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Hotel am Bahndamm

Nutzer: Nekir
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geschrieben am: 14.01.2004    um 21:55 Uhr   
Hier eine kleine Kurzgeschichte zu einem Bild von Edward Hopper(1952, Öl auf Leinwand, 80x120 cm):

Der Raum an der Ostseite des Hotels hatte ein großes Fenster. Das Licht flutete in das hell gestrichene Zimmer. Sie brauchte die Lampe nicht einzuschalten um zu lesen. Die Strahlen wärmten ihre nackten knie und brachten ihr hellrotes Satinkleid zum Glänzen. `Wenn er das nur sehen würdeŽ, dachte sie. Kurz schaute sie zu dem älteren Herrn am Fenster herüber. Er stand wie versteinert da, hielt eine Zigarette in der Hand und hatte nicht einmal bemerkt, dass sie ausgegangen war.
Er schaute in die Sonne und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Für einen kurzen Moment gab er sich hin, und umso mehr bereute er sofort danach den Kontrollverlust über sich selbst. `Na ja, sie hat es ja nicht gesehenŽ, dachte er, sich beruhigend. Am liebsten wäre er einfach so stehen geblieben ohne sich jemals umdrehen zu müssen, denn dann hätte er sich ihr zugewandt, hätte etwas sagen müssen und er wusste doch nicht was. `Ein Kompliment wäre nicht schlecht für den Anfang, damit bringt man Gespräche in GangŽ, überlegte er und sah zu Boden. Er wusste nicht einmal welche Farbe das Kleid hatte, dass sie gerade trug. Er würde sich doch umdrehen müssen.
Sie blinzelte, denn dass von den Seiten des Buches reflektierte lichte blendete sie. Sie sah auf und sofort hatte sie diese bunten Punkte vor den Augen, `wie ein FeuerwerkŽ, dachte sie. Jetzt betrachtete sie ich genauer: ihr fiel auf, dass er gut aussah, obwohl er noch fünf Jahre älter war als sie. In ihrem Alter spielte das keine große Rolle mehr. Sie sollte etwas sagen, das wusste sie. Bestimmt wartete er darauf, ein Lächeln huschte über ihr Gesicht; sie entschied sich. Im gleichen Moment als sie aufstand und das Buch weglegte, drehte er sich um. Beide erschraken etwas. `HellrotŽ, dachte er. Keiner sagte etwas, sie starrten sich nur an, sie hatten wohl beide das gleiche gedacht. Plötzlich fingen beide an zu lachen, sie prusteten und schüttelten sich, sie konnten nicht mehr aufhören zu lachen; nach zehn Minuten lagen sie sich, immer noch kichernd, in den Armen. Auf dem Bett. Sie schauten sich an. Beide wussten jetzt, was sie sagen wollten und sie wussten, dass es wahr war. Aber er konnte es noch nicht, die alte Angst es nicht richtig auszudrücken; das sah sie in seinem Gesicht. Sie lächelte und er schien erleichtert zu sein. „Ich dich auch“, sagte sie und gab ihm einen Kuss. „Alles Gute zum zwanzigsten Hochzeitstag“, sagte er.


© Nekir 2003


Geändert am 14.01.2004 um 22:00 Uhr von Nekir
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geschrieben am: 16.01.2004    um 01:21 Uhr   
Hi Nekir,

ich würde gerne etwas zu deinem Text sagen, würde aber gerne das Bild sehen. Kannst du es posten? Oder einen Link setzen?

Gruss
Lama
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geschrieben am: 17.01.2004    um 13:43 Uhr   
*macht sich an die arbeit*
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geschrieben am: 18.01.2004    um 14:28 Uhr   
Das bild findest du unter diesem link :Link
oder wenn das nicht klappt, gib einfach bei google "Edward Hopper 1952" ein, dann kommst du mit dem ersten link auch dahin...
Geändert am 18.01.2004 um 14:43 Uhr von Nekir
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geschrieben am: 19.01.2004    um 10:02 Uhr   
Hey Nekir,

danke für den Link. Ich bin wirklich verblüfft - du konntest mit dem Bild offensichtlich etwas "anfangen". Als ich deinen Text gelesen hatte und das Bild noch nicht sah, konnte ich wirklich nicht viel damit verbinden. Deine Betrachtungsweise des Bildes kommt den Absichten des Zeichners vermutlich sehr nahe. Damit wäre der Kunst ja genüge getan :-)

Gruss
Lama
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Nutzer: Nekir
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geschrieben am: 19.01.2004    um 16:51 Uhr   
du verstehst es, jemanden aufzumuntern, lama, wirklich! Ich danke dir vielmals....es war ne aufgabe aus ner deutschstunde...hab auch noch je einen monolog zu den personen geschrieben, aber die passen nicht zum text, naja....
Nekir
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