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geschrieben am: 27.07.2004 um 19:07 Uhr
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Jo Hanns Rößler - Die "Fabrinkneuen"
(edit: grad bemerkt dass der werte herr rösler mit zwei N geschrieben wird ^^)
Es war mit meinem Sohn Axel nicht mehr auszuhalten. Kaum achtzehn Jahre ist der Junge alt, aber seitdem er in den Klub ging, was ich ihm zugebilligt hatte, ein Klub mit anderen Jugendlichen seines Alters, alles Söhne und Töchter aus befreundeten Familien, der Klub selbst in den Kellerräumen eines wohlrenommierten, bürgerlichen Kaffeehauses gelegen, war mein Junge wie verwandelt. Es hatte alles ganz harmlos begonnen.
"Vater, darf ich auch Klubmitglied werden?" hatte er mich gefragt.
"Was ist das denn für ein Klub?"
"Wir Jungen in der Schule wollen einen Klub gründen, wo wir unter uns sind, musizieren, debattieren, Schach spielen, auch tanzen -"
"Und wie heisst euer neuer Klub?"
"Die Fabrikneuen!"
Das hätte mir doch gleich zu denken geben sollen.
Sechs Wochen ging Axel jetzt schon in seinen Klub.
Unsere Gespräche wurden ein wenig unverständlich.
"Kann ich heute mit einem Gebiss in die Scheune gehen? Da gibt es den letzten Heuler mit der Heulboje Eddie Constantin."
"In die Scheune?"
"In den Schuppen, in den Illusionsbunker, ins Kino, Regierung."
"Mit einem Gebiss?"
"Drei steile Zähne, Regierung. Ein steiler Zahn ist ein duftes Mädchen. Und drei steile Zähne nennen wir im Klub Gebiss, Regierung."
"Wer ist Regierung?"
"Regierung, das bist du. Bei uns im Klub sagen wir nur noch Regierung. Klingt doch viel besser als Eltern oder mein Vater. Du solltest ruhig ein wenig umlernen, Regierung. Ihr mit eurer altmodischen Ausducksweise -"
So fing es an. Es kam noch besser. Der Klub machte Fortschritte.
"Das war gestern eine richtige Zentralschaffe! Wir haben ein Fass aufgemacht. Dem Himbeerheini, dem Harry vom Knochenklempner, haben wir einen Zahn ausgeschraubt, die anderen Mordszähne sind auch alle umgestiegen, und dann auf die Anschmeisse mit Überhebe und so..."
Ich erfur, bescheiden fragend, dass sie gestern im Klub einen Tanzabend gehabt hatten, dem Sohn des Arztes ein Mädchen abspenstig gemacht, die Mädchen beim Tanzen gewechselt und dann sehr eng Wange an Wange mit Überschlag getanzt hatten.
Nun ja, sagte ich mir und überlegte, was als Vater zu tun sei.
Als mein Junge heute aus der Schule kam, empfing ich ihn so: "Hallo Typ! Willst du mein schnelles Sofa waschen?"
"Deinen Brummer, Regierung?"
"Ja. Meine Asphaltblase."
"Gibts dafür 'ne Zigarette?"
"Aber nur eine kastrierzte Lulle!"
Mein Sohn staunte nicht schlecht über meine Sprachkenntnisse.
Ich stieg in seiner Achtung. Ich wollte noch höher steigen.
"Ich bewege mich heute zum Haarquäler" sagte ich, "mir eine koreanische Peitsche schneiden zu lassen. Findest du nicht das mein vergammeltes Pennerkissen längst runtergehört?"
Mit anderen Worten: Ich wollte zum Friseur, mir mein langes Haar auf kurz schneiden zu lassen. Ich hatte lange studiert, wie sie es nannten.
"Wo ist mein Scheitelschoner?" fragte ich und sah mich um.
"Dein Hut hängt neben dem Telefon, Regierung."
"Richtig, neben der Flüstermaschine. Flüstere nicht wieder in der ganzen Gegend rum, wenn ich nicht im Stall bin. Weisst du übrigens was Briketts schieben heisste?"
Diesmal war ich meinem Jungen über.
"Nein", gestand er. "Was ist das?"
"Sich die Hände schütteln. Schieben wir also Briketts. Auf morgen!"
Das ging eine ganze Zeit. Ich versuchte, meinen Sohn zu übertrumpfen. Ich wollte in seinen Augen nicht als halbes Hems, als lahmer Koffer und als trübe Tasse dastehen. Mein Sohn begann allmählich, sich für mich wegen meiner Sprechweise zu schämen. Vor allem, wenn wir unter Erwachsenen waren. An einem Donnerstag kam er zu mir.
"Hättest du etwas dagegen, Regierung, wenn ich nächsten Sonntag meinen Stammzahn in unseren Stall einlade?" fragte er.
Ich tat erstaunt "Wieso? Gehst du nicht mehr auf die Anschaffe?(jetz nich was ihr wieder denkt ^^) Organisierst du keine Pullover mehr? Was hast du dir denn für eine Wuchtbrumme aufgerissen?"
Mein Sohn wurde richtig verlegen. "Das ist kein Mädchen aus dem Klub, Vater."
"Aha! Eine richtige Bediene also, eine Fabrikneue, wie ihr sagt?"
"So kannst du von dem Mädchen nicht sprechen, Regierung. Ich habe sie vorigen Sonntag kennengelernt und auf dem Motorrad ein Stück mitgenommen."
"Und dein alter Auspuffzahn?" fragte ich. "Ist der jetzt eine kranke Geige geworden? Früher war das doch eine dufte Kante, eine steile Bluse, wie du immer sagtest?"
"Vater, bitte, sei nett zu dem jungen Mädchen wenn sie kommt."
"Wann wird sie denn antanzen deine Wuchtbrumme, dein Überzahn?"
Mein Junge war dem Weinen nahe. "Vater, bitte, wenn Eva bei uns ist - ich möchte doch stolz auf dich sein, mit ihr kannst du doch so nicht reden - was soll sie denn von dir, von meinem Vater denken, wenn sie diese Ausdrücke von dir hört?" Geändert am 27.07.2004 um 19:41 Uhr von zmiti Geändert am 27.07.2004 um 19:51 Uhr von zmiti |
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