Auf den Beitrag: (ID: 36965) sind "11" Antworten eingegangen (Gelesen: 605 Mal).
"Autor"

Ophelia

Nutzer: zoenchen
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geschrieben am: 28.07.2003    um 15:14 Uhr   


Schwebend traegt das warme Wasser
Die kranke Fahlheit eines Kopfes
Umrandet von des gueldÂ’nen Haares
Ihres bleichen Todesschopfes

Liebtrunken hatte sich das Herz
In einen Traenenbach gestuerzt
Und treibt friedensfroh seit dem
Von Rosenstolz geschuerzt

Ein kleiner Vogel sah im Flug
Auf des Wasserleichenpracht
Verfing sich in dem Blick Ophelias
Und sank zu ihr herab

Und so wispert leise Wahnsinn
Hinfort von toten Lippen
Streicht ueber Wald und Wiesen
Laesst das Gras im Takte wippen

Schon locken lilienblasse Augen
In Natur so unberuehrt
Und oeffnen uns den schmalen Weg
Der gleich zur Freiheit fuehrt

Ophelia - Ophelia
Ich lege mich in meiner Not
Hinab in deinen Wassersarg
Und treibe frei mit dem Tod


z.
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"Autor"  
Nutzer: zoenchen
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geschrieben am: 28.07.2003    um 15:57 Uhr   
Die Rose im Wasser



Im Haar ein Nest von jungen Wasserratten
So treibt ihr schlanker Körper auf der Flut
So bleich und kalt ist sie, daß eine Weide
viel Blätter auf sie weint in stummer Qual

Und rings umher im Wasser blühen Rosen
Der Liebsten die Roten
Die Weißen den Toten

Am Ufer hockt ein alter Salamander
Und hebt den Drachenkopf ins Sonnenlicht
Er weiß nichts von den Schmerzen einer Jungfrau
Von Grausamkeit und auch von Liebe nichts

Und rings umher im Wasser blühen Rosen
Der Liebsten die Roten
Die Weißen den Toten

Das Abendrot vergoldet ihre Wangen
Ein Aal schlüpft über ihre weiße Brust
Und durch die Zweige geht ein letzter Seufzer
Ein Hauch von Trauer und ein Hauch von Lust

Und rings umher im Wasser blühen Rosen
Der Liebsten die Roten
Die Weißen den Toten
by sts
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Nutzer: Vivanta
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geschrieben am: 28.07.2003    um 16:03 Uhr   
wow! irre schön... *mal leis fragt ob sich die kopieren darf* total mein geschmack :)...

Gruß
Viv
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"Autor"  
Nutzer: zoenchen
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geschrieben am: 28.07.2003    um 16:17 Uhr   
natuerlich :) das zweite ist allerdings nicht von mir zwinkert
*und sich freut dass es gefaellt*

z.
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Nutzer: nubrock
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geschrieben am: 28.07.2003    um 18:22 Uhr   
Schon eigenartig udn verwunderlich das du so schreiben kannst. An einigen Ecken liest es sich etwas ungewohnt, da es ein kurzer "harter" Übergang war aber es gefällt mir dennoch. Schön gehalten, einfach und doch anmutend geschrieben.
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"Autor"  
Nutzer: zoenchen
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geschrieben am: 28.07.2003    um 20:02 Uhr   


Artur Rimbaud - Ophelia
I.
Auf stiller, dunkler Flut, im Widerschein der Sterne,
geschmiegt in ihre Schleier, schwimmt Ophelia bleich,
sehr langsam, einer großen weißen Lilie gleich.
Jagdrufe hört man aus dem Wald verklingen ferne.

Schon mehr als tausend Jahre sind es,
dass sie, ein bleich Phantom, die schwarze Flut hinzieht,
und mehr als tausend Jahre flüstert schon sein Lied
ihr sanfter Wahnsinn in den Hauch des Abendwindes.

Die Lüfte küssen ihre Brüste sacht und bauschen
zu Blüten ihre Schleier, die das Wasser wiegt.
Es weint das Schilf, das sich auf ihre Schulter biegt.
Die Weiden über ihrer hohen Stirne rauschen.

Im Schlummer einer Erle weckt sie hin und wieder
Ein Nest, aus dem ein kleines Flügelflattern schlägt.
Die Wasserrosen seufzen, wenn sie sie bewegt.
Ein Weiheklang fällt von den goldnen Sternen nieder.

danke nubrock :)
z.
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"Autor"  
Nutzer: zoenchen
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geschrieben am: 30.07.2003    um 10:39 Uhr   


Es neigt ein Weidenbaum sich übern Bach
Und zeigt im klaren Strom sein graues Laub,
Mit welchem sie phantastisch Kränze wand
Von Hahnfuß, Nesseln, Maßlieb, Kuckucksblumen,
Die lose Schäfer gröblicher benennen,
Doch zücht'ge Jungfraun tote Mannesfinger;
Dort, als sie aufklomm, um ihr Laubgewinde
An den gesenkten Ästen aufzuhängen,
Zerbrach ein falscher Zweig, und nieder fielen
Die rankenden Trophäen und sie selbst
Ins weinende Gewässer. Ihre Kleider
verbreiteten sich weit und trugen sie
Sirenen gleich ein Weilchen noch empor,
Indes sie Stellen alter Hymnen sang,
Als ob sie nicht die eigne Not begriffe,
Wie ein Geschöpf, geboren und begabt
Für dieses Element. Doch lange währt' es nicht,
Bis ihre Kleider, die sich schwer getrunken,
Das arme Kind von ihren Melodien
Hinunterzogen in den schlamm‘gen Tod.
[William Shakespeare (1564-1616): Hamlet IV, 7]
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Nutzer: Tearcatcher
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geschrieben am: 01.08.2003    um 19:12 Uhr   
Das Wasser auf seiner Reise durch den Fluß
gleitet über ihren Körper wie ein kühler Kuss
Die roten Lippen blau angehaucht
die Füße bis zur Hälfte eingetaucht
Der Fluss in dem sie badete zu früherem Tag
ist nun ihr schaurig- nasses Grab

Ihr zartes Gesicht Blütenweiß
Die sanften Züge totenbleich
Das Haar treibt mit den Wellen auf und nieder
Ungehört säuselt der Wind traurige Lieder
in ihre ohren
zu früh, viel zu früh
hat der Tod sie auserkoren.

Algen verfangen in ihren Fingerspitzen
Fische, die über ihren Körper flitzen
Steinchen, die ihre Haut ritzen
all das nimmt sie nicht mehr wahr
war ihr Blick doch einst so lieblich klar,
ist jetzt mit einem Schleier überzogen
Um so viel Lebensjahre wurde sie betrogen


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Nutzer: _Soul_
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Anzahl Nachrichten: 311

geschrieben am: 01.08.2003    um 20:18 Uhr   
irre... echt, kompliment... total schön *seufz*
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Nutzer: zoenchen
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geschrieben am: 18.08.2003    um 17:44 Uhr   
tearcatcher ist das von dir ? laechelt finds klasse
darf ich es mir kopieren?
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Nutzer: zoenchen
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geschrieben am: 18.08.2003    um 17:46 Uhr   



Als sie ertrunken war und hinunterschwamm,
von den Bächen in die größeren Flüsse,
schien der Opal des Himmels sehr wundersam,
als ob er die Leiche begütigen müsse.

Tang und Algen hielten sich an ihr ein,
so dass sie langsam viel schwerer ward.
Kühl die Fische schwammen an ihrem Bein.
Pflanzen und Tiere beschwerten noch ihre letzte Fahrt.

Und der Himmel ward abends dunkel wie Rauch
und hielt nachts mit den Sternen das Licht in der Schwebe.
Aber früh ward es hell, dass es auch
noch für sie Morgen und Abend gebe.

Als ihr bleicher Leib im Wasser verfaulet war,
geschah es (sehr langsam), dass Gott sie allmählich vergaß.
Erst ihr Gesicht, dann die Hände und zuletzt erst ihr Haar.
Dann ward sie Aas in den Flüssen mit vielem Aas.
[bertold brecht - vom ertrunkenen maedchen]
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"Autor"  
Nutzer: Tearcatcher
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geschrieben am: 18.08.2003    um 21:21 Uhr   
ja ist es...kopier es ruhig :)
*sich freut dass das Gedicht gefällt*
Geändert am 18.08.2003 um 21:23 Uhr von tearcatcher
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