|
|
|
geschrieben am: 13.09.2004 um 23:08 Uhr
|
|
Hallo.
Ich weiß, es paßt wahrscheinlich nicht in dieses Forum, und trotzdem paßt es eher hierher als in alle anderen, denn es ist in gewisser Weise eine Geschichte.
Kennt ihr das, daß ihr jemandem vergebt, nur weil ihr euch gewisse Annehmlichkeiten im Leben erhalten wollt und euch selbst nicht eingesteht, daß ihr demjenigen nur deswegen vergebt? Ob's nun das Auto ist, was man benutzen darf, wenn man gut mit dieser Person steht, ob es die geliehenen CDs sind oder sonstwas - und man selbst gesteht es sich nicht ein. Ist das richtig?
Kennt ihr das, daß sich jemand unheimlich um euch bemüht, solange ihr unerreichbar seid? Kennt ihr das Gefühl, begehrt zu sein, solange ihr etwas "Besonderes" seid, was sich nicht jedem Menschen gleich vor die Füße wirft? Und dann diese ernüchternde Wahrheit, wenn ihr merkt, daß ihr nur so lange etwas Besonderes wart, solange man euch nicht erreichen konnte? Daß man euch gar nicht mehr so schätzt, denn jetzt hat man euch ja?
In Relation dazu: Kennt ihr diese Menschen, die immer nur freundlich sein können, wenn sie etwas wollen? Kennt ihr diese gottverdammte Art von Menschen, die euch anbeten, euch jeden Wunsch erfüllen, euch Geschenke und Überraschungen machen - genau bis zu dem Moment, da ihr euch nicht mehr von der kalten Seite zeigt? Da ist auf einmal wieder Ende mit den Bemühungen um euch, da ist alles wieder normal. Kennt ihr diese Menschen, die einfach nicht kapieren, daß man jemanden halten muß und nicht immer wieder fallen lassen kann und dann aufheben mit Samthandschuhen, und dazu glauben, man sei der beste Freund der Welt, weil man sich ja kümmert? Das ist Dummheit, oder?
Kennt ihr diese Erfahrung, wenn ihr von vielen Leuten vorgeschwärmt bekommt, wie beliebt doch ein Mensch ist, wie toll er schreiben kann, wie klug er ist, wie viel er weiß und so weiter - und man verehrt ihn, nicht etwa weil er etwas geleistet hat, sondern weil man dem Gruppenzwang folgt und den Lobeshymnen Glauben schenkt. Und auf einmal merkt ihr, je länger ihr mit diesem Menschen zusammen seid, daß all die Lobeshymnen eine einzige Kakophonie aus Lügen war. Auf einmal stellt ihr fest, daß der Mensch rein vom Menschlichen her ein absoluter Versager und ein Idiot ist, auf einmal stellt ihr fest, daß besagter Mensch keinen einzigen Funken von dem besitzt, in was man sich verliebt hat - weil es alles nur Fassade war, und weil die Wand hinter der Fassade dermaßen häßlich, gebrochen und verschimmelt ist, daß einem schon beim Anblick das Kotzen kommt? So ging's mir.
Menschlich gesehen - damit meine ich, daß sich Abgründe auftun, von denen ihr glaubtet, daß nur Idioten sie benutzen. Das wahllose Verletzen wenn es einem selbst schlecht geht, das absichtliche Wehtun durch Worte und stumme Aktionen.
Kennt ihr das, daß euch jemand so lange wegschubst - und damit meine ich durchaus auch physisch - bis ihr selbst einfach stehen bleibt, und daß sich dieser Jemand dann darüber beschwert, DASS ihr stehen bleibt? Kennt ihr das, daß euch ein Mensch dermaßen psychisch zerstört, daß ihr sogar Angst habt, anderen Menschen zu begegnen - im Sinne von Kennenlernen, nicht vom reinen Begegnen.
Kennt ihr diese Pling!-Momente, in denen euch klar wird, daß alles nur eine riesige Lüge war, daß ihr niemals verliebt wart, nur in etwas, was es in Wirklichkeit gar nicht gibt? Daß nicht ihr der Idiot seid, wie euch immer erzählt wurde, von dieser Person, daß nicht ihr alles falsch gemacht habt - nein nein, im Gegenteil, dann blinzelt man und stellt fest: 'Jetzt verstehe ich, wieso dich alle meiden, die dich näher kennen gelernt haben. Jetzt geht es mir nicht mehr schlecht wegen dir, jetzt verzeihe ich dir nicht mehr, nur weil du deine Annehmlichkeiten durch mich und ich meine Annehmlichkeiten durch dich behalten möchte. Jetzt vergebe ich dir nicht mehr, nur damit du wieder in deine alte, arrogante, besserwisserische und verdammt hassenswerte Art fallen kannst.'
So einen Moment hatte ich gerade. Und irgendwie fühle ich mich gut. Frei.
Ich dachte immer, daß das Gegenteil von Liebe Haß ist. Aber besagte Person, von der ich mir sicher bin, daß sie das hier lesen wird, hat nicht mal mehr meinen Haß verdient.
Das Gegenteil von Liebe ist Gleichgültigkeit.
Du bist mir egal.
|
|
|
|
|