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Zwischenwelten

Nutzer: Naparvnic
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geschrieben am: 02.07.2004    um 17:58 Uhr   
mal kommetarlos einwirft

Ich konnte mich nicht daran erinnern schon einmal hier gewesen zu sein. Alles war mir so fremd und doch auf unerklärliche Art vertraut. Der schwarze Flügel der mich mit einen weißen Tasten verhalten anzulächeln schien, die riesigen Fenster, die vom boden bis hinauf zur Decke reichten und so die, dem Sonnenstand nach zu urteilen nach Westen gerichtete, Fassade bildeten. Sie fluteten den Raum mit dem warmen, orangen Licht der Sonne, welche sich dem Untergang neigte.
Der Raum war ziemlich groß. Seine übrigen Wände in Holz verkleidet und von dunkel brauner Farbe. Ansonsten stand nichts auf dem glänzenden, spiegelglattpolierten Parkett. Nicht mal eine Tür gab es doch dies war auch nicht von Bedeutung.
Langsam schlenderte ich auf den nächtlich schwarzen Flügel zu, welcher in gleichem Maße poliert zu sein schien. Warmes Licht der untergehenden Sonne, sickerte zähflüssig über die glänzende Oberfläche des Flügels und verlieh dem Schwarz eine gewisse Farbigkeit. Mit geschlossenen Augen lies ich meine Hand über die Fläche gleiten, die das Licht der Sonne in sich aufzunehmen schien, um es in unendliche Tiefen zu ziehen und nie mehr frei zu lassen.
Eine angenehm warme Briese ließ mir alsbald das Haar über die Schultern wallen. Auch mein bodenlanger Rock schlug sachte Falten im Wechselspiel mit dem neckenden Lüftchen, welches unwirsch daran zupfte. Und auf einmal reicht ein Rauschen, ein ferngeglaubtes Rascheln an meine Ohren und lässt mich meine Augen wieder öffnen, lässt mich die unendliche Berührung mit dem dunklen Instrument unterbrechen. Und ich sah, wie das gesamte Parkett mit orangen Laub bedeckt war. Als hätten Herbststürme einen Wald voll Eichen, Ahorn und Kastanien heimgesucht und ihre Beute in Windeseile hier abgelegt, tanzten einzelne Blätter noch immer ihren wilden Tanz über die bereits ruhenden Gleichartigen hinweg. Es zwang mir das wohlige Lächeln von dem Lippen, zu sehen, dass keines der Fenster auch nur einen Spalt geöffnet war. Wo waren diese Blätter hergekommen, wenn sie nicht durch Glas zu gleiten vermögen, wie durch Luft?
Nun letztlich war auch dies gleichgültig, denn Zeit blieb mir keine mich zu wundern. Die Stille die im Raum herrschte und bisher nur von dem leisen Rascheln der Blätter unterlegt war wurde grässlich zerrissen durch einen einzelnen Ton, den der Flügel krächzte. Meine Hand, die eben noch auf der fast lebendig warmen Oberfläche geruht hatte, zuckte mit einem mal zurück und ich fühlte trockenes Laub unter meinen nackten Füßen zu Staub zerfallen als ich zwei schritte von dem sich selbst spielenden Klavier zurückstolperte. Mit dem Ton gab der Wind sein Spiel mit mir auf und wie meine Haare auf meine Schultern und den Rücken, fielen auch die letzten Blätter zu Boden, um den Raum mit drückender Stille zu fluten. Meinen Blick konnte ich nicht von dem Flügel lösen, auch wenn ich mich lieber abgewendet hätte, als ihn weiterhin mit großen Augen anzustarren. Und wie ein Blitz traf es mich, als noch eine Saite angeschlagen wurde, nur mit Mühe konnte ich einen spitzen Schrei ersticken, der schon lauernd in meiner Kehle hockte. Niemand befand sich mit mir in diesem Raum und doch konnte ich ganz klar sehen wie die weiße Taste sich gesenkt hatte um diesem grässlichen einzelnen Ton zu schlagen, der in meinen Ohren nachhallte wie in einem leeren Kellergewölbe. Noch ein Ton, der die gerade eingekehrte Stille zerschlug wie Glas und mich unwillentlich zusammen zucken ließ. Schon jetzt konnte ich mir ausrechnen, dass wenn der Flügel nicht bald Ruhe gäbe er immer schneller seine gnadenlos schrillen Töne verlauten lassen würde, denn die Abstände zwischen den Tönen wurden von Mal zu Mal kürzer. Und dennoch könnte ich nicht verhindern, dass ich immer und immer wieder zusammenzuckte, dass ich glaubte mein Herz würde mir den Dienst versagen, sollte noch ein weiterer Ton an meiner Seele reißen. Doch auch wenn es schien als würde es mit jeden angeschlagenen Ton, einen Schlag aussetzten hämmerte es doch , als würde es den verlorenen Schlag ausgleichen wollen, danach mit doppelter Kraft, so schien es.
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Nutzer: Naparvnic
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geschrieben am: 02.07.2004    um 17:59 Uhr   
Auf schreckliche weise war ich außer Stande mich auch nur zu rühren, selbst wenn, wohin hätte ich flüchten sollen? Es gab ja keine Tür! Ebenso wenig wie es offene Fenster gab welche erklärt hätten, dass nun eine Kräftige Windbö in den Raum gefahren war und die Blätter laut raschelnd in die Luft riss so dass der Lärm sich mit dem des schrillen Flügels zu einem unerträglichen Getöse steigerte. Erst jetzt war es mir möglich die Hände hinaufzureißen und auf meine Ohren zu pressen. Doch viel half es nicht, denn auch durch meine Hände drangen die gequälten, nun schon ineinanderüberfließenden Töne, gepaart mit dem unendlich lauten Rascheln der wirbelnden Blätter an mein Trommelfell. Vor meinen Augen flogen unzählige Blätter wild umher, sowie auch meine eigenen haare ihren Teil dazu taten indem sie mir ins Gesicht flogen und mir fast gänzlich die sicht auf den Flügel nahmen. Ich spürte deutlich wie all die Blätter gegen meinen Körper prallten, wenn der Wind sich überlegte auf einmal die Richtung zu wechseln aus der er blies. Ich presste meine Lider auf einander und so wurde aus den rot-orangen Blätterscharen ein Spiel aus Licht und Schatten, das auf meinen Liedern ausgetragen wurde.
Nun war das einzige was mich noch plagte das kreischend unüberlegte Getöse um mich herum.
Doch mit einem mal war auch dies nicht mehr. Ich wagte kaum die Augen aufzuschlagen oder gar die Hände von den Ohren zu nehmen, aus Nagst, sollte ich es tun, würde der Sturm von neuem aufbrechen. Doch als ich die Lider langsam öffnete war nichts. Stille war eingekehrt und der Flügel war alles, was mit mir in diesem Raum war. Der Flügel mit heruntergeklappten Tastenverdeck und ein einzeln rotes Blatt auf des Flügels glatter Oberfläche. Doch war diese Stille keineswegs erholsam, gemischt mit dem dröhnenden Pochen meines Herzens, dass mir die Rippen zum bersten zu bringen schien. Die Sonne küsste schon den weiten Horizont und ergoss ihr scharlachrotes Licht durch die Fenster als ein unheilverkündendes Krächen aus dem inneren des Flügel drang. Langsam setzte ich einen Fuß hinter den anderen. Leise. Als wollte ich nicht, dass der Flügel mich hört. Einen Schritt nach dem anderen. Jede Sehne meines Körpers gespannt um notfalls den versuch der Flucht zu starten, wohin auch immer...
Wieder dieses organische Krächzen, dass fast an ein menschliches Stöhnen zu erinnern vermochte. Und dann brach der Sturm los. Der Deckel des Klaviers sowie das Tastenverdeck sprangen auf. Die Tasten fuhren in der Waagerechte heraus, als würden sie von einem inneren Druck hinwegkatapultiert. Und die Saiten rissen und sprangen mit einem unbeschreiblich schmerzhaften Ton aus dem Gehäuse. Gefolgt von Unmengen rotem Blutes, das sich in Fontänen aus dem Flügel ergoss. Unendlich lang zog sich dieser Moment in dem die scharlachroten Fluten sich in die Lüfte erhoben um dann in gemächlichem fall gen Boden zu fallen. Doch dafür ging dann alles viel schneller als das Blut schäumend auf den Boden platschte. Ich war kaum in der Lage mich auf den Beinen zu halten geschweige denn mich umzuwenden und zu rennen, als auch schon das Blut knöchelhoch um meine Füße schwappte. Mir war als könnte ich es noch immer pulsiere fühlen als ich regungslos dastand und es nicht fassen konnte, was da gerade geschah.
Das Blut schien aus unermesslichen tiefen hinaufzusprudeln, als wäre der Flügel nur eine wunde in etwas viel Größerem, in dem das Herz noch schlägt. Immer wieder schwappten neue Fluten aus dem Innenleben des Flügels dessen gurgelndes Krächzen meine Ohren nicht mehr erreichte, denn es wurde von dem fließenden Platschen übertönt. Und es Stieg... unerbittlicht kroch es meine Beine hinauf. Wie lange würde es Dauern bis es den gesamten Raum füllte? Ich beschloss, dass ich es nicht herausfinden wollte. Der Saum meines weißen Rockes hatte sich schon mit grässlichen roter Farbe voll gesogen als ich begann zu laufen. Völlig von Sinnen und ohne noch einen klaren Gedanken fassen zu können.

Geändert am 02.07.2004 um 18:00 Uhr von Naparvnic
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Nutzer: Naparvnic
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geschrieben am: 02.07.2004    um 17:59 Uhr   
Blut spritze an mir hoch als ich mit hochgerafften Rock zu den Fenstern rannte. Doch ich erkannte erst zu spät, dass die Fenster keine Riegel besaßen, nichts womit ich sie hätte öffnen können, verzweifelt versuchte ich mein Tempo wieder zu Drosseln, doch das geflutete Parkett gab mir nicht den geringsten Halt. Ich stolperte auf die Fensterscheibe zu, risse die hände schützend vors Gesicht fand mich damit ab, dass ich wohl hindurchlaufen würde um dann wer weiß wie tief zu fallen.
Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, doch das Glas gab nicht um eine Haaresbreite nach. Und so schlug ich erbarmungslos gegen die Fensterwand.
Ich spürte nur noch wir mein Nasenbein mit einem höllisch stechendem Schmerz brach bevor mich die Bewusstlosigkeit ihren gütigen Mantel über mich warf und mich in schwarze tiefen riss, aus denen ich nie wieder erstehen sollte.

~ „Und so sackte sie hinab und ertrank in den roten Fluten, die sowohl den Raum als auch ihre Lungen nach kurzer Zeit gefüllt hatten.“
Die Kerzen waren schon fast nieder gebrannt, als er die Feder ablegte und der schwarzen Tinte dabei zusah wie sie langsam in das dicke Papier gesogen wurde und ihren nassen Glanz verlor. Mit einem müden Seufzer schloss er das in Menschenhaut gebundene Buch. Seine Hand glitt für ein letztes mal in dieser nacht über den Einband, bevor er die Kerzen löschte und der kleine Raum in Dunkelheit verlosch.~
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geschrieben am: 03.07.2004    um 18:25 Uhr   
Hab dir ja schon gesagt, wie genial ich diesen Text finde. Hat meine Deutschstunde sehr aufregend gemacht. Sehr heftig die bilder, die da auf einen einströmen und die bleiben haften.... Vor allem an die Farben konnte ich mich nachher noch genau erinnern, Wahnsinn. Und du sagst immer du kannst nich gut schreiben, also wirklich....
Fasziniert, mit offenem mund, wirklich sehr gern gelesen,
Nekir.
Unternehmt Gesten sinnloser Schönheit und spontaner Freundlichkeit!
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geschrieben am: 04.07.2004    um 14:23 Uhr   
Tausend dank... aber das ist zu viel des guten ;D
freut mich dass es dir gefällt!
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