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Der Weg |
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geschrieben am: 12.09.2004 um 23:46 Uhr
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Ich gehe die Straße entlang zur Arbeit. Überall nur fremde Gesichter. Allesamt unbekannt. Das lässt alles noch einsamer wirken als es tatsächlich ist. Vor allem liegt das an den Pärchen die immer und überall meine Wege kreuzen. Sie umarmen sich. Umgarnen sich. Schmiegen sich aneinander. Bilden eine Einheit. Scheinbar untrennbar. Scheinbar.
Als ich mich weiter durch die Menge kämpfe sehe ich ein Pärchen, welches sich von den anderen sehr unterscheidet. Sie streiten. Mitten in der Fußgängerzone. Aber dies interessiert keinen. Keinen außer mir.
Ich gehe auf sie zu und versuche beide zu beschwichtigen. Sie starren mich an. Nun konzentrieren sie ihren Hass auf mich. "Was mischen Sie sich da ein!?" "Ja, genau Schatz. Zeig's dem mal!" - Da will man nur helfen und dann sowas. Ein schöne Welt. Ich wünsche ihnen die Pest und alle tödlichen Krankheiten der westlichen Hemisphäre. Doch alles hat auch sein Gutes, denn nun streiten sie nicht mehr miteinander. Die Mission ist geglückt. Nur Freude macht sich nicht breit. Also gehe ich weiter.
Fußgängerzonen sind aber nicht nur ein Schauplatz für Nächstenliebe. Nein, hier trifft man auch die besten Musiker der Welt. Sei es nun eine ultralinksgerichtete Studentengruppe, die ihre Instrumente quälen oder die lustige Band aus dem fernen Peru, die sich so ihren Lebensunterhalt verdient, während sie vor dem Zoll flieht. Doch keins dieser Ohrvergewaltigungssammelsurien ist mir auch nur einen Cent wert.
Ein unrasierter mittevierziger Typ kommt auf mich zu. Durch seine Brille bekommt er unfassbar eklige Fischaugen und ich befürchte ernsthaft, dass er was ansteckendes mit sich herumträgt. Und ich meine nicht sein gestohlenes Feuerzeug. Er fragt mich, ob ich zufälligerweise mal zehn Cent hätte. Ich sage, dass ich zufälligerweise nur eine Wegbeschreibung zum Sozialamt habe. Sein Gesicht wird noch hässlicher als er mir unschöne Dinge an den Kopf wirft. Ich nehme ein 10-Cent-Stück au meiner Tasche und werfe es in den Gulli. Lachend gehe ich weiter.
Und dann sehe ich sie: Alte Menschen auf Parkbänken. Nicht, dass ich was gegen Senioren habe. Nein, nein. Nur die sitzen den lieben langen Tag auf dieser Bank und füttern die ohnehin schon viel zu fetten widerlichen Tauben. - Jaja, aber im Krieg gabs nix zu essen...
Eine dieser fliegenden Krankheitserreger landet direkt vor mir auf dem Boden und gurrt mich blöde an. Ich komme mir verarscht vor. Also hole ich mit dem geschlossenen Schirm aus und erschlage das Vieh mit voller Wucht. Man sieht mich angewidert an, doch ich grinse nur. "Zum Wohle der Menschheit." |
| "Anständigkeit ist die Verschwörung der Unanständigkeit mit dem Schweigen." George Bernard Shaw |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 12.09.2004 um 23:46 Uhr
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Ich gehe zum Bäcker, um mir was zum Frühstücken zu holen. Zu Hause zu wenig Zeit gehabt und gleich beginnt die Arbeit. Ich betrete den Laden und die pummeligeVerkäuferin mit den schweinsrosanen Bäckchen wirft mir ein melodisches "Guten Morgen." an den Kopf. Ich nicke nur kurz. Eine ältere Dame ist vor mir dran. Sie will zahlen. Wie gesagt: Sie will - ob sie motorisch noch dazu in der Lage ist, ist die andere Frage. Ihre Finger und ihre vergessene Brille hidnern sie am schnellen Zahlen. Sie gibt ihr Portmonnaie dem Schweinchen, ähm, ich meine der Verkäuferin. "Nehmen sie sich was sie brauchen." - Das nimmt die Verkäuferin wortwörtlich und bedient sich reichlich. Dann komme ich endlich dran und lasse mich von Miss Piggy fix bedienen. Da ich meine Brille dabeihabe, zahle ich selbst und lasse mich irgendwann anders mal bescheißen.
Ich schaue auf die Uhr. Noch knapp fünf Minuten. Ich stehe an der Ampel, als ein vorbeifahrender BMW die nahe Pfütze mitnimmt und mir eine unfreiwillige zweite Dusche am heutigen Tage beschert. Aus Freude donnere ich ihm mein Frühstück an die Heckscheibe. Er bremst und steigt aus. "Ey alter, sachma spinnsdu? Das mussu zahlen, scheiß Nazi!" Ich stehe nur da und werfe ihm fragende Blicke zu. Was soll das?
Er kommt auf mich zu. "Isch holl meina Brüdda. Die machn disch ferdisch, scheiß Kartoffel!" Ich ignoriere ihn, überquere einfach die Straße und sende ihm ein paar Grüße mit meinem Mittelfinger. Er versucht noch hinter mir herzulaufen, bemerkt aber nicht, dass die Ampel schon wieder auf rot ist und umarmt ganz unfreiwillig einen Müllwagen. Wie gerne hätte ich was zynisches gesagt, doch leider war ich in Eile. Die Arbeit ruft.
Endlich da. "Ich liebe diesen Job", denke ich mir und betrete den katholischen Kindergarten.
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| "Anständigkeit ist die Verschwörung der Unanständigkeit mit dem Schweigen." George Bernard Shaw |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 13.09.2004 um 21:13 Uhr
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high noon etwas zeitverschoben ? hoffentlich haben dich die tanten im kindergarten auch gut behandelt .. ;-) *gg
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| "Autor" |
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geschrieben am: 14.09.2004 um 20:14 Uhr
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| Ich bin kein Kindergärtner. Das hatte ne andere Bewandnis. ;-) |
| "Anständigkeit ist die Verschwörung der Unanständigkeit mit dem Schweigen." George Bernard Shaw |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 14.09.2004 um 21:01 Uhr
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Dumme Kommentare von Starchaser, was anderes habe ich nicht erwartet.
Ich mag die Geschichte. Wunderbar aus dem Leben gegriffen, obgleich ich selbst in einigen Situationen etwas anders gehandelt hätte. In der Bäckerei zum Beispiel wäre ich rausgegangen und hätte nicht gezahlt, mit den Worten: "Sie haben doch eben genug für fünf Brötchen genommen." oder sowas. ;-)
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| "Autor" |
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geschrieben am: 15.09.2004 um 02:03 Uhr
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für dich tu ich doch alles, finsterle ;-) |
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