|
|
|
geschrieben am: 26.10.2003 um 16:53 Uhr
|
|
Mal Dir was reinstellt hoffe es gefällt
Das Feuer war langsam immer weiter heruntergebrannt, ab und an hörte man noch ein leises Geräusch, wenn wieder einer der dickeren Äste in den Gluthaufen stürzte.
Die beiden Gestalten saßen sich nun schon seit Ewigkeiten schweigend am Feuer gegenüber und wären sie nicht ab und an etwas näher an das wärmende Feuer herangerückt, so hätte man meinen können sie seien an dem wärmenden Lagerfeuer im sitzen einfach eingeschlafen.
Es war still in dieser Nacht, sonst hörte man ab und an Stimmen der Tiere der Nacht, doch in dieser Nacht war alles irgendwie anders. Es schien so, als ob die Nacht dunkler war als andere Nächte und die Tiere des Waldes schienen sich nicht aus Ihren Behausungen zu trauen, obwohl es längst Zeit für die Jagd war.
Angel schaute noch immer schweigend ihren Gefährten über das Feuer hin an. Obwohl kein Wort über ihre Lippen kamen focht sie schon seit Stunden einen heftigen Kampf mit ihm aus und wenn man ihr Gesicht betrachtete, dann schien ihr das Ergebnis der Auseinandersetzung nicht sonderlich gut zu gefallen.
Mit einem Mal suchte sich eine Träne den Weg über ihre Wange und nach und nach folgten ihr weitere Tränen, während sie immer noch still dasaß und in diese wütenden müden Augen blickte, aus denen nicht mehr die Lebensfreude hervorströmte, die noch vor einigen Monden alle in ihren Bann zog.
Es war so viel geschehen in der letzten Zeit und doch berühte Angel die Veränderung der Augen am meisten. Es erfüllte sie mit einer großen Trauer zuzusehen wie aus den Augen das Leben langsam immer mehr entwich, obwohl ihr Besitzer noch immer kerngesund ihr gegenüber saß.
Es schien fast so, als ob er sich aufgegeben hätte und nun einfach auf das Ende wartete.
Mit einem Mal schien es aus Angel hervorzubrechen und sie begann mit leidenschaftlicher Stimme zu erzählen: "Kannst Du Dich daran erinnern wie wir gemeinsam die jungen Eichen und Linden gepflanzt haben, die in der Zwischenzeit zu diesem großen Wald herangewachsen sind? Kannst Du Dich daran erinnern was wir uns hinterher beim großen Baumfest versprochen haben?"
Gebannt schaute sie ihrem Gegenüber in die Augen und konnte dort die gewünschte Regung beobachten, doch noch immer blieben die Lippen stumm.
So begann sie weiterzureden: "In der Zwischenzeit ist der Wald gewachsen und auch wir haben so manchen Jahreszeitenwechsel erlebt, das Erwachen im Frühjahr, die Ernte, den Winterschlaf, und wie im kommenden Frühjahr neues Leben begann.
Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich einfach einen unserer Bäume umarme und mit ihm meine Sorgen und Freuden teile. Dann fangen sie ab und zu an, von ihren Erlebnissen der letzten Jahre zu berichten, von den kleinen und großen und manchmal erscheinen mir dann meine eigenen Erlebnisse in einem ganz anderen Licht.
Wenn Sie von dem besonderen Augenblick berichten, wenn Schmetterlinge aus der Puppe schlüpfen und zum ersten mal ihre Flügel ausbreiten, oder wenn im Frühling nach einem langen harten Winter an einem warmen Sonnentag sich plötzlich in allen ihren Ritzen das Leben zurückmeldet und Käfer und Eichhörnchen aus den verborgenen Höhlen schlüpfen um übermütig die Sonnenstrahlen zu tanken.
Bei einer solchen Gelegenheiten kam ich mit dem Baum ins Gespräch, warum ich solche Situationen nur so selten beobachte. Der Baum dachte einige Minuten nach bevor er mir antwortete: Vielleicht bist Du nur hin und wieder zu ungeduldig um die besonderen Augenblicke abzuwarten. Ihr hättet es lieber, wenn sie dann geschehen, wenn ihr Zeit habt, oder Euch die Beobachtung von solch einem Wunder guttun würde.
Doch wenn es so wäre, dann würdet ihr nie lernen, was es heißt, geduldig darauf zu warten, bis jedes Geschöpf seine eigenen Erfahrungen macht. Mir kommt es manchmal so vor, als ob ihr denkt, ihr wißt, was Ihnen gut tut und so versucht ihr immer wieder einzugreifen, um Ihnen zu ihrem Glück zu verhelfen und wundert Euch dann, wenn ihr zurückgestoßen werdet."
Angel begann nun von ihrer eigenen Ungeduld zu erzählen und wie sie immer wieder versucht hatte, Veränderungen zu erzwingen und dabei gescheitert war und wie sie es nach und nach gelernt hat.
Als Angel ihren Gegenüber anblickt, sieht sie wie Tränen über seine Wange laufen. Sie verliert kein weiteres Wort mehr, denn sie weiß, daß manche Dinge ihre eigene Zeit brauchen.
@AM |
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
|
|
|
|
|