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geschrieben am: 23.03.2003 um 12:53 Uhr
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Als der letzte Vers von Quempas Sterbegesang verklungen war,
hüllte er sich tief ein seine Flügel ein
und wartete auf sein Sterben.
Doch wieder hörte er jene Stimme,
die er auf seiner kräftezehrenden Reise so oft gehört hatte.
„Steh auf, kleiner Vogel, sonst ist die Reise zu lang für dich!“
Quempas wollte protestieren.
„Ich muss nicht mehr aufstehen für die letzte Reise,
die geschieht von allein, lass mich jetzt in Ruhe sterben!“
„Es ist nicht deine letzte Reise, die dir bevorsteht,
es ist deine erste grosse Bewährungsprobe, die du zu bestehen hast,
also steh‘ auf, sonst ist der Weg zu weit für dich!“
entgegnete ihm die geheimnisvolle Stimme bestimmter und kräftiger als zuvor. Nach einem letzten Aufbäumen gegen die unbekannte Stimme
versuchte Quempas schliesslich, auf seinen Beinen zu kommen
und nach einigen Versuchen schaffte er es auch tatsächlich.
„Warum lässt du mich nicht in Ruhe, du ferne Stimme,
warum treibst du mich an? Müde bin ich, gefangen in Menschenhand
und sage mir, mit welcher Kraft soll ich die grosse Reise übers Meer
in dieser Kälte überhaupt schaffen?“
Mit müden Worten versuchte sich Quempas zu wehren.
Doch die rätselhafte Stimme begann leise zu singen
und hüllte den kleinen Schwalberich
in bergende wohlklingende Melodien ein.
Mit einem Mal erinnerte er sich
an die Gesänge seiner geliebten Orenda
und er fühlte sich glücklich und geborgen.
Doch in seinem Kopf wusste er,
dass das nicht die Wirklichkeit sein konnte.
„Du willst mich betören, ja täuschen,
du bist nicht die Wirklichkeit,
du bist nicht die Stimme von Orenda!“
erwiderte Quempas leise aber bestimmt.
„Aber du hast meine Stimme gehört und darin Orenda erkannt!
Frage dich, lieber Quempas, woraus bestehen deine Erinnerungen,
aus Traum oder Wirklichkeit?“
fragte die wohlklingende Stimme den kleinen Vogel.
„Meine Erinnerungen sind mein Leben und alles,
was mein bisheriges Dasein lebenswert gemacht hatte,
ist mit dem Tod von Orenda von dieser Welt gegangen.
Das ist die Wirklichkeit und nichts mehr!“
gab Quempas trotzig zurück.
„Deine Erinnerungen sind aber nicht gestorben,
du lebst mit ihnen weiter und sie sind ein Teil von dir geworden.
Ohne sie, wärest du weder so weit gekommen,
noch würdest du jenen wertvollen Schatz in dir tragen,
dass dein Leben einen Sinn gehabt hat.
Deine Erinnerungen an Orenda sind wirklich
und werden es dein ganzes Leben lang bleiben.
Das ist die Wahrheit und die Wirklichkeit zugleich
und nur über dieses Geheimnis wirst du zurückfinden
zu deiner Seelenkraft, vergiss das nicht!
Höre das folgende Lied und beurteile dann,
was Wirklichkeit ist und was Traum:
„Jeden Tag,
an dem ich dich geliebt habe,
ist ein geschenkter Tag.
Jede Stunde,
in der ich dich geborgen wusste,
ist eine wahre Stunde.
Jeden Morgen,
an dem ich mit dir erwachte,
ist ein kostbarer Morgen.
Jeden Abend,
den ich mit dir beendet habe,
ist ein erfüllter Abend.
Jeden Sonnenstrahl,
den ich mit dir empfunden habe,
ist ein zärtlicher Sonnenstrahl.
Jede Sekunde,
die ich an dich gedacht habe,
ist eine ewige Sekunde.
Jeden Streit,
den ich mit dir ausgefochten habe,
ist ein ehrlicher Streit.
Jede Versöhnung,
die ich mit dir gefeiert habe,
ist eine umarmende Versöhnung.
Jedes Liebeslied,
das ich an dich schrieb,
ist ein beseeltes Liebeslied.
Jede Sekunde,
die ich an dich dachte,
war Traum und Wirklichkeit zugleich.
Als Quempas diesen Wortgesang gehört hatte,
wurde es ihm immer klarer, dass Orenda ihn
keinen Tag seines Lebens verlassen hatte.
Sie war zwar tot, aber sie war es wohl gewesen,
die ihn über all‘ die Strapazen der schweren Reise
hinüber getragen hatte. Ihre Sehnsucht nach dem Meer,
nach jenem Ort, von dem sie sich so schwer getrennt hatte,
war schon von Beginn weg in ihrer wundervollen Stimme gelegen
und hatte Quempas an seine eigene Sehnsucht erinnert.
Dafür war er seiner geliebten Schwalbenfrau unendlich dankbar.
Und er wusste nun, dass er nur schon OrendaÂ’s zuliebe,
wieder auf die Beine kommen musste,
damit er jenen Ort erreichen konnte,
von dem Orenda immer und immer wieder gesungen hatte
The End.....
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
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