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geschrieben am: 21.03.2003 um 21:51 Uhr
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conny schluchzte wiederum auf. es war ein heiserer klagelaut, ein unmenschliches heulen; das einzige geraeusch, dass ihre ausgedoerrte kehle noch hervorzubringen vermochte. sie hatte die letzten tage, wochen, zu viel geweint. zu viel getrauert, um noch klar denken zu koennen. sie starrte auf das datum am kalender, der an der wand gegenueber hing, und ein fragmentarischer gedanke tauchte in ihrem droehnenden kopf auf. ja, heute waere es genau ein jahr gewesen. waere. es tut weh, im konjunktiv zu denken. aber selbst dieser schmerz schien nicht mehr ganz so echt. verzerrt wie zigarettenqualm in einem ueberfuellten restaurant. conny zog ihre cappy tiefer in die stirn und stieß die tuer auf. ein kalter luftzug ließ sie froesteln. aber sie durfte jetzt nicht aufgeben. ein schritt nach vorne. und noch einer. die haustuer hinter sich fest schließen. jede bewegung verbrauchte mehr kraft, als der leere koerper geben konnte. ein wimpernschlag wurde zu einem schier unmoeglichen kraftakt. im zeitlupentempo durchschnitt conny die steinharte luft. der eisige wind stach mit eisennadeln in ihre lunge. die helle sonne machte sie blind. nur kurz blickte sie auf, um in der ferne erleichtert ihr ziel zu entdecken – der zigarettenautomat. das graue muster des kopfsteinpflasters brannte sich in ihren schaedel. sie wollte nicht hinsehen, konnte aber nicht anders, als einfach nur zu starren. schlangenlinien, ein paradoxes
zittern ging durch den stein. mit einem mal drehte sich alles um conny, der horizont kippte. da waren sie, hinter ihr, stuerzten sich auf sie, packten mit brutalen haenden nach ihr, hielten sie fest, brachten sie zu fall. ein scharfer schmerz, das knie aufgeschuerft, aufrappeln, befreien, lauf weg, renn, RENN! sie kamen hinterher, verfolgten sie, zerrten an ihren kleidern. bis zur haustuer, sicheren feste, nur wenige meter. gleich bist du da, renn, conny, sie bekommen dich nicht, diesmal nicht...
geschafft. mit einem endgueltigen krachen fiel die tuer hinter ihr ins schloss. conny lehnte sich erleichtert gegen das holz und keuchte, wartete, dass ihr atem sich wieder beruhigte, ihr blick sich klaerte. dann die erkenntnis. sie wusste es genau. wuerde sie jetzt nach draußen schauen, waere die straße wie leergefegt. keine menschenseele da. wieder nur ein traum, ein alptraum am helllichten tage.
johann kam ihr in den sinn. ein jahr. er muesste enttaeuscht sein, wenn er davon wuesste. erneut dieser stoerende konjunktiv. gut, dass er sie so nicht sah. sie konnte sein sorgenvolles gesicht erkennen, wenn sie die augen schloss. warum hast du mich allein gelassen?, schrie sie innerlich. warum warst du zu schwach – warum waren wir beide zu schwach? conny wusste genau, warum er es nicht mehr mit ihr ausgehalten hatte. aus angst. angst vor verletzung, vor verlust. angst vor ihr, vor conny. vor dem wahnsinn in ihrem blick. nicht mal ein jahr. er hatte ihr nicht helfen koennen. er hatte ihr die bilder nicht nehmen koennen. sie hatte ihm nicht erzaehlt, dass es wieder schlimmer geworden war, weil sie ihn nicht traurig machen wollte. bis es dann eskaliert war. bis selbst seine ohrfeigen sie nicht mehr in die realität hatten zurueckholen koennen. im krankenhaus war es geendet, und sie hatten beide gewusst, dass dieser abschied kein wiedersehen beinhaltete.
conny sank langsam an der wand zu boden und schrie ihren schmerz ueber eine welt, die nichts mehr außer erinnerungen bieten konnte, hinaus in die stille.
~embraced.in.twilight~ |
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