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geschrieben am: 06.01.2004 um 06:45 Uhr
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Sachte zieht der Wind seine Bahnen durch die braunen Haare. Durch meine braunen Haare. Immer wieder gleiten meine Augen umher, und immer wieder fängt sich das Sternenlicht in den Gläsern meiner Brille. Nur leis knirscht der Boden unter dem Profil der schwarzen Stiefel. Ich habe sie für heute extra noch poliert. Denn heute ist ein ganz besonderer Tag. Ich gehe tanzen. Mit Stiefeln? Mögen sich einige Fragen. Wie unpraktisch und unfein. Nun vielleicht mögen diese Leute recht haben, aber ganz ehrlich gesagt in diesem Moment war es mir gleich. Unter mir, die Autos welche ihre bahnen ziehen, so eilig haben sie es, sausen wie kleine Blutkörperchen auf einer unserer Lebensbahnen; der A1. Meine Finger legen sich auf das eisige Metall der Brüstung. Kalt war mir eigentlich noch nie so wirklich gewesen, und doch, jetzt fühlte ich es, dieses fröstelnde prickeln welches langsam von meinen Handballen empor zog in meine Arme, und von dort weiter hoch in mein Herz. Doch dieser stetig pumpende Muskel, er wurde von dieser Kälte fast schon erwärmt. Ja jetzt stehe ich hier auf dieser Brücke. Mein Blick geht nach unten. Wie schön doch das Leben ist, nicht wahr? Mein Rücken ist schon lange an diese Brüstung gebettet, doch noch schaffte es diese Kälte nicht meinen schwarzen Mantel zu durchdringen, oder war ich es vielleicht der, das Metall so auskühlte? Nein ich weiß es nicht, doch sind dies genau die Gedanken die durch meinen Kopf zischen, ebenso wie die Autos unter meinen Füssen hinwegzischen. Moment, die Autos waren gar nicht mehr da. Dafür aber dieses stete blaue Pulsieren. Ich habe es gar nicht bemerkt. Seltsam, wie abgelenkt ich doch manchmal sein kann. Und wie oft ich doch schon abgelenkt war. Wahrscheinlich viel zuoft und wahrscheinlich war das auch einer der Gründe warum ich jetzt in diesem Moment hier stehe. Einer von Tausenden. Einen kurzen Augenblick schließe ich meine Augen, der Wind zerrt schon an meinem Mantel, ruft mich, bittet mich zum tanze. Dann war da noch IHR Gesicht. Aber wer ist sie, nur ein Schemen in meiner eigenen Vorstellung? Oder vielleicht doch ein flüchtiger Moment meiner Erinnerung? Der Funken Glück den ich hatte oder nachdem ich mich sehne? Ist das jetzt noch wichtig? Wohl kaum, ich will doch nur tanzen gehen. Weiter zischen die Erinnerungen, dann war da wieder der Schmerz welcher mit Tausenden von nadelfeinen Dolchen auf mich einsticht. Ich bin doch wie ich bin oder? Ich sollte doch geliebt werden, weil ich ich bin! Wenn du dich weiter so verschandelst brauchst du nicht mehr zu mir zu kommen! Deutlich höre ich diese Worte, sehe diese, mit Abscheu, gefüllten Augen. Weil ich schwarz mag! Weil ich denke! Weil ich ich bin! „Hey, was soll der Mist?“ ,höre ich eine männliche Stimme hinter mir auf der Brücke. Ich drehe meinen Kopf, ja warum denn auch nicht. Das Gesicht des jungen Mannes ist angespannt, die schwarze Lederjacke hat er eng um seinen fröstelnden Körper gezogen, und die weiße Schirmmütze hängt ihm tief in der Stirne. Verdammt jetzt habe ich dem Mann auch noch den Abend verdorben. Wird er doch nur wegen mir alleine in die bitterkalte Nacht gescheucht. Er und seine Kollegen, das wollte ich doch gar nicht. „Ich gehe Tanzen“, entgegne ich dann mit einem kurzen Lächeln, dann: „Es ist nicht ihre Schuld, verzeihen sie die Störung.“ Ein weiteres Lächeln, einfach nur um des Lächelns willen. Noch bevor der junge Beamte etwas sagen kann, tanze ich. Tanze fest umschlungen von meinem Partner dem Wind, tanze wie ein welkes Blatt welches den Frühling vermisst, tanze den Hochzeitstanz den ich nicht erleben werde, tanze durch mein Leben. Was ich alles erlebt habe, es war nicht soviel, und doch hatte es ausgereicht. Habe wundervolles gesehen und gefühlt, doch genauso schreckliches. Das Sternenlicht spiegelt sich in meinen Augen die weitgeöffnet empor starren, das Glas meiner Brille ist zerbrochen, Mutter wird böse sein. Mein Mantel ist bestimmt auch ganz dreckig, dabei habe ich ihn doch von einem Freund. Tanze ich noch immer? Die Brille wird mir weggenommen, Gummi auf Mund und Nase gepresst. Nein, ich tanze noch immer ich weiß das, denn mir ist schwindelig. Wie lange ich wohl schon tanze? Wohl verdammt lange, spüre ich doch meine Beine nicht mehr, ja müde vom vielen tanzen. Und auch ich bin müde, so unendlich müde vom tanzen, oder nein, es war nicht das Tanzen was mich müde machte, es war wohl eher das andere, das was davor war. Ja mich dem zu stellen dazu war ich wohl zu müde. Oh, es wird dunkel Zeit den Tanz zu beenden, ich schließe die Augen, auch wenn es niemand sieht. Denn ein andere muss das für mich tun, zum Beispiel die nette Dame mit diesem Elektrodingens in der Hand die auf mich zustürmt. Ich hingegen, ich tanze weiter. Tanze in die Unendlichkeit.
Dead Bodys Poet
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