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"Autor"

Wie Ketchup politisch wird - Essay

Nutzer: Nekir
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geschrieben am: 14.07.2004    um 21:30 Uhr   
„Es war einmal......“, das erkennt der belesene Durchschnittsmensch als den Beginn vieler Märchen, dem Stoff aus dem die Träume sind. In Märchen ist alles möglich, dort wird der Bettler zum Prinzen, dort erfüllen sich Träume von endlosem Reichtum und von der wahren Liebe. Wer ein Märchenbuch aufschlägt scheint sich im Land der unbegrenzten Möglichen zu befinden, denn dort findet der Leser seine Wünsche erfüllt und seine Sehnsüchte in die Tat umgesetzt.
Aber auch wenn man nun einen wissenschaftlich bewiesenen, der Wahrheit entsprechenden Atlas aufschlägt wird man ein Land finden, dass den Anspruch auf den Titel „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ erhebt. „Es war einmal Amerika“, so harmlos hatte alles angefangen, wie im Märchen eben. Ein Land emanzipierte sich, wurde selbstständig, unabhängig und vor allem frei. Die restliche Welt schaute bewundernd über den Atlantik, doch wurde in den letzten Jahren der Blick immer öfter abgewendet und hinter vorgehaltener Hand lachte oder schimpfte man.
Man erinnere sich nur an die letzte Wahl vor ein paar Jahren – das reinste Debakel. Eine nahe Verwandte von mir erkannte, halb enttäuscht halb entsetzt, dass ein hochtechnisiertes Land wie Amerika es nicht schaffte Wahlen durchzuführen, ohne dass Stimmen zu spät ankamen, verloren gingen oder doppelt gezählt wurden, sodass sich die Katastrophe über Wochen hinzog. Meine Verwandte legte nach dem Vorfall, der hämisch von der hiesigen Presse verfolgt worden war, die Bewunderung für das freie amerikanische Volk ab und tauschte sie gegen die Belustigung über dessen Unfähigkeit.
Wer hätte es für möglich gehalten? Eigentlich eine rhetorische Frage an ein Land, das sich damit rühmt alles möglich zu machen.
So machte ich mich also auch auf alles Mögliche gefasst als die diesjährigen Präsidentschaftswahlen begannen, doch nichts hätte mich auf das vorbereiten können, was ich am Wochenende in der Zeitung las.
Das Land der Freiheit will Freiheit um jeden Preis, politische Freiheit und Meinungsfreiheit mit inbegriffen, auch für Lebensmittel. Wahrscheinlich hatte man sich bei den Republikanern gefragt, warum sich die Bananen nicht zu den Missständen in Afrika äußern durften, oder weshalb nicht auch ein Bohneneintopf in Dosen seine Meinung zur aktuellen Politik kundtun sollte.
Das gilt natürlich für alle Arten von Lebensmitteln und aus irgendeinem Grund lag dem republikanisch eingestellten Teil der Bevölkerung eine gewisse Tomatensauce besonders am Herzen, weshalb an ihr ein Exempel statuiert wurde. Deshalb kann man seit geraumer Zeit im Internet ein republikanisches Ketchup mit dem schönen Namen „W Ketchup“ bestellen, dessen Flasche sich neben George Washingtons Gesicht auch mit der amerikanischen Flagge schmückt.
Nebenbei versucht man so das Tomatensaucen Imperium Heinz zu vernichten, dessen Erbin rein zufällig mit einem gewissen John Kerry, seines Zeichens Demokrat, verheiratet ist.
„Sie unterstützen die Demokraten nicht, warum sollte es ihr Ketchup tun?“ Dass sich hinter dieser Frage des Anbieters der Homepage eine versteckte Aufforderung zur Beeinflussung der Lebensmittel in politischer Hinsicht verbirgt, ist sehr wahrscheinlich.
Doch ich bin ziemlich zuversichtlich, dass die Regierung des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten bald einen Gesetzentwurf zur Meinungsfreiheit von Lebensmitteln im Allgemeinen und Tomatensaucen im Besonderen vorlegen wird. Währendessen beschäftige ich mich damit mein Schnitzel zu überreden sich von mir essen zu lassen, obwohl das nicht seiner vegetarischen Überzeugung entspricht.
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Nutzer: _Soul_
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geschrieben am: 15.07.2004    um 12:23 Uhr   
*lacht* ja ja... das schöne amerika... *grinst* absolut gut gelungen!

Gruß
Soul
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Nutzer: Dhana
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geschrieben am: 15.07.2004    um 16:24 Uhr   
grinst
Wie wahr, wie wahr... Sehr schön gelungen, da kann ich mich der Meinung der Allgemeinheit nur anschließen. ^^
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Nutzer: Nekir
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geschrieben am: 17.07.2004    um 13:22 Uhr   
Dankeschön *sich verneigt*. Und sowas entsteht in der Schule, man mag es kaum glauben....
Nekir
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 20.07.2004    um 07:35 Uhr   


hmmm, - vielleicht lohnt es sich, ab und an einen blick in die blätter unserer europäischen nachbarn zu werfen und deren meinung zu unserem ländle zu lesen. in times oder washington post finden die deutschen kaum erwähnung - weil sie keiner mehr ernst nimmt.
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Nutzer: Nekir
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geschrieben am: 22.07.2004    um 19:53 Uhr   
Als ob wir irgendwen ernst nehmen würden...
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 22.07.2004    um 22:03 Uhr   

stimmt :-)
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Nutzer: Nekir
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geschrieben am: 17.08.2004    um 14:10 Uhr   
hab ich ja gesagt....;)
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