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geschrieben am: 26.12.1999 um 17:11 Uhr
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DAGEGEN!
weil Weihnachten wie alle anderen christlichen Feste eine wichtige Metapher ist, die umso besser verstanden und verinnerlicht werden kann, wenn sie auch PRAKTIZIERT wird.
Die jeweiligen christlichen Feste erinnern daran, daß die christliche Religion letztendlich einen lebensnahen Leitfaden für das tägliche Miteinander darstellt.
Jedes dieser Feste symbolisiert einen wichtigen Aspekt im Umgang mit sich selbst und seinen Mitmenschen.
Jedes dieser Feste soll sich so stark in die Erinnerung einprägen, daß man auch zu anderen Gelegenheiten sich an ihre wesentliche Botschaft erinnert.
Oder auch, daß der christliche Glauben weniger durch "Du darfst nicht/Du mußt"-Vorschriften gelebt, sondern durch freiwillig umgesetzte "Du sollst"-Empfehlungen verwirklicht wird.
(Da möchte ich auf das zweite der beiden Gebote von Jesus verweisen: "liebe Deinen Nächsten WIE Dich selbst" — 'WIE' sowohl zu verstehen als "UND", als auch "MIT GLEICHER QUALITÄT")
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Die metaphorischen Aspekte mal in eckige Klammern "[]" gesetzt sehe ich die Bedeutung von Weihnachten folgendermaßen:
Die Weihnachtsgeschichte weist auf die Möglichkeit hin, daß noch (oder gerade dann) bei [tiefster Kälte] unter [erbärmlichsten Umständen] ein [Christkind] geboren werden kann, das die [Welt] erlösen wird von seinen [Leiden], bzw. den Weg dort heraus aufzeigen kann.
[tiefste Kälte] = menschliche Kälte: jeder nur für sich, hartherzig, "was geht mich der Andere mit seinen Bedürfnissen an?", Neid, Mißgunst, Haß, Lieblosigkeit.
[erbärmlichste Umstände] = keine Möglichkeiten, von allen anderen Menschen gemieden/verachtet, abgeschoben in den letzten Winkel
(ich habe mal eine moderne Interpretation der Krippenszene gesehen: eine heruntergekommene Maria, die - bei klirrender Kälte unter dem Wartehäuschen einer Bushaltestelle alleingelassen - das christkind gebärt.)
[Christkind] möchte ich aufteilen in "Christ" und "Kind":
# "Christ" = da muß ich etwas weiter ausholen: nach dem christlichen Glauben ist Jesus 3 Tage nach der Kreuzigung auferstanden. Ich verstehe diese irre Geschichte als Anspielung auf den Umstand, daß alles, was ich erlebe, nach drei Tagen seinen stärksten Reiz verloren hat - egal, ob schlimme oder angenehme Erlebnisse.
Wenn z.b. mich jemand in einem Streit unter die Haut gehend beleidigt und ich daran zu knabbern habe, dann brauche ich zwei Tage, um den ersten Schrecken erst mal zu verarbeiten. Am dritten Tag bin ich soweit, daß ich mich wieder neuen Dingen zuwenden kann. Während der 'Trauerarbeit' habe ich aus dem Vorfall auch gelernt, und das Gelernte verinnerlicht. Es ist jetzt Teil geworden ["aufgefahren..."] meiner Lebenserfahrung, die meine Gedanken ["...in den Himmel"] mit beeinflußt.
Wenn ich das nicht völlig falsch in Erinnerung habe, wird Jesus erst nach der Auferstehung (Ostern) zusätzlich auch 'Christus' genannt.
Demnach lebt der christliche Glauben die Weisheit, daß man am Ende einer heftigen Entwicklung für zwei Tage traumatisiert ("wie tot") ist und alles Andere um einen herum vorübergehend an Bedeutung verliert. Daß man zwei Tage Ruhe braucht, um den ersten Schrecken des Vorgefallenen zu verarbeiten und frischen Mut und Motivation zu schöpfen, bevor man sich wieder dem (alltäglichen) leben zuwenden mag.
# "Kind/Geburt" = etwas Neues wird geboren. Dieses Neue kann eine Idee, oder ein Gefühl, oder irgendeine andere neue Perspektive sein, die sich weiterentwickeln läßt.
[Christkind] = eine neue Perspektive, das menschliche Miteinander zu beleben.
[Leiden] = all der Ärger und die Last, die man im täglichen Leben hat, und die umso schwerer wiegen, je weniger Lebensfreude/Perspektive man hat. (Habt ihr schon mal überlegt, warum man sagt, daß man jemanden gut "leiden" könne, wenn er einem sympathisch ist? ;-) )
[Welt] = alle Anteile/Aspekte, die für einen das Umfeld ausmachen, in dem man lebt (Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse, Wünsche, ... von Partnern, Familie, ...).
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