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geschrieben am: 14.03.2003 um 09:38 Uhr
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Der Seelchenbaum
Weit draußen, einsam im öden Raum
steht ein uralter Weidenbaum
noch aus den Heidenzeiten wohl,
verknorrt und verrunzelt, gespalten und hohl.
Keiner schneidet ihn, keiner wagt
vorüberzugehn, wenn's nicht mehr tagt,
kein Vogel singt ihm im dürren Geäst,
raschelnd nur spukt drin der Ost und West;
doch wenn am Abend die Schatten düstern,
hörst du's wie Sumsen darin und Flüstern.
Und nahst du der Weide um Mitternacht,
du siehst sie von grauen Kindlein bewacht:
Auf allen Ästen hocken sie dicht,
lispeln und wispeln und rühren sich nicht.
Das sind die Seelchen, die weit und breit
sterben gemußt, eh' die Tauf' sie geweiht:
Im Särglein liegt die kleine Leich',
nicht darf das Seelchen ins Himmelreich.
Und immer neue, - siehst es du? -
in leisem Fluge huschen dazu.
Da sitzen sie nun das ganze Jahr
wie eine verschlafene Käuzchenschar.
Doch Weihnachts, wenn der Schnee rings liegt
und über die Länder das Christkind fliegt,
dann regt sich's, pludert sich's, plaudert, lacht,
ei, sind unsre Käuzlein da aufgewacht!
Sie lugen aus, wer sieht was, wer?
Ja freilich kommt das Christkind her!
Mit seinem helllichten Himmelsschein
fliegt's mitten zwischen sie hinein:
"Ihr kleines Volk, nun bin ich da -
glaubt ihr an mich?" Sie rufen: "Ja!"
Da nickt's mit seinem lieben Gesicht
und herzt die Armen und ziert sich nicht.
Dann klatscht's in die Hände, schlingt den Arm
ums nächste - aufwärts schwirrt der Schwarm
ihm nach und hoch ob Wald und Wies'
ganz graden Weges ins Paradies.
Ferdinand (Ernst Albert) Avenarius (1856-1923)
Das Gedicht hat mich irgendwie nachdenklich gemacht.
Musste es einfach mal hier reinsetzten :o)
bluemle
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geschrieben am: 14.03.2003 um 09:41 Uhr
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Vom Kirschbaum
Ist alles ganz kahl und still,
nicht mal im Grase sich's regen will.
steht alles geduckt,
klappert im Frost und muckt
mit dem Winter. Der putzt es mit Rauhreif auf,
aber keines gibt was drauf.
Doch im Garten
sagt einer: " Ich kann warten."
Ist jemand, du kennst ihn wieder kaum,
so dünn ist er worden: der Kirschenbaum.
Schläft er nicht?
Trau einer dem Wicht!
Heute Mittag, um Uhre eins
gab's mal ein Pröbchen Sonnenscheins:
Darin - ich habe
das deutlich gesehn -
mit seinen Knospen
fingerte der alte Knabe,
ein wenig vorsichtig und geziert,
wie man Badewasser probiert.
Und über seine Runzeln
ging ein Schmunzeln.
Ferdinand Avenarius
bluemle
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geschrieben am: 14.03.2003 um 09:46 Uhr
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Alexandra
Mein Freund der Baum
Du wirst dich nie im Wind mehr wiegen
Ich wollt' dich längst schon wiedersehn,
mein alter Freund aus Kindertagen,
ich hatte manches dir zu sagen
und wußte, du wirst mich verstehn.
Als kleines Mädchen kam ich schon zu dir
mit all den Kindersorgen;
ich fühlte mich bei dir geborgen,
und aller Kummer flog davon.
Hab ich in deinem Arm geweint,
strichst du mit deinen grünen Blättern
mir übers Haar, mein alter Freund.
Mein Freund, der Baum ist tot,
er fiel im frühen Morgenrot.
Du fielst heut' früh, ich kam zu spät,
du wirst dich nie im Wind mehr wiegen,
du mußt gefällt am Wege liegen,
und mancher, der vorübergeht,
der achtet nicht den Rest von Leben
und reißt an deinen grünen Zweigen,
die sterbend sich zur Erde neigen.
Wer wird mir nun die Ruhe geben,
die ich in deinem Schatten fand?
Mein bester Freund ist mir verloren,
der mit der Kindheit mich verband.
Mein Freund, der Baum ist tot,
er fiel im frühen Morgenrot.
bluemle
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geschrieben am: 14.03.2003 um 09:50 Uhr
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Im Wald
Im Wald
Hölzern bricht aus Blätterdächern
Karg und still ein letztes Licht
Hilflos singt der schwarze Vogel
Ehe sanft sein Flügel bricht
Bleiern fällt ein junger Körper
Herbstlich schön, doch blutig-rot
Inmitten all der kühlen Blätter
Hart zu Boden; liegt
dort tot...
Jan Bucksch
bluemle
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geschrieben am: 14.03.2003 um 09:53 Uhr
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Der Wald ist ein besonderes Wesen,
von unbeschränkter Güte und Zuneigung,
das keine Forderungen stellt
und großzügig die Erzeugnisse
seines Lebenswerks weitergibt;
allen Geschöpfen bietet er Schutz
und spendet Schatten selbst dem Holzfäller,
der ihn zerstört.
Siddharta Gautama Buddha

bluemle
Geändert am 14.03.2003 um 09:55 Uhr von bluemchenpuzzel |
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geschrieben am: 14.03.2003 um 09:57 Uhr
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Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing.
Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.
Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging.
Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt.
Ein alter Esel fraß die ganze
Von ihm so heißgeliebte Pflanze.
[Schmetterling und Blume Digitalfoto von Inga Schnekenburger]
Wilhelm Busch, 1883
bluemle
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geschrieben am: 14.03.2003 um 10:15 Uhr
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Tolle Gedichte :o))
[TrAuRiGe]Silver ... |
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