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Die Schildkröte

Nutzer: Scorrek
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geschrieben am: 08.02.2004    um 03:22 Uhr   
Die Schildkröte,
ihr Name war Schildie,
sie war in großer Nöte.
Sie war so langsam, die anderen zu schnell.
Doch ihr Gedächtnis glänzte hell:
War nicht vor Jahren ein Hund umgekommen,
weil er ungestüm den Weg über die Straße genommen?
Während der Nacht - alle Tiere träumen -
bis auf eines.
Die Hauptstraße ein paar Bäume säumen,
dort versteckt sie sich.
Die Schildkröte durchzuckt ein Stich:
kein Fahrzeug zu sehen,
drum kann sie wohl ihres Weges gehen.
Am nächsten Morgen,
der Nachbarshund springt auf und während seines Laufs fragt er sich,
wo wohl die Kröte Schildie ist.
Am Rand der Straße, es herrscht viel Verkehr,
hält er an.
Die Schildkröte liegt dort auf der Straße,
dies sagt ihm seine Nase.
Er hechtet zu ihr und fragt sie nett,
warum sie heute ist so fett.
Schildie zeigte nur ein Grinsen,
denn da kam schon ein Gefährt von hinten.
Der Hund zu groß, doch Schildie klein,
so sollte dies sein Ende sein.
Die Schildkröte wurde nie wieder gestört,
man weiß ja schließlich was sich gehört.
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Nutzer: Lebensweisheit
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geschrieben am: 08.02.2004    um 18:03 Uhr   
(zitat)
Der Hund zu groß, doch Schildie klein,
so sollte dies sein Ende sein.
(/zitat)

Hm, gefällt mir, kurz und pregnant! ;-)


Obwohl... Der arme Hund... schnüff


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Nutzer: Iram
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geschrieben am: 10.02.2004    um 19:53 Uhr   
klopft seinem alten Kumpel auf die Schulter und nickt zustimmend
Mein Lieber, ich wusste ja nie, dass sich ein wahrer Poet hinter dir verbirgt...

(zitat)
Obwohl... Der arme Hund... schnüff
(/zitat)

Aber nein, aber nein, dahinter verbirgt sich doch viel mehr...
Die Emanzipation der Schildkröte sozusagen.
Jahrelang wurde sie gehänselt und ausgelacht und das aller schlimmste: Sie durfte niemals beim Völkerball mitspielen!
Sie fühlte sich mit ihrer intellektuellen Schönheit schon seit jeher wie eine Gefangene in ihrem eigenen langsamen Körper. Allein die Bedeutung des Namens: Schildie.
Sie versuchte eindeutig sich von dem häßlichen "Kröte" zu distanzieren!
Die Verleugnung ihrer eigenen Identität führte zu einem gewissen Trauma, das sie letztendlich mit der - meiner Meingung nach gut nachvollziehbaren - Tat zu kompensieren versuchte.
Abgesehen davon bin ich der festen Überzeugung, dass Schildie zwar einen Plan fasste, ihn jedoch anfangs nicht wirklich zur Vollendung bringen wollte. Bestimmt hätte sie den Hund im letzten Moment noch gewarnt, hätte er nicht in seiner Grausamkeit auch noch auf die paar Pfunde zu viel angespielt, die sie sich über den Sommer angefressen hatte. Salat trägt aber auch ganz schön auf!

Und als wären all diese psychologischen Betrachtungsweisen nicht schon Grund genug das Gedicht als gelungen abstempeln zu können, besitzt das ganze ja auch noch eine Moral:
Am Ende wird der Klügere immer dem Stärkeren überlegen sein.
Und: Der technische Fortschritt (hier in Form eines Autos) ist das wahre böse Element, da es die Natur in Ungleichgewicht stürzte und somit Schildie überhaupt erst die Möglichkeit gab derartige Gedanken von blutiger Rache zu entwickeln.

Ich muss schon sagen, wirklich sehr lehrreich dieses Gedicht! ;-)

Iram, derjenige, der in der Schule anscheinend ein kleines bisschen zu viel aufgepasst hat...

[Bei dieser Gelegenheit fällt mir noch ein schönes Gedicht ein, stammt aus einem alten Garfield- Comic:

Mein Freund, der Frosch, ist tot.
Platt liegt er auf der Chaussee.
Es sinkt die Sonne rot,
er saß so gern im Klee.
Er bleibt mein Freund auf viele Tag,
an welchem Reifen er auch kleben mag.]
Geändert am 10.02.2004 um 19:54 Uhr von Iram

Geändert am 11.02.2004 um 16:23 Uhr von Iram
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 11.02.2004    um 05:55 Uhr   


Was hat der Kläffer denn eigentlich verbrochen ? :-)
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Nutzer: Scorrek
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Anzahl Nachrichten: 8

geschrieben am: 11.02.2004    um 15:05 Uhr   
verneigt, verneigt
Zu erst einmal: Iram... kratzt sich am Kopf Himmel, Ideen hat der Mann... Gefällt mir aber! (War natürlich auch alles so von mir gedacht, schließlich befasse ich mich nur mit den großen Problemen der Gesellschaft. hüstel, hüstel...)

Und Chaser:
um an Irams Faden anzuknüpfen: Natürlich hat der "Kläffer" etwas verbrochen. Denn schließlich heißt es:
"sie war in großer Nöte." (wobei ich Nöte ganz einfach mal von Not abgeleitet habe, es reimte sich so schön!)
Damit wollte ich zeigen, dass ihre Lage schon wirklich verzwickt war. Darauf folgt ja auch gleich: "sie war so langsam, die anderen zu schnell."
Dem Leser sollte hier ein wenig Spielraum zur Selbstinterpretation gelassen werden. Ich für meinen Teil habe es immer so ausgelegt, dass sie wegen ihrer langsamen Fortbewegungsweise von den anderen Tieren geärgert wurde.
Denn als der Hund mit ihr zusammen auf der Straße steht, scheint er ja auch gleich mit seiner Beleidigung an dieses gemeine Verhalten anzuknüpfen.
Gut, es hätte sich dabei auch um einen kleinen Scherz unter Freunden handeln können, aber dies scheint mir nicht recht plausibel.
Immerhin muss man ja auch noch beachten, dass Schildie zu einer Randgruppe, nämlich den Ausländern - gehört. Sie wird wohl schon seit einiger Zeit in der Nachbarschaft des Hundes leben, da sie von einem vergleichbaren Fall wusste. ("War nicht vor Jahren ein Hund umgekommen,
weil er ungestüm den Weg über die Straße genommen?")
Er dagegen zählt wohl eindeutig zu den eher Ausländer feindlich eingestellten Tieren, man beachte das Wortspiel: "während seines Laufs fragt er sich, wo wohl die Kröte Schildie ist."

Während nun also Schildie es über Jahre versucht hat sich zu integrieren (das unterstelle ich ihr jetzt einfach mal)
hat er augenscheinlich nichts anderes zu tun, als sie zu beleidigen. (Iram hat schon sehr schön die Distanzierung von dem "Kröte" erfasst! :-))
Und wenn er nichts anderes zu tun hatte, als wieder einmal dem armen bodennah gebauten Tierchen hinterher zu laufen, ist er dann etwa auch noch in die Gruppe der Sozialhilfeempfänger einzuordnen?

Diese Frage will ich vorerst offen lassen...

Also, denkt schön weiter nach!

[Das Gedicht ist klasse, Iram! Ich musste ganz schön mit einem Lachanfall kämpfen. Muss wohl an meinem Hang zum makaberen Humor liegen...)
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 12.02.2004    um 02:39 Uhr   


verneigt sich gen scorrek

danke der einführung !

war ja klar .. nach eskalation destruktiver motivationen und unter ausnutzung der durch permanente agressivität desensibilisierten individuen der spezies canis reüssierte
schildi finaliter

demnach war schildi einfach zu langsam. demnach handelt es sich um ein umgedrehtes den letzten beissen die hunde .. solange diese nicht unter die räder kommen ;-)

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Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 15.02.2004    um 11:12 Uhr   
Ein hübscher Beitrag. Auch die Kommentare. :)

Lama
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