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geschrieben am: 06.03.2003 um 12:08 Uhr
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um gleich alle befangenheit wegzunehmen... das ist nicht wirklich geschehen. es darf also ganz freimuetig kritisiert werden.
Ich hör sie weinen,
hör sie ringend atmen
und wie es sie plagt.
Und ein Stein fällt auf mein Herz,
ich weiß,
noch ehe sie es sagt
Heute...
Etwas Schreckliches geschah.
Ums Haus herum stehn Leute,
murmelnd und bleich.
"Ja, genau der!
Wie hieß er doch gleich?"
Heute...
Sogar der Hund geht geduckt.
Freut sich kurz und legt sich
in die Ecke der Geduld.
Und jähes Mitleid teilt den großen Schmerz:
Der arme Kerl denkt, er wär schuld.
Heute...
Ich seh sie weinen,
seh sie ringend atmen.
Und den Vater seh ich,
verkuemmert wie den Baum,
der keine Frucht mehr trägt.
Das Bild seh ich,
die Sportpokale und das Ruder
an der schweigenden Wand...
Heute starb mein Bruder
Sammy |
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geschrieben am: 06.03.2003 um 13:42 Uhr
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Dies ein emotional sehr brisanter und extremer Text. Dennoch gut gemacht.
Gruss Lama |
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geschrieben am: 06.03.2003 um 17:00 Uhr
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Es hat mich auch extrem viel Überwindung und Kraft gekostet, diesen Text so aufs Papier zu bringen. Danke für deine Meinung, wengleich ich mir gewünscht hätte, dass der eine oder andere mehr auf diese Zeilen eingegangen wäre.
liebe Grüße von Sammy |
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geschrieben am: 06.03.2003 um 17:38 Uhr
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naja, der eine oder andere wird schon noch was dazu schreiben. du hast es ja erst heute gepostet, nur geduld. vielleicht schreibe ich noch mehr zu meiner sichtweise des gedichts.
Gruss Lama
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| "Autor" |
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geschrieben am: 06.03.2003 um 17:44 Uhr
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Sehr trauriger Text der ans Herz geht.....
Gut geschrieben |
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
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| "Autor" |
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geschrieben am: 06.03.2003 um 18:28 Uhr
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Würde mich über deine Sichtweise sicher freuen, Bluelama und bin gespannt darauf.
Danke, Nigthrose das freut mich.
Sammy |
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geschrieben am: 06.03.2003 um 19:39 Uhr
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(zitat)Ich hör sie weinen,
hör sie ringend atmen
und wie es sie plagt.
Und ein Stein fällt auf mein Herz,
ich weiß,
noch ehe sie es sagt
Heute... (/zitat)
Ein kleines Maedchen, 8 Jahre jung, vielleicht weniger, steht am Aufgang zum ersten Stock. Gleich rechts ist der Eingang zu einem Raum (das Wohnzimmer?). Die Tuer ist geoeffnet. Sie steht versteckt hinter dem schmalen Stueck Wand zwischen Treppe und Raum.
Hoert die Mutter weinen. Betritt im Schlafgewand und den Teddybaeren in der Hand, das Zimmer. Sagt kein Wort, schaut mit ihren gross (und damit unschuldig) wirkenden Augen im Kopf hin zu den Eltern, hin zur Mutter die vom Vater gehalten wird.
'Oh.... Schaetzchen...'
Die Mutter kommt zu ihr, umarmt sie. Das Maedchen zeigt immer noch keinerlei Reaktion. Steht einfach da. Stumm.
(zitat)Etwas Schreckliches geschah.
Ums Haus herum stehn Leute,
murmelnd und bleich.
"Ja, genau der!
Wie hieß er doch gleich?"
Heute...(/zitat)
Nachbarn haben sich auf der Strasse versammelt, trotz der spaeten Stunde. Ein paar vielleicht. Die beiden netten Renter von nebenan. Der Handwerker zwei Haeuser weiter mit seiner jungen Frau. Und die Frau vom kleinen Laden. Die schon saemtlichen Klatsch zu hoeren bekam und am besten 'informiert' ist. In dieser kleinen Vorstadt. Mittelstand.
(zitat)Sogar der Hund geht geduckt.
Freut sich kurz und legt sich
in die Ecke der Geduld.
Und jähes Mitleid teilt den großen Schmerz:
Der arme Kerl denkt, er wär schuld.
Heute... (/zitat)
Im Haus, beim entfachten Kamin, liegt der Hund. Zusammengerollt. Auch er hat grosse Augen, beobachtend die grossen Leute wie sie einander umarmen, sich Waerme geben. Irgendetwas ist geschehen, etwas schreckliches. Das spuert er. Die Luft riecht fuer ihn foermlich danach.
So geht er heute nicht zm kleinen grossen Menschen, ihn zu
begruessen. Er beobachtet lieber. Vorsichtig.
(zitat)Ich seh sie weinen,
seh sie ringend atmen.
Und den Vater seh ich,
verkuemmert wie den Baum,
der keine Frucht mehr trägt. (/zitat)
Die Mutter hat sich wieder dem Vater zugewand.
'Ich kann es ihr nicht sagen'
Er nimmt sie in den Arm, versucht zuversicht zu verbreiten. Mut. Doch auch seine Augen kuenden vom Geschehenen...
Das Maedchen versteht. Denkt an den leeren Liegeplatz des Hochbettes im gemeinsamen Zimmer. Dort wuerden ab heute ihre Puppen schlafen koennen.
Bis er dann eines Tages wiederkommen wuerde...
(zitat)Das Bild seh ich,
die Sportpokale und das Ruder
an der schweigenden Wand...
Heute starb mein Bruder (/zitat)
Tage spaeter, das kleine Maedchen sitzt auf seinem Bett, dem oberen. Tastend faehrt ihr Finger ueber seine Trophaen. Sonst durfte sie sie nie beruehren.
Er war ein guter Sportler.
Der tastende Finger stoppt.
Eine Traene.
Also, mir gefaellt 'heute'. Besonders die Einrueckungen sind schoen.
Sie machen, fuer mich, den Versuch der Eltern aus dem Kind zu sagen was ist....
Das Alter des Bruders kann ich nicht so recht einordnen. Gut, durch die Pokale, die ich ihm zugeordnet habe, ist das schon ein wenig eingegrenzt.
Ansonsten koennte er aber auch juenger als sie sein.
Ich sagte schon, das es mir gefaellt, oder?
Naja... und formale Kritik liegt mir im Moment nicht so. Will ich auch gar nicht, gefaellt mir so.
Aber das sagte ich ja schon *laechel*
Gruss Lama
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geschrieben am: 07.03.2003 um 09:50 Uhr
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Hi BlueLama!
ich bin tief beeindruckt von deiner sichtweise des gedichts. und - ja - auch wunderschön hast du das alles formuliert, es fühlbar umgesetzt (wir könnten es - gedicht + kommentar - als mosaik-kunststück rausgeben) :-).
ich hatte andere bilder im sinn, finde deine bilder aber sehr schön schlüssig. das einzige, was mir dazu kritisch in den sinn kam ist, dass, wenn wir hier ein 8jähriges mädchen in der ichperspektive annehmen, ihre sprache demgegenüber sehr, sehr erwachsen wäre. dann müssten wir eine gedichtkonstellation einerseits unmittelbarer
gegenwart (präsenz) und gleichzeitig des erinnernden rückblicks annehmen. aber das ist auch kein manko.
wenn mein gedicht bei dir genauso plastisch angekommen ist, wie du es dann umgesetzt hast, freut mich das sehr.
vielen dank + gruss
sammy
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geschrieben am: 07.03.2003 um 19:15 Uhr
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(zitat)ch bin tief beeindruckt von deiner sichtweise des gedichts. und - ja - auch wunderschön hast du das alles
formuliert, es fühlbar umgesetzt (wir könnten es - gedicht + kommentar - als mosaik-kunststück rausgeben) . (/zitat)
ja, warum eigentlich nicht *g*
(zitat)ich hatte andere bilder im sinn, finde deine bilder aber sehr schön schlüssig. das einzige, was mir dazu kritisch in den sinn kam ist, dass, wenn wir hier ein 8jähriges mädchen in der ichperspektive annehmen, ihre sprache demgegenüber sehr, sehr erwachsen wäre. dann müssten wir eine gedichtkonstellation einerseits unmittelbarer
gegenwart (präsenz) und gleichzeitig des erinnernden rückblicks annehmen. aber das ist auch kein manko. (/zitat)
Hmm. liesse sich wohl machen. Ich habe gar nicht an die Sprache gedacht, eher auf die Emotionen bzw. auf die innere Handlung. Und wer weiss schon wie eine 8jaehrige, oder sonst jemand, denkt?
Vielleicht denken 8jaehrige ja so.. bzw. gar nicht so detailliert, so dass es wohl schwer moegliche waere daraus dann etwas Zusammenhaengendes zu schaffen.
Nach meiner Ansicht waere es also nicht unbedingt noetig die Sprache zu aendern...
(zitat)wenn mein gedicht bei dir genauso plastisch angekommen ist, wie du es dann umgesetzt hast, freut mich das sehr.(/zitat)
es ist so angekommen :)
lieber Gruss
Lama |
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geschrieben am: 08.03.2003 um 07:01 Uhr
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(zitat)Das Bild seh ich,
die Sportpokale und das Ruder
an der schweigenden Wand...
Heute starb mein Bruder (/zitat)
Ruder/Bruder? Gefällt dir das?
Den letzten Satz finde ich nicht so gut.
Vielleicht könnte man irgendwie andeuten, warum der Bruder gestorben ist.
Wenn man schon die Wahl hat, wie man den Bruder sterben läßt, würde ich vielleicht folgendes schreiben:
Heute hat sich mein Bruder in den Mund geschossen.
Das ist dir wahrscheinlich zu brutal, aber vielleicht fällt dir ja noch etwas dazu ein. (Dann stimmts aber weiter oben nicht mehr so ganz)
Ciao
Weika |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 08.03.2003 um 14:16 Uhr
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(zitat)Wenn man schon die Wahl hat, wie man den Bruder sterben läßt, würde ich vielleicht folgendes schreiben:
Heute hat sich mein Bruder in den Mund geschossen. (/zitat)
das ist zu brutal :-). auch zu plakativ, finde ich. mal sehen, was sammanta dazu sagt.
Gruss Lama
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