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geschrieben am: 25.03.2004 um 17:51 Uhr
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So, das ist meine erste richtige "kurzgeschichte" auch wenn es nach wohl eher eine Ehrzählung ist, als eine Kurzgeschichte ;) Viel spaß beim lesen...
Das Erwachen
Kein Wunder dass ihm kalt war, schließlich war er auch Hals über Kopf aufgebrochen, hatte sich seinen Mantel geschnappt und war aus seinem Wohnwagen gestürmt. Er hatte kaum geschlafen in dieser Nacht, aber dennoch war er hellwach. Die klare Morgenluft durchflutete seine Lungen, konnte aber nicht seinen Missmut vertreiben. Denn er konnte des Morgens seinen Wanderstab nicht finden, ohne den er sonst nie ausging. Während er den kleinen Platz, in dessen Mitte ein mittelgroßes, fast schon armselig wirkendes Zirkuszelt stand überquerte, strich er sich langsam über sein kantiges, wohlrasiertes Kinn. Der einst noch saftig grüne Rasen zwischen den Wohnwagen und Zelten, war inzwischen zum größten Teil von den Besuchern und den Zirkustieren selbst zertrampelt oder ausgerupft worden. An den kleinen Platz grenzte ein kleines Wäldchen und auf dieses steuerte der Star des Zirkus eilig zu. Schon seit unzähligen Jahren zog er nun mit diesem Zirkus umher und entweder war er einfach noch nie so früh wach gewesen, oder die anderen Artisten hatten einfach noch nie so lange geschlafen.
Ab und an zog eine kühle Briese durch die Kronen der Gerippe, die einst wieder lebendiges Grün tragen sollten. Eine graue Wolkendecke, welche die Sonne nicht zu durchbrechen vermag, lies den Morgen jedoch recht bedrückend wirken.
Er hatte kein festes Ziel vor Augen und dennoch zog es ihn dort hin an diesem Morgen. Und erst als der Pfad, dem er folgte sich durch das Dickicht schlängelte und hinter ihm der Zirkusplatz nicht mehr zu sehen war, wurden seine Schritte langsamer und sein Blick wanderte aufmerksamer über seine Umgebung. Kahle Büsche zupften dreist an seinem Mantel, der hinter ihm knapp über den Boden schliff, wenn der Wind ihn nicht hochhielt. Kein Tier regte sich im Unterholz und auch die Vogelstimmen schienen noch weiter entfernt als zuvor.
Da stach ihm etwas helles ins Auge. Es hing an einem Dornenbusch, und als er sich näherte stellte er fest, dass es tatsächlich ein weißer Stofffetzen war. Bedächtig beugte er sich darüber, doch bevor er nach dem Stoffstück greifen konnte blies der Wind es von dem Ast und warf es zu Boden. Mit einem flinken Griff bekam er es noch in der Luft zu fassen. Er betrachtet es von beiden Seiten ganz genau, doch ist nichts besonderes an dem feinen Stoff, allein ein bräunlicher Fleck verschmutzt das klare Weis ein wenig, sehr wahrscheinlich ein wenig Erde. Dort wo der Stofffetzen hing waren zahllose kleine Äste und Zweige abgebrochen und zu Boden getrampelt. Plötzlich hatte er das Gefühl hier schon einmal gewesen zu sein. Es kam ihm nicht mehr zufällig, nicht mehr willkürlich vor, dass er genau hierher gekommen war, kaum dass er sich aus dem Bett erhoben hatte.
Eine leise Vorahnung schlich sich in seine Gedanken, wurde aber gleich wieder aus ihnen verbannt. Und so entschloss er sich kurzerhand, den Stofffetzen in der rechten Hand, den abgebrochenen Zweigen zu folgen. Dornen und spitze Äste zerrten wild an seinem Mantel und je schneller er versuchte hindurch zugelangen desto fester schienen sie ihm zu halten. Über sich konnte er nur Ausschnitte des Himmels sehen. Er wurde von kalten, gegen das graue Licht farbloswirkenden, Ästen in unregelmäßige Formen unterteilt. Sie gaben ihm das Gefühl ungesehen und trotz der knackenden Äste unter seinen Füssen lautlos zu sein.
Sorgen schlichen sich nun wieder in seinen wie leergefegten Kopf, ließen ihn noch schneller durch das Unterholz brechen. Spitze Dornen zerschnitten ihm die Hände, wenn er versuchte sie zur Seite zu drücken. Er fragte sich, wie hier jemand hätte durchkommen sollen. Langsam kamen ihm Zweifel und er überlegte, ob er nicht umkehren sollte, doch wurde er eher noch schneller bei diesem Gedanken, als dass er wirklich umkehrte.
Ab und an erblickte er aus dem Augenwinkel weitere Stofffetzen, die aufgespießt von Dornen und der sanften Brise wehten, soweit sie nicht durch seinen Kampf mit den Büschen erzitterten.
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