen hatte. Sein Herz schlug in vollen Tönen
und seine Seele jubilierte aufs höchste.
Orenda sass ganz allein auf jener Waldlichtung
und die morgendlichen Strahlen der Sonne
verbanden ihr Licht mit dem klaren Gesang der Vogelstimme.
Orenda sang vom Blau des Mittelmeeres,
von Sonnenuntergängen, von der Wärmekraft der Sonne,
von einsamen Felsbuchten und von Freundschaft und Liebe.
Quempas war hingerissen und er verharrte still
am Rande der Lichtung auf einem Ast und sah,
oder vielmehr hörte, seine künftige Gefährtin singen,
dass es ihm das Herz erwärmte.
Als der letzte Ton verklungen war
und sich eine erfüllte Stille über den Morgen legte,
schwang Quempas sich in die Luft und kreiste über die Lichtung.
Nicht weit von Orenda entfernt liess er sich
auf einem benachbarten Baum nieder
und sah unaufhörlich zu jener Schwalbenfrau hinüber,
die sein Herz mit ihrer unvergleichlichen Stimme erobert hatte....
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 12:23 Uhr   


Orenda war eine besondere Schwalbenfrau.
Sie war in diesem Frühling zum ersten Mal
in den Norden zurückgekehrt.
Doch im Unterschied zu den anderen Vögel
war es ihr äusserst schwergefallen,
sich vom Meer und seinen Stimmungen zu lösen.
Es war, als hätte sie ein Stück ihres Herzens
im Süden zurückgelassen und sie sehnte sich
nach jenen glanzvollen Sonnenaufgängen,
nach den berauschten Wellen des Meeres
und der Weite des Landes.
Doch nach langem Zögern hatte sie sich
den anderen angeschlossen und folgte ihnen
in ihrer Bestimmung, in die Wälder des Nordens zurückzukehren.

Nun fühlte sie sich einsam und allein,
denn die Anderen hatten kein Verständnis für ihre Wehmut.
Sie waren beschäftigt mit Nester bauen und Futtersuche.
Kaum waren sie zurückgekehrt, zerstreuten sie sich
in alle Richtungen und kümmerten sich um ganz irdische Sorgen.
Orenda hingegen begann von ihrer Sehnsucht zu singen
und linderte damit ihren Schmerz.

Quempas näherte sich Orenda und pfiff zu ihr hinüber:
„Kleine Schwalbenfrau, welch‘ wunderbare Stimme,
so herzergreifend, so sehnsuchtsvoll, so voller Wehmut, wohin des Weges?“
„Ach, wenn ich das wüsste, Schwalbenmann,
dann sässe ich nicht hier und würde von der Ferne singen!
Aber warum baust du denn kein Nest,
hilfst keiner Schwalbenfrau in ihren Vorbereitungen für die Zukunft,
sondern hörst dir meine wehmütigen Lieder an?“
Quempas fühlte die Traurigkeit von Orenda
und sogleich kam er näher und sprach:
„Warum so traurig, liebe Schwalbenfrau,
wer eine solche Stimme hat wie du,
der müsste den ganzen Tag jubilieren
und die Herzen der Welt erfreuen.“
Orenda fühlte den Blick von Quempas,
der ihr bis auf den Grund der Seele blickte
und hörte dabei das Meer rauschen.
„Was ist die Bestimmung einer Schwalbe?“
fragte Orenda den Neuankömmling.
„Sie bricht immer wieder auf zu neuen Ufern,
neuen Wäldern, neuer Heimat. Und künden die Jahreszeiten
ihren Wechsel an, sammelt sie alle inneren Kräfte
und begibt sich auf eine gefahrvolle Reise.
Ihr Zuhause ist überall und nirgends und baut sie ihr Nest,
weiss sie schon im voraus, dass es nur vorübergehend ist,“
antwortete Quempas mit leiser Stimme
und spürte einen kleinen Stich in seinem Herzen,
während er sprach, denn er ahnte plötzlich, was Orenda so traurig machte.

Nachdem die beiden sich näher gekommen waren
und einander ihre Geschichten erzählt hatten,
war es Abend geworden.
„Willst du mit mir ein Nest bauen?“
fragte Orenda ihren neuen Gefährten
und schaute ihm tief in die Augen.
Voller Glück hüpfte Quempas auf,
weil er nichts lieber als das wollte
und er umarmte mit seinen Flügeln, seine neue Gefährtin,
strich ihr sanft über das Gefieder
und hüllte sie für einen Augenblick ganz zärtlich ein.

Nach ein paar Wochen
war eine kleine zierliche Niststelle entstanden.
Aussen gut gebaut und ihnen flaumenweich.
Quempas bemühte sich, gutes Material zu beschaffen
und Orenda war dafür besorgt,
daraus ein paradiesisches Nest entstehen zu lassen.
Die beiden erzählten einander viele betörende Geschichten,
doch keiner drängte den Andern zu etwas.
Was im Frühling entstand, fand seinen Höhepunkt im Sommer
in der besonderen Beziehung zweier Schwalbenseelen,
die zueinander gefunden hatten.
Orenda und Quempas fühlten sich
zum ersten Mal in ihrem Leben verstanden und geborgen
und dies, obwohl Orenda ihre Sehnsucht nach dem Meer nicht vergessen hatte. Jeden Morgen und jeden Abend sang sie ihre Lieder
und sie lockte manchen Wandervogel an,
der sich für ein Weilchen auf der Lichtung niederliess,
um den zärtlichen, leicht melancholischen Weisen zu lauschen.
Meistens fand Quempas keine Zeit, seiner Schwalbenfrau zuzuhören,
weil er schwer mit dem Nestbau beschäftigt war.
Doch immer, wenn es sich mal gab, nahm er sich die Zeit
und setzte sich auf einen Ast.
Dann sah er seine Schwalbenfrau,
als hörte er sie singen wie am ersten Tag,
als er sie getroffen hatte.
Doch ihr Glück sollte nicht von Dauer sein.
(sternenelfe)
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 12:31 Uhr   


Eines Abends zogen sich dunkle Wolken zusammen
und der aufkommende Wind liess nichts Gutes ahnen.
Quempas flog nervös umher und beobachtete das drohende Unwetter.
Orenda hatte das Nest nicht verlassen
und kauerte sich schützend ins weiche Innere ihres Nestbaus.
Blitze zuckten über die Lichtung
und verwandelten sie in eine Bühne,
auf der sich ein seltsam anmutendes Schauspiel begann.
Donnergrollen verkündete den Kampf der Himmelsmächte
und kein Vogel war mehr draussen zu sehen.
Auch Quempas war jetzt im gemeinsamen Nest.
Er spürte das Zittern von Orenda vor Nässe und Angst.
Jedesmal, wenn ein Blitz sich am Himmel entlud,
zuckte die kleine Schwalbenfrau zusammen.
Und so legte er seine Flügel beschützend um sie,
hüllte sie behutsam ein und hörte ängstlich auf das Unwetter draussen.

Der Wind verwandelte sich in eine entfesselnde Kraft.
Die ersten Äste fielen zu Boden.
Mit der Zeit stürzten ganze Bäume um,
wie von Geisterhand wurden sie herausgerissen.
Auch der Baum mit dem Schwalbennest
hatte beim letzten Windstoss gefährlich zu wanken begonnen.
Plötzlich krachte es fürchterlich
und wie ein Feuerstoss schlug der nächste Blitz in den Baum,
auf dem das Nest von Orenda und Quempas lag
und spaltete ihn mitten entzwei.

Nachdem das schlimmste Unwetter über das Land gezogen war,
lag eine gespenstische Ruhe über dem Wald und seinen Bewohnern.
Viele Bäume lagen kreuz und quer am Boden.
Ganze Wurzeln schauten aus der Erde
und gaben den Blick ins Innere des Erdreichs frei.
Quempas sass auf einem umgestürzten Baum.
Seine Flügel hatte er eng um sich gezogen.
Noch immer fror es ihn.
Die ganze Nacht hindurch hatte er nach Orenda gesucht.
Seine Flügel waren völlig durchnässt.
Er hatte keine Kraft mehr, sie auszuschütteln.
Wo war sie, wo war seine Orenda?
Verzweiflung ergriff ihn und ohnmächtig sass er da.

Nach Tagen der vergeblichen Suche
wurde es ihm langsam klar,
dass sie wohl der Baum unter sich begraben hatte
oder sie durch die Feuerkraft des Blitzes umgekommen sein musste.
Verschiedene Schwalben versuchten Quempas zu trösten.
Die einen sagten, dass es zum Leben gehöre.
Jeden Sommer würden Vögel bei solchen Unwetter sterben.
Sie erzählten ihm vom loslassen:
„Weisst du, Quempas, loslassen gehört zum Leben.
Du hast viel verloren und wir verstehen deinen Schmerz,
aber das Leben geht weiter und wenn es dir gelingt,
loszulassen, dann kann etwas Neues in dir entstehen.“
So oder ähnlich tönte es aus mancher Schwalbenstimme,
doch Quempas war im Innersten seines Herzens nicht zu trösten.
Andere liessen ihn einfach in Ruhe
und wieder andere konnten nicht verstehen,
dass er keine neue Schwalbenfrau suchte,
um noch ein Nest zu bauen. Schwalben tun doch nichts anderes.
Doch Quempas war keine normale Schwalbe mehr,
seit er Orenda getroffen hatte.

Jetzt sass Quempas auf jener Lichtung,
auf der alles geschehen war.
Er spürte die Einsamkeit
und die kommende Kälte der herbstlichen Tage.
Die Anderen waren längst fortgezogen und er wusste,
wenn er sich nicht bald auf den Weg machen würde,
dann wäre der Weg zu weit für ihn.
Selbst wenn er jetzt noch fortziehen würde,
hätte er alleine keine grosse Chance zu überleben.
Doch das war auch nicht die Absicht von Quempas.
Zu sehr vemisste er seine Orenda.
Mit ihr war auch der grösste Teil seines Herzens gestorben.
Er war ja nicht gefragt worden,
ob er bereit dazu gewesen sei, Orenda loszulassen,
sie war ihm einfach genommen worden,
ohne dass er etwas hätte dagegen tun können.
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 12:33 Uhr   


Als er so vor sich hintrauerte
und er vor Kälte am ganzen Leibe zitterte,
ertönte ein leiser Gesang aus dem Innern des Waldes.
Zuerst hörte er gar nicht hin, hielt es für einen Tagtraum.
Doch wieder und wieder erklang die leise Stimme und flüsterte:
„Quempas, mache dich auf den Weg, sonst ist die Reise zu weit für dich!“
„Ach, lass mich in Ruhe, ich will ja gar nicht fortziehen, ich will sterben!“ Mit diesen trotzigen Worten versuchte er,
die Stimme aus dem Wald zu vertreiben.
Doch die Stimme gab nicht auf und begann in einer Weise zu singen,
dass Quempas kleine Tränen aus den Vogelaugen quollen.
Das war doch die Stimme seiner geliebten Gefährtin.
Doch das konnte nicht sein. Orenda war tot, war für immer gestorben.
Als der Gesang lauter und deutlicher wurde,
blickte der kleine Schwalberich um sich,
suchte einen Körper zur Stimme
und schüttelte die Feuchtigkeit aus seinen Flügeln.
Doch nichts war zu sehen.
„Wer bist du, dass du so singen kannst?“ fragte er jetzt neugierig.
„Mache dich auf den Weg, lieber Quempas, sonst ist die Reise zu weit für dich!“ Klar und deutlich hatten ihn nun die Worte
jener geheimnisvollen Stimme erreicht.
„Warum sollte ich mich auf die Reise machen,
mein Leben hat keinen Sinn mehr!“
Langsam wurde Quempas zornig.
Warum konnte man ihn nicht einmal im Sterben in Ruhe lassen.
Die Stimme war immer und immer wieder zu hören,
bis es Quempas zu bunt wurde und er sich halbherzig in die Luft erhob,
um vor dieser Stimme zu fliehen. Schliesslich nahm er Kurs gegen Süden,
ohne gross darüber nachzudenken. Sein Körper funktionierte zwar,
aber seine Flügel bewegten sich mehr blind, als bewusst.

Entkräftet sank er am Abend des ersten Tages
in die bergenden Wipfeln einer Tanne und versank in einen tiefen Schlaf.
In einem Traum fühlte er eine Wärme, die er nie zuvor erfahren hatte.
Alle Kälte war weg und mit einem Mal sah er
die wundervollsten Farben und Bilder. Farben von einer Intensität,
die er nie zuvor gesehen hatte. Üppige Farben voller Leben
und Bilder aus den Zeiten seines kurzen Lebens,
die ihn tief berührten. Dann hörte er den Gesang seiner geliebten Orenda.
Sie sang noch schöner, noch klarer und in einer Weise glücklich,
wie sie zeit ihres Lebens nie gesungen hatte.
Quempas war glücklich, einfach glücklich
und obwohl er träumte, war es wahr, was er erlebte.
Als er aus seinem Traum erwachte,
wollte er seine Augen zuerst gar nicht öffnen.
Zu schön war dieser Erfahrung gewesen und er glaubte,
dass solange er die Augen geschlossen hielt,
dieser Traum weitergehen könnte.
„Das ist die Wirklichkeit, das ist mein Leben
und nichts anderes mehr will ich sehen und hören!“
rief Quempas mit geschlossenen Augen in den Morgen hinein.
Doch plötzlich hörte er wieder diese Stimme, die ihm leise zurief:
„Quempas, mache dich auf den Weg, sonst ist die Reise zu weit für dich!“
„Ach, lass mich doch in Ruhe, ich will nicht weiter,
lieber möchte ich schlafen und in diese wundervolle Welt eintauchen,
von der ich heute Nacht geträumt habe.“ erwiderte Quempas ärgerlich.
Doch die geheimnisvolle Stimme liess ihn nicht in Ruhe:
„Flieg' schnell in den Morgen hinein, du wirst diese Welt finden.
Aber mache dich auf den Weg, sonst ist er zu weit für dich!“
Quempas gab schliesslich nach, was blieb ihm auch anderes übrig.
Zum Sterben war der Traum von letzter Nacht zu schön gewesen
und zum Leben brauchte er mehr Wärme,
denn die Kälte des Spätherbstes machte sich nun empfindlich bemerkbar.
Mit letzter Kraft schwang sich die kleine Schwalbe in die Luft
und begann zu fliegen. Immer weiter flog er
und während er mühsam seine Flügel bewegte,
hing er den wundervollen Bildern der vergangenen Nacht nach.
Das gab ihm Kraft und Mut
und so legte er an diesem Tag eine weite Strecke zurück.
Als er abends müde und erschöpft zu Boden sank
und sich mit Beeren und Körnern stärkte, hoffte er,
dass er bald einschlafen könnte. Er freute sich darauf,
wieder in diese lichtvolle Welt versinken zu können
@Sternenelfe
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 12:45 Uhr   


Doch diese Nacht wurde
er von einem kalten Herbstwind überrascht.
Nur mit Mühe konnte er sich in den Baumwipfeln halten
und der Wind quoll zu einem Sturm an.
Quempas glaubte, dass die Zeit gekommen sei,
um endlich sterben zu können.
Doch wieder holte ihn dieselbe Stimme ein,
die er schon verschiedene Male zuvor so wundersam vernommen hatte.
„Quempas, suche schnell Boden, die Kraft der Erde.
Dort findest du Geborgenheit.“
Der Stimme vertrauend liess sich Quempas
völlig entkräftet zu Boden fallen
und fand gleich nebenan einen hohlen Baum,
in den hinein er sich verkroch.
Dort fand er den Wintervorrat eines Eichhörnchens,
dass ihn etwas erstaunt
aber nicht unfreundlich willkommen hiess.
„Es wundert mich, eine Schwalbe zu dieser Jahreszeit noch unterwegs zu finden,“ begrüsste ihn das Eichhörnchen Zufolo.
„Was treibt dich hierher?“
„Das ist eine lange Geschichte,
aber ich will sie dir erzählen,“ antwortete Quempas erschöpft,
„doch zuerst lass mich etwas von deinen Vorräten kosten.“

Als Quempas sich neu gestärkt hatte,
erzählte er Zufolo im geborgenen Heim seine Geschichte.
Mit Tränen in den Augen hörte ihm das Eichhörnchen zu.
Und als Quempas ihm von der Zeit nach dem Tod OrendaÂ’s berichtete,
wedelte Zufolo mit seinem langen buschigen Schwanz
und legte ihn um die kleine Schwalbe.
Die Tränen flossen nun zuhauf und nach einem längeren Augenblick der Stille
wurde Quempas derart müde, dass er im weichen Wedel Zufolo’s einschlief.

In dieser Nacht wurde Quempas in die wunderschönsten Melodien entführt,
die er je gehört hatte. Weiche und wehmütige Hirtenklänge ertönten auf einer Flöte. Sie sangen von einem fernen Ort, an dem es keine Tränen
und keine Traurigkeit mehr gibt. Sie erzählten von Wärme und Licht,
von Freundschaft und Liebe. Quempas war ganz verzaubert von diesen Klängen.
Er fühlte ein unbeschreibliches Glück,
wie er es nie zuvor erfahren hatte.
„Woher kommt, ihr Töne, welches Instrument kann solche Weisen erzeugen?
Wer spielt mit soviel Leidenschaft und Herzblut und sucht den Weg zu mir?“

Der liebliche Wind, der die Weisen bis zu Quempas getragen hatte,
nahm die drängenden Fragen der Schwalbe mit auf den Weg
und trug sie an jenen entlegenen Ort, von dem sie stammten.
Und als Antwort empfing Quempas die geheimnisvolle Botschaft:
„Dort wo Hass und Liebe sich umarmen, Krieg und Frieden sich die Hand geben, Zweifel und Hoffnung sich erwarten, Licht und Dunkelheit sich erleuchten,
Trauer und Freude sich erfüllen und dort, wo der Tod und das Leben sich befruchten, von dorther kommen wir.“
Quempas war verwirrt. Er konnte die Worte nicht verstehen,
doch die Hirtenmelodien drangen tief in sein Herz ein
und zum ersten Mal seit Orenda gestorben war,
begann er wieder zu hoffen.

Als er am Morgen aus diesem Traum erwachte, war Zufolo weg.
Er war wohl seiner Bestimmung gefolgt
und sammelte die letzten Vorräte vor dem einbrechenden Winter.
Das erinnerte die kleine Schwalbe daran,
sich selber auf ihren Weg zu machen,
damit der Weg nicht zu lang würde
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 12:48 Uhr   


Quempas flog an diesem Tag weiter als all‘ die vergangenen Tage.
Unermüdlich getrieben von der nächtlichen Melodie zog es ihn gegen Süden.
Mit der Zeit wurde es etwas wärmer. Und er genoss die Wärme.
Eines Abends, als er müde zur Erde sank
und sich in einem Gebüsch einen Unterschlupf suchte,
begegnete ihm der alte Esel Verazit.
Seit Jahren lebte er schon auf dieser Weide,
die an einem Sonnenhügel lag.
Quempas hatte schon einiges von Verazit gehört.
Er hatte oft von jenem Esel gehört,
der mancher Schwalbe auf ihrer Reise nach Süden das Leben gerettet hatte.
Wenn sie sich nämlich am Abend
an jenen südlichen Sonnenhängen niederliessen, um auszuruhen,
drohten ihnen böse Jäger, die es in dieser Jahreszeit auf die wehrlosen Zugvögel abgesehen hatten und diese gnadenlos jagten.
Doch um diese Zeit waren keine Schwalben und damit auch keine Jäger mehr hier.

Als sich der alte Esel der kleinen Schwalbe näherte,
wusste Quempas sofort, um wen es sich handelte und er sprach zum Esel:
„Du bist sicher Verazit, der alte Esel,
der manchem von uns das Leben gerettet hat!“
„Ja, das bin ich wohl, doch welche Schwalbe fliegt
noch so spät im Jahr diese gefährliche Route?“ fragte Verazit verwundert.
„Nun, ich will dir meine Geschichte erzählen,
doch führe mich zuerst in deinen Stall,
damit ich mich etwas ausruhen kann.
Quempas setzte sich auf Einladung von Verazit auf dessen Rücken
und sie trotteten gemeinsam in den gemütlichen kleinen Stall des alten Esels.

Quempas begann dem Esel seine Geschichte zu erzählen
und entlockte dem alten leidgeprüften Tier hin und wieder eine Träne.
Als die Schwalbe mit ihrem Bericht zu Ende war,
legte sich der alte Esel ins Stroh und lud Quempas ein,
sich an seiner warmen Brust im Heu zu erwärmen.
Schnell war die Schwalbe eingeschlafen.
Und wieder wurde Quempas von einem eigenartigen Traum besucht.
Wehmütige Erinnerungen waren es diesmal,
die ihn berührten und seine Seele zugleich tanzen und weinen liessen:

„Erfüllte Sommernächte
umarmen sanft die empfindliche Haut meiner Seele,
umschliessen unaufhörlich mein Innerstes ,
hören das lautlose Singen ferner Lieder,
erfüllen meine grenzenlose Liebe
und nichts kann mich trennen von dir.

Geliebte Sommertage
erreichen unaufhörlich das Ufer meiner Seele,
spülen an die dunklen Felsen meines Wesens,
hören die leise Melodie meines Lebens,
erfüllen die Bestimmung meines Herzens
und nichts kann mich trennen von dir.

Geschenkte Sommerabende
erfüllen die endlose Suche meiner Gedanken,
trösten zärtlich den wehmütigen Gesang meines Sterbens,
benetzen traurig die kostbaren Tränen meiner Erinnerung,
verführen die unsterbliche Hoffnung meiner Sehnsucht
und nicht einmal dein Tod kann mich daran hindern,
dich in mir zu tragen.“


In diesen Worten erinnerte sich Quempas an die besondere Zeit mit Orenda
und er empfand sein Leben als etwas unendlich Kostbares.
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und er erkannte,
wie wertvoll dieser Sommer für ihn gewesen war.
Es wurde ihm bewusst, dass Orenda zwar gestorben war,
aber nicht die gemeinsame Zeit mit ihr.
Je mehr er an diese wundervolle Zeit erinnert wurde,
umso wertvoller wurde seine Liebe.
Und er lauschte weiter den tiefen Traumgedanken:
„Jeder Augenblick, in dem du geliebt hast und in dem du geliebt wurdest,
ist ein Geschenk des Himmels und mag dein Herz noch so traurig sein,
keine Träne, die du vergossen hast, war vergebens.
Jede Minute der Trauer ist aufgefangen im unendlichen Meer der Liebe.
Suche dieses Meer und du wirst die Wahrheit über dich selber erfahren!
Suche das Meer, kleine Schwalbe und du wirst deine Geliebte wiederfinden!“

Quempas war ganz berührt von diesen Worten.
Als er sich am Morgen wohlig im Stroh zu recken begann
und sein Flügel ausstreckte, spürte er, dass Verazit nicht mehr da war.
Seiner Bestimmung folgend war der Esel schon früh aufgebrochen,
um die Lasten des alten Bauers zu tragen,
der auf den Markt in die Stadt gezogen war.
Quempas fühlte noch etwas das warme Stroh.
Er trank mit seinem Schnabel ein wenig Wasser aus dem Trog
und hob ab in die Lüfte, um jenen Ort zu suchen,
von dem ihm in seinen Träumen berichtet worden war.
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 12:52 Uhr   


Langsam fühlte Quempas, wie seine Kräfte nachliessen.
Es war jetzt spürbar, dass die Tage kälter waren,
als in den vergangenen Jahren,
als Quempas frühzeitig mit den anderen Schwalben nach Süden gezogen war.
Zudem war vertrieb eine kalte Brise die warmen Wüstenwinde des Südens.
Mit letzter Kraft schaffte es Quempas ans Ufer des grossen Meeres.
Es war ein trüber nebliger Novembertag,
als er schliesslich die Küste erreichte.
Die Sicht war trüb und grau und es wehte ein rauher Wind.
Quempas fand eine kleine Bucht und versteckte sich in den Dünen.
Nicht weit davon lagerte ein paar Fahrende mit ihren modernen Wohnwagen.
Doch Quempas hatte sie nicht entdeckt,
sonst wäre er nicht so nahe an Menschensiedlungen gekommen.
Ein kleines Zigeunermädchen war auf der Suche nach Muscheln
und strich mit seinem Korb vorsichtig durchs Dünengras.
Bevor es fast auf den kleinen erschöpften Vogel getreten wäre,
sah das Kind die kleine Schwalbe.
Sie lag völlig entkräftet am Boden,
die Augen zuckten mit letzter Kraft.
Das Mädchen meinte zuerst, dass Quempas tot sei.
Doch als es das nervöse Flackern der müden Augen sah,
nahm es den Vogel behutsam in seine kleinen Hände.

Zea, so hiess das Mädchen, hatte grosses Mitleid
mit der erschöpften Schwalbe und wollte sie,
zu sich nach Hause nehmen und sie pflegen.
Das Mädchen legte etwas Dünengras in seinen Korb
und bettete den zierlichen Vogelkörper vorsichtig hinein.
Zu hause zeigte Zea „ihren“ kleinen Patient den Eltern.
Sie legten den schwachen Vogelkörper in einen Käfig,
gaben ihm reichlich Futter und zogen ein Tuch über das Gitter.
Am anderen Morgen schaute Zea nach ihrem kleinen Freund,
der aber immer noch erschöpft am Grund seines Käfigs kauerte.
Er lag zwar nicht mehr so leblos da wie am Vortag,
doch hüpfen konnte Quempas immer noch nicht.
Er fühlte sich schwach und müde
und die neue Umgebung der Menschen machte ihm grosse Angst.
Noch nie in seinem bisherigen Leben war er eingesperrt gewesen.
Umso mehr fühlte er sich unsicher und bedroht in dieser fremden Umgebung.
In der Nacht hatte er zwar geschlafen,
aber es war ein unruhiger Schlaf voller Angstträumen gewesen.
Immer wieder wurde er von dunklen und bedrohlichen Stürmen umgeben,
aus denen plötzlich grosse Menschenaugen auftauchten,
die ihn böse anblickten.
Quempas wollte jetzt endgültig sterben,
wollte nicht mehr essen und sein Herz war taub vor Schmerz.

Und so begann er innerlich den Sterbegesang der Schwalben zu singen.
Dieses Lied stimmen alle Schwalben an,
wenn sie sich auf das Sterben vorbereiteten.
Meistens sind sie alleine, wenn sie sich erschöpft auf der grossen Reise,
der Macht des Todes beugen müssen.
So sang auch Quempas in der folgenden Nacht sein Sterbelied:

„Danke, warme Sonne,
für jeden Sommer,
den du uns geschenkt,
für jeden Flügelschlag,
den du hast gelenkt.

Danke, weiter Himmel,
für jeden neuen Tag,
den du am Horizont hast entfacht,
für jede weise Dämmerung,
die uns verkündet hat die Nacht.

Danke, treuer Schwalbengeist,
für jedes liebende Herz,
das du in uns hast entzündet
für jede grosse Reise,
die du uns hast verkündet.

Danke, treuer Gefährte,
für jede Stunde an meiner Seite,
die du mit mir hast geteilt,
für jede Träne in meiner Seele,
die in mir trug das schwere Leid.

Danke, freier Wind,
für jede Kraft unter meinen Flügeln,
die du grosszügig hast verschwendet,
für jede noch so grosse Reise,
auf die du uns hast gesendet.

So nimm mich mit, freier Wind,
auf die endgültig grosse Reise,
wenn mir die letzte Stunde schlägt,
und mich in sanfter Weise,
ins Schwalbenreich hinüberträgt.


Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 12:53 Uhr   


Als der letzte Vers von Quempas Sterbegesang verklungen war,
hüllte er sich tief ein seine Flügel ein
und wartete auf sein Sterben.
Doch wieder hörte er jene Stimme,
die er auf seiner kräftezehrenden Reise so oft gehört hatte.
„Steh auf, kleiner Vogel, sonst ist die Reise zu lang für dich!“
Quempas wollte protestieren.
„Ich muss nicht mehr aufstehen für die letzte Reise,
die geschieht von allein, lass mich jetzt in Ruhe sterben!“
„Es ist nicht deine letzte Reise, die dir bevorsteht,
es ist deine erste grosse Bewährungsprobe, die du zu bestehen hast,
also steh‘ auf, sonst ist der Weg zu weit für dich!“
entgegnete ihm die geheimnisvolle Stimme bestimmter und kräftiger als zuvor. Nach einem letzten Aufbäumen gegen die unbekannte Stimme
versuchte Quempas schliesslich, auf seinen Beinen zu kommen
und nach einigen Versuchen schaffte er es auch tatsächlich.
„Warum lässt du mich nicht in Ruhe, du ferne Stimme,
warum treibst du mich an? Müde bin ich, gefangen in Menschenhand
und sage mir, mit welcher Kraft soll ich die grosse Reise übers Meer
in dieser Kälte überhaupt schaffen?“
Mit müden Worten versuchte sich Quempas zu wehren.
Doch die rätselhafte Stimme begann leise zu singen
und hüllte den kleinen Schwalberich
in bergende wohlklingende Melodien ein.
Mit einem Mal erinnerte er sich
an die Gesänge seiner geliebten Orenda
und er fühlte sich glücklich und geborgen.
Doch in seinem Kopf wusste er,
dass das nicht die Wirklichkeit sein konnte.
„Du willst mich betören, ja täuschen,
du bist nicht die Wirklichkeit,
du bist nicht die Stimme von Orenda!“
erwiderte Quempas leise aber bestimmt.
„Aber du hast meine Stimme gehört und darin Orenda erkannt!
Frage dich, lieber Quempas, woraus bestehen deine Erinnerungen,
aus Traum oder Wirklichkeit?“
fragte die wohlklingende Stimme den kleinen Vogel.
„Meine Erinnerungen sind mein Leben und alles,
was mein bisheriges Dasein lebenswert gemacht hatte,
ist mit dem Tod von Orenda von dieser Welt gegangen.
Das ist die Wirklichkeit und nichts mehr!“
gab Quempas trotzig zurück.
„Deine Erinnerungen sind aber nicht gestorben,
du lebst mit ihnen weiter und sie sind ein Teil von dir geworden.
Ohne sie, wärest du weder so weit gekommen,
noch würdest du jenen wertvollen Schatz in dir tragen,
dass dein Leben einen Sinn gehabt hat.
Deine Erinnerungen an Orenda sind wirklich
und werden es dein ganzes Leben lang bleiben.
Das ist die Wahrheit und die Wirklichkeit zugleich
und nur über dieses Geheimnis wirst du zurückfinden
zu deiner Seelenkraft, vergiss das nicht!
Höre das folgende Lied und beurteile dann,
was Wirklichkeit ist und was Traum:

„Jeden Tag,
an dem ich dich geliebt habe,
ist ein geschenkter Tag.

Jede Stunde,
in der ich dich geborgen wusste,
ist eine wahre Stunde.

Jeden Morgen,
an dem ich mit dir erwachte,
ist ein kostbarer Morgen.

Jeden Abend,
den ich mit dir beendet habe,
ist ein erfüllter Abend.

Jeden Sonnenstrahl,
den ich mit dir empfunden habe,
ist ein zärtlicher Sonnenstrahl.

Jede Sekunde,
die ich an dich gedacht habe,
ist eine ewige Sekunde.

Jeden Streit,
den ich mit dir ausgefochten habe,
ist ein ehrlicher Streit.

Jede Versöhnung,
die ich mit dir gefeiert habe,
ist eine umarmende Versöhnung.

Jedes Liebeslied,
das ich an dich schrieb,
ist ein beseeltes Liebeslied.

Jede Sekunde,
die ich an dich dachte,
war Traum und Wirklichkeit zugleich.

Als Quempas diesen Wortgesang gehört hatte,
wurde es ihm immer klarer, dass Orenda ihn
keinen Tag seines Lebens verlassen hatte.
Sie war zwar tot, aber sie war es wohl gewesen,
die ihn über all‘ die Strapazen der schweren Reise
hinüber getragen hatte. Ihre Sehnsucht nach dem Meer,
nach jenem Ort, von dem sie sich so schwer getrennt hatte,
war schon von Beginn weg in ihrer wundervollen Stimme gelegen
und hatte Quempas an seine eigene Sehnsucht erinnert.
Dafür war er seiner geliebten Schwalbenfrau unendlich dankbar.
Und er wusste nun, dass er nur schon OrendaÂ’s zuliebe,
wieder auf die Beine kommen musste,
damit er jenen Ort erreichen konnte,
von dem Orenda immer und immer wieder gesungen hatte

The End.....
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top
"Autor"  
Nutzer: Gast_Pebbelz
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 13.03.2002
Anzahl Nachrichten: 1851

geschrieben am: 23.03.2003    um 14:23 Uhr   
Ne wirklich schöne Geschichte ... echt ... :)
Ich frag mich gerade warum ich am pc sitze, wennŽs draußen fast 20° hat ... *kopfhautz* ... gg

Baba, ~Pebbi~
  Top
"Autor"  
Nutzer: KiSs60
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 14.11.2001
Anzahl Nachrichten: 1077

geschrieben am: 23.03.2003    um 14:36 Uhr   
die geschichte ist wirklich sehr schön...
das 1. gedicht liest sich auch wunderbar!
knuddlz die kleene pebb durch und lässt der rose einen da.
  Top
"Autor"  
Nutzer: nightrose
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 9122

geschrieben am: 23.03.2003    um 14:57 Uhr   
Lächelt zu euch beiden Danke
und Kiss und Pebbi
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!

Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird

  Top