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Anleitung zum Sonettieren |
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geschrieben am: 03.04.2005 um 13:05 Uhr
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Anleitung zum Sonettieren
Die erste Zeile ist recht schnell gefunden.
Die zweite ebenfalls. Doch schon die dritte
verpflichtet dich zum Reim in Strophenmitte
und Nummer Vier bleibt an die Eins gebunden,
wie auch die fünfte nur mit deren Pfunden
zu wuchern weiß. Die sechste aber kitte
an Zeile Sieben nach bewährter Sitte
und reimt sich erst die achte unverwunden,
lehn dich zurück: das waren die Quartette.
Indessen sollst du nicht zu lange weilen -
denn erst im Doppel-Dreiklang der Terzette
erwacht ein Sinn aus den erlauchten Zeilen.
Ein Musterstück? Mitnichten. Am Sonette
verblieb noch mancher Grat. Du mögest feilen.
Lama |
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geschrieben am: 03.04.2005 um 13:35 Uhr
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genial! wunderbar, lama,
nekir. |
| Unternehmt Gesten sinnloser Schönheit und spontaner Freundlichkeit! |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 03.04.2005 um 15:06 Uhr
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Danke, Lama!
Tolle Idee.
Die Form ist natürlich makellos, incl. Endreim und Metrik, aber das versteht sich ja von selbst. ;-)
Ansonsten Schmunzeln und Kopfnicken meinerseits. Vor lauter Konstruktionseifer bleibt bei den meisten Genies trotz - oder gerade wegen - des perfekt ausgefeilten Rahmens das eigentliche Bild auf der Strecke.
Wenn das mal keine richtig fette Metapher ist... ich beglückwünsche mich selbst, danke mir recht herzlich & wünsche mir noch ein langes und zufriedenes Leben auf diesem Planeten, den wir als unsere Mutter Erde bezeichnen.
Feier' dich selbst und fühl dich wohlwollend mit Schweizer Schoki beschmiert!
Thumbs way up,
xxx
Vibes
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| "Autor" |
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geschrieben am: 04.04.2005 um 20:34 Uhr
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Sehr schönes und zudem noch formstrenges Sonett. Und lehrreich. :-)
sweety |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 06.04.2005 um 09:49 Uhr
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Danke für die erfreulichen Kommentare.
Nannerl, du hast natürlich recht. Du sprichst hier den Knackpunkt dieser vorgegebenen Form beim Sonett an. Die Gefahr ist, dass man dem Inhalt der Form wegen Gewalt antut. (Ist natürlich auch eine Frage der Zeit und des Könnens und beides steht einem Nichtgenie nur in begrenztem Maße zur Verfügung.) ;-)
Ein Schulbeispiel, wie man es richtig macht, hast du übrigens selbst geliefert:
Klage der Verstoßenen
Die Nacht lahmt fremd und krank an mir vorbei,
Wie ein verletzter Vogel, matt und schwer;
Der Wolkenhimmel wandelt, lichterleer,
Durchs Dunkel, wie ein ungehörter Schrei.
Der Blick ist abgedunkelt. Tag für Tag
Muss jeder Morgen ohne Sonne bleiben.
Verstoߒner Leib, wie eitel ist dein Treiben –
Verlass’nes Herz, wie töricht ist den Schlag!
Ruine meines Angesichts, zerfalle,
Und Hand, die du ins Leere greifst, vergehÂ’!
Verschmähte Seele, tu’ nicht länger weh!
Verblasse, Schmach! Versickert, Gift und Galle!
Lasst ab, ihr Sterne, auf mein Leid zu scheinen,
Und Wundgeflecht, hör auf, mich leer zu weinen.
© Nandris, 19.11.2003
Bei diesem wunderschönen Sonett stimmt einfach alles. Hervorragend ist der Innenreim des ersten Quartetts; schwer - lichterleer und das in Verbindung mit dem Wolkenhimmel. Hier kann man nur mit der Zunge schnalzen. :)
Danke für die Schokolade, herzliche Grüße und viel Elan für dein nächstes Sonett! :-)
Lama |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 06.04.2005 um 16:27 Uhr
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Aber hallo, an soviel Honig ums Schnäuzchen ist man als kleine Hungerkünstlerin gar nicht gewöhnt ... Vielen Dank für die Blumen!
Mein letztes Sonett ("Morgengrauen") ist leider schon ein Weilchen her, zur Zeit bin ich eher auf Prosa umgesattelt, aber man ist ja einigermaßen launisch und impulsiv, alles fließt, etc. pp.
Worauf wollte ich eigentlich hinaus?  |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 09.04.2005 um 21:28 Uhr
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| "Autor" |
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geschrieben am: 13.04.2005 um 19:56 Uhr
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oooooch laaamachen...lange nicht mehr gesehn !!
..oder sowas
<3dat sharueueue |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.04.2005 um 20:20 Uhr
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Viel Spaß mit meinem Neuen, Lama... :-)
(zitat)Der Misanthrop
Gegrüßet seist du, geifernder Vampir,
Der du dich Ekel nennst und an mir frisst,
Wenn um mich her das menschliche Getier
Lebt, stirbt und atmet, laut und regsam ist.
Kaum taumle ich verzagt aus meiner Kammer,
So fühl ich schon, Verhasster, deine Krallen
In meinem Fleisch. Dein Jähzorn und dein Jammer,
Dein Schmerz ist der Abscheulichste von allen.
Ach, wie das Grauen meine Brust zerwühlt
So wie ein Rasender die kalten Kissen
Zerreißt, zerrüttet. Keine Träne kühlt
Die Fieberstirn. Zerrüttet und zerrissen
Ist der Verstand ins Kellerloch gekrochen.
Der Stolz speit Blut. Was Ich war, ist zerbrochen.(/zitat)
Geändert am 23.04.2005 um 20:21 Uhr von BohemianVibes |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 25.04.2005 um 11:10 Uhr
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Hallo Nannerl, schaurig schön und sehr gut gelungen. Da ist Zug drin vom Anfang bis zum Ende, man hat sofort das Gefühl, dass Inhalt und Form perfekt übereinstimmen und dass das Anliegen anders gar nicht zu sagen ist als in der Sonettform. :)
Lama
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| "Autor" |
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geschrieben am: 26.04.2005 um 16:31 Uhr
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| Jaja, alles ganz nett, aber sollte man nicht eigentlich zeitgemäßere, modernere Formen nutzen? Oder anders gefragt: könnte man in dieser Form heutige Probleme zeitgemäß darstellen? |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 26.04.2005 um 22:14 Uhr
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| sollte die wahl nicht jedem selbst überlassen sein ? eine strenge form erscheint mir als angemessen für ein ebensolches thema |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 27.04.2005 um 09:43 Uhr
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Was ist _zeitgemäß_? Von welchen _Formen_ sprichst Du?
Was immer man mit (dichterischer) Form in Verbindung bringen könnte - es ist nicht das Produkt dieser, sondern vergangener Zeiten. Und warum sollten wir dieses Erbe - ein reiches und auch schwieriges - nicht dankbar annehmen? Abgesehen davon, nutze ich _alle_ Formen, die mir zu Gebote stehen. Aber genau da scheidet sich bei den meisten der Hafer vom Brei (oder so ähnlich). Will sagen: es gibt sicher einige ernstzunehmende Bemühungen, den Stil der Zeit zu finden, aber oft genügt es bereits, einige coole Anglizismen zu streuen und diese dann mit Zeilenumbrüchen zur Lyrik zu adeln - Gedicht fertig, Erster! Und ein (c) muß noch drunter, damit auch keiner den trüben Erguß klaut! Ach, geh mir weg damit....
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| "Autor" |
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geschrieben am: 27.04.2005 um 23:16 Uhr
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(zitat) Oder anders gefragt: könnte man in dieser Form heutige Probleme zeitgemäß darstellen?(/zitat)
...na, ich will's wenigstens mal versuchen, obwohl das tatsächlich ein schwieriges Unterfangen ist! Also macht mich jetzt nicht ein hier deshalb......
Cybersonette
Verwoben im Internetzwerk unsichtbarer Fäden
sind meine Sinne gänzlich wie in ein Kokon umspannt.
Nervenstränge reizend wird hier ein Feuerwerk entbrannt,
das mich jenseitig verführt in einen Garten Eden
und feilgebotene Waren schillernd bunter Läden
durchforstet sehnsüchtig die tastaturgeübte Hand,
magnetisiert die Augen dem Monitor zugewandt.
Dann zuzugreifen muß mich hier niemand überreden!
Doch wie, wenn in der wirklich greifbaren Peripherie
mir vor Augen jemand vor des Zuges Gleise spränge,
oder ein and'rer, plötzlich um sich schießend, schlagend, schrie,
ein Dritter Schwächere mit roher Gewalt bezwänge,
wird es mir, dies gewahrend, dann gelingen, daß ich flieh
aus der mein Gemüt traut umgarnenden Netzes Enge?
Geändert am 27.04.2005 um 23:23 Uhr von opopo |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 28.04.2005 um 08:41 Uhr
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Ah, noch ein Begabter! Bestnote für dein CS, opopo. :-))
Und hör mal auf Destiny und knalle eine Leerzeile zwischen die Quartette und Terzette, um das Bild zu vereinheitlichen.
Aber was schulmeistere ich hier herum - gute Arbeit!
Best regards,
Lama |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 28.04.2005 um 10:31 Uhr
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(zitat)
Cybersonette
Verwoben im Internetzwerk unsichtbarer Fäden
sind meine Sinne gänzlich wie in ein Kokon umspannt.
Nervenstränge reizend wird hier ein Feuerwerk entbrannt,
das mich jenseitig verführt in einen Garten Eden
und feilgebotene Waren schillernd bunter Läden
durchforstet sehnsüchtig die tastaturgeübte Hand,
magnetisiert die Augen dem Monitor zugewandt.
Dann zuzugreifen muß mich hier niemand überreden!
Doch wie, wenn in der wirklich greifbaren Peripherie
mir vor Augen jemand vor des Zuges Gleise spränge,
oder ein and'rer, plötzlich um sich schießend, schlagend, schrie,
ein Dritter Schwächere mit roher Gewalt bezwänge,
wird es mir, dies gewahrend, dann gelingen, daß ich flieh
aus der mein Gemüt traut umgarnenden Netzes Enge?
(/zitat)
mein Kumpel petrarca hielt auch nix von Leerzeilen (dann schon lieber Lehrzeilen), aber weil ihr's so netter findet.... ;-) Geändert am 28.04.2005 um 10:40 Uhr von opopo |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 28.04.2005 um 10:46 Uhr
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| Brav so, aber lass bitte diesen alten Melancholiker aus dem Spiel. ;-) |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 28.04.2005 um 11:28 Uhr
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nochmal ganz im Ernst auf die Leerzeilen eingehend....
ich hatte zunächst nur eine Leerzeile gewählt, weil es mir darum ging, den inhaltlichen Dualismus (Schein/Sein) auch formal trennend zum Ausdruck zu bringen.
Die eigentliche Gedichtorm war ja nur Beiwerk und Aufhänger........ |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 28.04.2005 um 13:54 Uhr
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| ein wahrer Augenschmaus :-) |
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