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Frühlingssonett - für Cläff

Nutzer: BohemianVibes
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geschrieben am: 23.05.2005    um 16:21 Uhr   
Challo Cläff,

neulich am Bahnhof* hast du in einem Nebensatz erwähnt, dass du es immer schön findest, neue Gedichte von mir zu lesen. Einer verarmten, abgewrackten Randgruppenpoetin läuft das natürlich runter wie warmer Lemurenspeichel, also habe ich mir die Freiheit genommen, dir hiermit Gewalt anzutun. Und auch mir selbst (Ja. Lange nichts mehr hier «veröffentlicht», eh?), aber was tut man nicht alles, etc. pp. What was I going to say? Ja, beispielsweise, also nicht beispielsweise, sondern das ist so gewesen, so:
Im Anhang finden Sie also mein frühlingssonett, leider nicht besonders heiter (man ist ja weitgehendst triebgesteuert und würgt Gedichte quasi im Rahmen emotionaler Psychospasmen hervor), aber immerhin für dich :-), denn ich habe sozusagen «einen Besen an dir gefressen», Herr im Himmel, und das will - verdammt noch mal! - was heißen.

Misanthropische (aber ansonsten echt knuddelige) Umarmungen,

xxx
a young vulgarian


(zitat)frühlingssonett

wie aufgeschlitzt verschleudern wolken rosen
besprenkeln sterbend nachtgetränktes grau
mit ihrem glimmenden gedankenlosen
lebwohl bleib hier ich weiß es nicht genau

die halme haben aufgehört zu tanzen
die stängel stehn bekümmert und gebückt
der regen ein tyrann der geist und pflanzen
mit dicken perlen auf die erde drückt

die haut der tau das gras die nackten füße
die brust die sinne ringen frostdurchblitzt
und von den zweigen zwitschert schon die süße

die aufgebläht auf einer kralle sitzt
das leben quillt ans licht der frühling blüht
und wundblut sprudelt gurgelnd durchs gemüt

o6.o5.2oo5(/zitat)




[*das geht ja schon gut los...]

Geändert am 23.05.2005 um 16:24 Uhr von BohemianVibes

Geändert am 30.05.2005 um 18:27 Uhr von BohemianVibes
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Nutzer: _Soul_
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geschrieben am: 23.05.2005    um 17:44 Uhr   
hui... das ist... fantastisch! *gg* ein wenig wirr zu lesen, aber an sich wirklich wirklich gut...

LG
Soul
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Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 24.05.2005    um 11:50 Uhr   
Genial... :)

Gruß
Lama
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Nutzer: Nekir
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geschrieben am: 24.05.2005    um 15:21 Uhr   
das ist perfekt
Unternehmt Gesten sinnloser Schönheit und spontaner Freundlichkeit!
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Nutzer: BohemianVibes
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geschrieben am: 24.05.2005    um 16:02 Uhr   
Dankeschön,
freut mich sehr, dass euch das Gedicht gefällt! :-)

(Sind hier Links erlaubt? Es existieren Lyrikforen, in denen man relativ guten Stoff finden kann, wenn man lange genug schnüffelt.)
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Nutzer: Gast_sweety0018
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geschrieben am: 30.05.2005    um 21:20 Uhr   
Links posten ist verboten, also mach schon. :)

Ich finde dein Gedicht richtig schön.

Ganz besonders haben es mir die aufgeschlitzten Wolken, die Rosen verschleudern, angetan.

sweety

p.s. Auf welchem Bahnhof lungern Menschen rum und unterhalten sich über Gedichte? Hier in Stuttgart wäre das undenkbar, auf unseren Bahnhöfen quatschen die Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln allenfalls über schmutzige Literatur. *harharhar*

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Nutzer: nandris
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geschrieben am: 25.08.2005    um 18:59 Uhr   
-
Geändert am 25.08.2005 um 19:00 Uhr von Nandris
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Nutzer: BohemianVibes
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geschrieben am: 25.08.2005    um 19:01 Uhr   
sweety,

mach dir bitte keine Hoffnungen, hier (ich verrate dir lieber nicht, wo genau das ist ;-) ) sind die Leute genauso bekloppt wie überall in Deutschland und lyrische Anwandlungen an Bahnhöfen sind nicht gerade üblich.
Freut mich jedenfalls, dass du das Gedicht magst.
Sonderbar übrigens, wie schnell die Zeit vergeht! Sind schon wieder fast drei Monate rum, oder was? Nicht zu fassen.
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Nutzer: aLLeister
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geschrieben am: 25.08.2005    um 23:50 Uhr   
Diese ganze Szenerie ist sprachlich so gut umgesetzt...so bildlich und so herrliche Einfälle. Das gefällt mir wirklich sehr gut.
So sind die Menschen. Oft scheint es wirklich schade, daß Noah die Arche nicht verpaßt hat. (Mark Twain)
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Nutzer: Gast_sweety0018
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geschrieben am: 26.08.2005    um 11:14 Uhr   
Vibes, dass die Zeit gefühlsmäßig immer schneller vergeht ist mir auch schon aufgefallen. Schon seltsam, als Kind hatte ich das Gefühl nie. Scheint wohl mit unserer eingebauten Lebensuhr zusammenzuhängen oder so, keine Ahnung. Jessas, so alt bin ich doch noch gar nicht, wie ich klinge... :)

Wie kommt es eigentlich, dass du Sonette schreibst? Früher hab ich immer einen grossen Bogen um Sonette gemacht. Hat vielleicht etwas mit meinen miesen Erinnerungen an den ersten Kontakt mit Lyrik zu tun. Bei mir war es jedenfalls so. Ich habe Shakespeare in der Schule gehasst, erst in letzter Zeit ging mir auf, wie schön die Sonette sind, wie sorgfältig die Worte gewählt sind, wie oft sie auch überarbeitet wurden.

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Nutzer: BohemianVibes
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geschrieben am: 26.08.2005    um 12:56 Uhr   
Hallo sweety,

(zitat)Wie kommt es eigentlich, dass du Sonette schreibst?(/zitat)

Mein erstes habe ich aus Neugier geschrieben. Als mir auf meiner "lyrischen Laufbahn" die ersten Sonette über den Weg schwebten ;-) , frage ich mich, ob es nicht irgendwie zu schaffen sei, die Form eines Sonetts mit einem dazu passenden Inhalt auszufüllen, ohne allerdings die Wörter hineinzuprügeln. Manche "Dichter" sind ja der Meinung, dass es reicht, an zwei Quartette wiederum zwei Terzette anzuhängen, und wenn die Metrik stimmt und sich eins aufs andere reimt - notfalls mit Gewalt -, ist alles perfekt.
Bevor ich aber ins Schwärmen und Schwafeln komme, verweise ich auf diverse Werke von... hmm, beispielsweise Shakespeare oder Hofmannswaldau, wobei besonders Letzterer meines Erachtens ganz geniale, bis ins kleinste Detail durchdachte und ausgefeilte Barocksonette geschrieben hat - seufz...


(zitat)Vergänglichkeit der Schönheit

Es wird der bleiche tod mit seiner kalten hand
Dir endlich mit der zeit umb deine brüste streichen /
Der liebliche corall der lippen wird verbleichen;
Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand /
Der augen süsser blitz / die kräffte deiner hand /
Für welchen solches fällt / die werden zeitlich weichen /
Das haar / das itzund kan des goldes glantz erreichen /
Tilgt endlich tag und jahr als ein gemeines band.
Der wohlgesetzte fuß / die lieblichen gebärden /
Die werden theils zu staub / theils nichts und nichtig werden /
Denn opfert keiner mehr der gottheit deiner pracht.
Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen /
Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen /
Dieweil es die natur aus diamant gemacht.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau(/zitat)

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Nutzer: Gast_sweety0018
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geschrieben am: 26.08.2005    um 13:14 Uhr   
Vibes, sehr interessante Ausführung, ehrlich und überhaupt nicht geschwafelt. :-) Christian Hofmann von Hofmannswaldau kannte ich bis jetzt gar nicht. Ich finde das mal originell, die alten Sprachen wieder herauszukramen. Kann sein ich irre mich, aber das müßte Mittelhochdeutsch sein, oder?
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Nutzer: BohemianVibes
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geschrieben am: 27.08.2005    um 12:41 Uhr   
Hofmannswaldau fällt schon in die Kategorie "Neuhochdeutsch" (bestenfalls noch Frühneuhochdeutsch). Mittelhochdeutsche Lyrik gibt es z.B. von Dietmar v. Eist:


(zitat)I "Slâfest du, vriedel ziere? I
man wecket uns leider schiere;
ein vogellîn sô wol getân
daz ist der linden an daz zwî gegân."

"Ich was vil sanfte entslâfen.
nu rüefestû kint wâfen.
liep âne léit mác niht sîn.
swaz du gebiutest, daz leiste ich, vriundin mîn."

Diu frouwe begunde weinen.
"du rîtest hinnen und lâst mich eine.
wenne wílt du wider her zuo mir?
owê du vüerest mîne vröide sant dir!"

II Uf der linden obene dâ sanc ein kleinez vogellîn. II
vor dem walde wart ez lût: dô huop sich aber daz herze mîn
an eine stat dâ ez ê dâ was. ich sach dâ rôsebluomen stân:
die manent mich der gedanke vil die ich hin zeiner vrouwen hân.(/zitat)
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Nutzer: Gast_Kulturbeutel
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geschrieben am: 27.08.2005    um 17:26 Uhr   
null ahnung von neuhochdeutsch frühneuhochdeutsch mittelhochdeutsch (und dann noch die bescheuerten akzentzeichen was solln die denn?). kenn nur dummdeutsch dunkeldeutsch und neudeutsch. des reicht.
eigntlich wollt ich aber nur was anderes sagen: bohämweib dein frühlingssonett find ich fantastisch. hoffe es blüht noch anderswo als nur als laufmasche in cw-netzstrümpfen
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"Autor"  
Nutzer: BohemianVibes
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geschrieben am: 30.08.2005    um 18:32 Uhr   
Hallo Kulturbeutel,
danke für deinen Kommentar und keine Sorge - eine "Veröffentlichung" in diesem Rahmen wird eine Ausnahme bleiben... ;-)
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"Autor"  
Nutzer: HanLoKe
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geschrieben am: 01.11.2005    um 23:59 Uhr   
(zitat)Hallo Kulturbeutel,
danke für deinen Kommentar und keine Sorge - eine "Veröffentlichung" in diesem Rahmen wird eine Ausnahme bleiben... ;-)(/zitat)
Das finde ich aber schade, Dein Sonett ist tatsächlich genial.
Soetwas findet man hier selten. ;-)
Geändert am 02.11.2005 um 00:00 Uhr von HanLoKe
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"Autor"  
Nutzer: echter_HORST
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geschrieben am: 05.11.2005    um 20:46 Uhr   
lol, Kulturbeutel
wenn du der bist der ich glaub das du es bist, hast du völlig recht
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