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geschrieben am: 22.10.2004 um 23:49 Uhr
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..Schreiben...endlich vermag ich zu sagen, daß ich diese hohe Kunst erlernt habe. Lange hat es gedauert, es kostete viel Blut und Schweiß. Wer mich kennt, der weiß, wie ich diese Worte meine.
Es tut gut aufschreiben zu können was mich bewegt, was ich empfinde, wie ich fühle, denn so kann ich auch später noch nicht nur zurückdenken, sondern auch -lesen. Also wohl eine Unterhaltung mit mir selbst, mehr oder minder mit Hilfe dieses Mediums.
Alles begann in einem kleinen Küstendorf, ein Dorf, dessen Name bedeutungslos für mich wurde, an dem Tage, an dem ich es verließ. Nicht unbedingt die besten Erinnerungen sind es, die ich mit meinem Heimatort verbinde, und ich will gleich berichten, was es darüber zu berichten gibt, nur um es hinter mir lassen zu können, in meinen Erinnerungen zu begraben, mit der Gewißheit, daß die Erinnerung zu finden ist, selbst wenn ich Details vergessen sollte.
Ich wurde vor nun fast achtzehn Jahren in oben erwähntem Küstendorf geboren, als uneheliches Kind einer gelernten Näherin und Schneiderin, die sich von da ab mit zwei Kindern beschäftigen mußte und sich mit dieser Aufgabe überfordert fühlte. Ich war kein Wunschkind, mein Halbbruder gleichwohl schon, zumindest zog sie ihn mir beständig vor, er erhielt die Erlaubnis die Schule zu besuchen, denn ein Junge wurde zum Manne und ein Manne mußte gut ausgebildet werden. All das Geld, was sie verdiente gab sie für unsere kleine Familie und die Ausbildung meines Bruders aus, der ihr Herz mit Stolz erfüllte und einige Jahre älter war als ich. Medicus war das, was später einmal aus ihm wurde..ein Grund, ihn mit Stolz zu betrachten, ganz anders als es bei mir der Fall sein sollte.
Zeichnen bedeutete jeher alles für mich, denn seit ich denken kann, erfüllt mich der Gedanke an das Zeichnen und Skizzieren sowie Malen mit tiefer Glückseeligkeit, ich liebte es den Tag zu verträumen, indem ich kleine Kunstwerke schuf, von Kindesbeinen an fasziniert.
Mutter sah es nicht gerne, immer wieder tadelte sie, schickte mich ohne zu Abend gegessen zu haben auf meine Pritsche, zerschlug Kochlöffel in Rage auf meinem Rücken und Po sobald sie mich nur mit einem Kohlestift erwischte.
"Romy, du bist eine Träumerin und ein Nichtsnutz..Künstler und Träumer, sie alle haben eines gemeinsam, sie nagen am Hungertuch, das ist eine brotlose Kunst. Allesamt sind sie Nichtsnutze und Versager, wie du. Lern was anständiges und lasse den Tag nicht mit so sinnlosen Tätigkeiten verstreichen."
Ihre Worte klangen stets in der Art, wenn mein Rücken gerötet war, mein Po wie Feuer brannte..hart war ihre Stimme, fast klang es als hasse sie mich, hasse mich allein für meine Existenz, allein dafür, daß sie mich unter Schmerzen hatte gebären müssen.
Mit acht bereits mußte ich den Haushalt zu großen Teilen übernehmen, sie dachte nicht daran mich auf die Schule zu schicken, unnütze Anhängsel werden nicht auch noch gefördert, sie müssen dankbar sein, für das, was man ihnen zugesteht und sich ihren Unterhalt durch Mithilfe erarbeiten.
Ich kochte für sie und meinen Bruder, putzte, wusch das Geschirr, alles mußte ich schnell lernen..sonst wußte ich, daß wir bald wieder neue Kochlöffel brauchen würden.
Doch wenn Mutter auf der Arbeit war, mein Bruder seinem Beruf nachging, dann wagte ich es mich manchmal zu zeichnen, wagte es, mich in meinen Träumen, meinen Gedanken zu verlieren... Romy in ihrer Traumwelt..hatte einst ein Mädchen von nebenan gesagt. Doch wehe man erwischte mich dabei, dann wußte ich schon, dass ich die nächsten Nächte kaum schlafen und die nächsten Tage kaum sitzen würde können. Mutter schlug stets mit aller Kraft zu, sie schlug zu bis die Kochlöffel unter lautem Krachen schließlich zerschmettert wurden und ich vermag bis heute nicht zu sagen was lauter war...Das splitternde Geräusch oder meine Schreie und mein Gewinsel um Gnade.
Doch raffen wir die Zeit, war meine Kindheit nicht sehr erwähnenswert... vor einem Jahr etwa, legte ein Schiff an in unserem kleinen Hafen und brachte ein tückisches Geschenk mit. Ein geschenk von dem man erst wußte, daß es mit dem Schiff mitgekommen war, als es zu spät war. Die Pest.
Schrecklich wütete die Seuche in unserer kleinen Ortschaft, viele flohen , es stank nach Leichengiften und Verwesung an jeder Straßenecke des Armenviertels, in dem ich groß wurde..um die Geschichte ein wenig abzukürzen, die wenig erbaulichen Details näher zu beschreiben, erwähne ich eines der einschneidensten Ereignisse in meinem bisher kurzen Leben.
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