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Kains Kinder

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geschrieben am: 18.12.2003    um 11:15 Uhr   
seht he rich hab etwas für euch
©Martin Sprissler /kains Kinder
DIE BRÜCKE
Sieh mich an, sieh nicht hinab. Zurückgeschaut haben wir doch oft genug und selten so den
Drang gespürt zu gehen. Wenn das Heute auch nicht mehr bringt, als unser Gestern barg, bleibt
mitunter bloß nostalg’sches Schwelgen in der wohlig duftenden Erinnerung an die Blüte unserer
Tage.
Also sieh nicht hinab und faߒ mich bitte bei der Hand - ich spür’ andre schon gaffen, geifern,
unverwandt. Geht, fahrt Ihr nur weiter, die Hölle ist Euer, heim zur Familie oder in andre Gemäuer.
Manchmal war’s so richtig nett, und ich wär’ auch hier geblieben, doch man erkennt kaum
noch, wer einen wirklich liebt - die Welt ist voll von Dieben. Tägliches Leben kreist über uns,
verstrickt mittels aufschiebender Worte, zeigt noble Gesten und erwartet doch scheinbar, daß
sich ein Glied aus der Reihe löst, um als nächstes Opfermal gepickt werden zu können.
Doch nein; Vergänglichkeit wird erst vergehn, wenn wir nicht mehr sind - dessen bin ich sicher.
Und vielleicht sind die AbschiedsSchmerzen, die zeitweise mein Gewissen martern ja gerade die
Geburtswehen von etwas Neuem, Wunderbaren. Ja, wenn ich hier so stehe und nach unten sehÂ’,
scheint mir der Himmel näher als Mutter Erde, und sie wird mir bestimmt nicht nehmen, daß
ich eins mit ihm werde. Nun, wir werden sehn.... Werden Freunde uns verstehn? Uns verzeihn?
Uns verfluchen? Uns nachgehn?
Bin ich doch überrascht, wie intensiv sich jeder Zug Atem als Leben ausgibt und mir sagenhaft
sanft berauschend schmeckt. Rückt erst das Ende nah’, scheint der Sinn des Lebens plötzlich
wieder da.
Aber nein, was drängt sich da zwischen meinen Entschluß und die so arg argwöhnische Moral,
die stets bereit ist zu verbieten und sich verweigert zu vergeben.
Wieder verschwendÂ’ ich Gedanken und erblickÂ’ doch das Tor zur ewÂ’gen Jugend einen Schritt
weit von mir entfernt.
Es ist Zeit, die Schwelle zu überqueren, was meinst Du? Laß uns endlich gehen, hin zu zukünftiger
Erinnerung, welche wir zurück lassen, zusammen mit der sicherlich bestürzten Entsorgung
unserer Körper und der gelassenen Entwöhnung so mancherlei Sticheleien.
Sind wir nun Körper oder haben wir einen Körper? Unser Traum kann endlich zu Wirklichkeit
werden. Wir nehmen uns, was wir wollen. Wir nehmen uns, was uns gehört. Wir nehmen uns
das Leben. Hand in Hand.
Lebt alle wohl, wir entschweben auf blutrotem Teppich höher; und höher hinein in die Tiefe
der Unendlichkeit.....
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Nutzer: Shaft2
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geschrieben am: 18.12.2003    um 11:19 Uhr   
SERENADE DES ABSCHIEDS (Fassung aus der Sicht des Mannes)
Was würde sie mir erzählen? Wovon würde sie berichten - von dem, was sie erlebt hatte? Von den Qualen
des Abschieds? Fühlt sie denn welche? Oder würde sie erlöst davon schwärmen, wie rein und ungewunden
Begegnung doch sein kann? Sieht sie, was mir verborgen bleibt, und trauert sie um die Existenz meiner
Grenzen, oder findet sie Gefallen an meinem Zerfall? WerdÂ’ ichÂ’s denn jemals erfahren, werdÂ’ ich sie je
wiedersehen und Antwort auf all diese Fragen bekommen? Wie wird sie mir dann erscheinen, vorkommen?
Ach hätt’ ich sie gestern doch nur nicht so angeschrien, denn jetzt, wo sie mich verlassen hat, kann ich’s wohl
nie wieder gutmachen...
So fragÂ’ ich mich dauernd, ob sie manchmal an mich denken wird. Oder hat sie die Erinnerung einfach
zurückgelassen, vermisst vielleicht sogar gar nichts, weil sie ein neues Zuhause gefunden hat, wo’s ihr gefällt
- so sehr gefällt, dass Vergangenheit verblasst, und ein Windhauch von Neuem, Verändertem damalige
Atmosphären vertreibt.
Oder befindet sie sich noch auf der Reise? Mit der Sprache eines einzigen Blickes könnt’ sie Ungewissheit von
meinem Herzen entheben. Ja, ich glaub’, wenn sie jetzt vor mir stünde, und ihre Lippen nur wenige sanfte
Worte in meine Ohren legen würden, mein gemarterter Geist könnt’ mit den Flügeln zweifelloser Amnestie
in die bizarre Unendlichkeit des Universums entschweben...
Stattdessen muss ich auf die wächserne Stille ihres versehrten Körpers hinblicken, in dem sie schon seit Stunden
nicht mehr wohnt. Was mir bleibt, ist die schreckliche Gewißheit ihres Todes und die schmerzhafte Ungewißheit
seiner Bedeutung und Bestimmung.
Bedeutung: Erlösung oder Qual
Bestimmung: Gerechtigkeit und Zustehens seines definiten Urteils
© Martin Sprissler / Kains Kinder
Geändert am 18.12.2003 um 11:24 Uhr von shaft2
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Nutzer: Shaft2
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geschrieben am: 18.12.2003    um 11:23 Uhr   
Blanke Liebe (in 3 Akten)
I. AKT
Stolzer Wunsch
Der Laune harren zu dürfen
Dem Rausch der Ereignisse zu folgen
Und nichts missen müssen
Außer dem zeitweiligen Gespött
Befremdeter Neider
Und dennoch,
Im Schoß so erweckender Zukunft zu entschlafen
Im Leben seinen Traum auch kriegen
Im Arm meiner Geliebten zu liegen.
II. AKT
Wachsames Auge
Lerne zu ertragen
Ich schaue Feuer - sehe rot, verbrenne
Ich schaue Feuer in ihrer Begegnung
Fühle Schauer
Wenn sie ihr Lächeln verteilt,
Weil ins Extrem gesteigert
“Freie Liebe” mein “Wir” ereilt
Und ich scheue doch,
Mehr denn Worte als Waffe mich zu bedienen.....
Vielleicht läßt Stolz zu wenig Spielraum
Für ein Zwinkern
Weil man mehr Augen denn Abwechslung hat
Eine blanke Liebe
Ermutigend
Und auch so verletzlich
Da besitzloser Prozeß
Stets befiehlt dich auf die Hut
Bei des Partners Übermut
Braucht Leidenschaft tatsächlich eine Sucht
Nach des Glückes Schmerz zu eifern
Wie Entschlossenheit ein Lachen braucht ?
Ist’s ein Wind der Liebe wach hält
Wenn Veränderung ins Gesicht dir faucht ?!?
III. AKT
Enttäuschung ins Gesicht gedrückt
Hält für gewisse Zeit den Stolz gebückt
Doch ins Genick gedroschen
Kotzt sie der Liebe Seele raus !
Nicht mal genug
War der Betrug !
Also nicht mehr gewesen
Als ein weiteres Wesen ?!
Du schwörst
So leicht verläßt deines Vertrauens Glas
Nicht mehr dein Haus.....
Doch verlierÂ’ ich nicht die Lust am Lieben....
Denn wer nur gibt,
In Erwartung zu kriegen,
Gehört doch auch nur zu den Dieben.
© UpArt-Publishing, Martin Sprissler, VI 1992
erschienen in “Silence Screams”, HardcoverBuch, 176 Seiten
© Martin Sprissler / Kains Kinder
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