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geschrieben am: 11.07.2005 um 07:21 Uhr
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Ich ging allein, den Kopf gesenkt.
Ich war des Wahnsinns, wenn man bedenkt,
die Nacht war schwarz, so wie die Raben,
in der Gegend schon viele Wandrer begraben.
Gemeuchelt von jenen, die im Finstern hausen,
der Wind begann bedrohlich zu sausen.
Doch nichts dergleichen kann den erschrecken,
den des nachts die Stimmen wecken
und rufen und leiten, führen und locken.
Die Kehle brennt mir, der Mund ist trocken.
Ich tappe und folge der Stimme der einen,
die mich verlassen, die liegt unter Steinen.
Vor langen Zeiten warn wir gebunden,
ein seliges Paar, bis man sie gefunden.
Am Meer, an den Klippen lag sie und schlief,
für immer, bis heute, ich las ihren Brief:
Liebster, die Stimmen, sie rufen nach mir,
ich höre sie, ich muss scheiden von dir.
Sie ging eines Nachts und kehrte nicht wieder
So erhebe ich nächtlich die müden Glieder,
um jene zu finden, mit denen sie ging.
Bis an die Klippen, ich fiel, doch mich fing
ein Mann, ganz in schwarz, mit bedrohlichem Ton:
„Was suchst du hier, geh nach Hause, mein Sohn!
Wenn deine Zeit ist, werde ich kommen,
ich habe deine Liebste genommen.“
Der Wind verstummte, der Schwarze verschwand.
Mich erfasste ein Schreck und dann...ich fand
mich wieder von wo ich gekommen war:
in meinem Bett, schwer atmend zwar,
doch weiter war mir nichts geschehen.
„Liebster, was hast du gesehen?“
Ich wand mich um, war noch wie im Traum,
da lag sie, ich traute den Augen kaum.
Liebste, rief ich, umarmte sie fest.
Versprich, dass du mich nie mehr verlässt.
Geliebter, sie lachte was ist nur mit dir.
Ich ging niemals weg, war immer schon hier.
Wie weit den Geist die Träume doch tragen,
doch sie war so jung, ich begann mich zu fragen...
wenn das nur heute ein Traum gewesen,
so müsste in ihrem Antlitz man lesen,
dass ihre Jugend schon lange vergangen.
In meinem Gesicht müsste gleiches prangen.
Ihre Arme umfingen mich wie ein Siegel,
ich entwand mich ihr, sprang zum Spiegel...
und in des Mondes fahlem Licht
blickte ich in eines Jünglings Gesicht.
Hinter mich trat sie und flüsterte leise:
„Hier ist das Ende deiner Reise,
lange hab ich gewartet auf dich.
Nun bleiben wir ewig jung, du und ich.“
Mich durchfuhr das kalte Grausen,
des nachts in diesem stürmischen Sausen...
war da auch ich ums Leben gekommen?
Der Schwarze hatte mich mitgenommen.
Das alles, nichts davon war Traum
und hier, dieser bekannte Raum...
ist dies das Leben nach dem Tod?
Mich befiel die Atemnot.
Gewiss war ich ihren Tod gestorben,
die Augen im Wind und im Dunkel verdorben,
von Stimmen gelockt, gerufen, gequält...
Ich hielt sie und hab ihr alles erzählt.
Liebste, ich bin von den Klippen gestürzt,
das gleiche hat dir das Leben verkürzt.
Als der Schwarze mich fing in der Not,
da war mein Körper schon lange...tot.
Daran brauchst du nicht mehr zu denken,
dich nie mehr in dunkle Gedanken versenken.
So sprach meine Liebste und nahm meine Hand.
Das so lange getrennte Band,
zwischen uns ist nun wieder heil,
nichts treibt mehr zwischen uns einen Keil.
Ich nickte und umarmte sie fest.
Im Tod sind wir nun vereint für den Rest
aller Zeiten, die da kommen und gehen.
Die Erde wird uns nicht wiedersehen..
Doch eines frage ich mich noch immer...
Die lockenden Stimmen, das leise Gewimmer,
wo kamen sie her, wo lag ihr Sinn,
dass ich, wie auch sie, gefolgt ihnen bin.
Locken sie Liebende in ihr Verderben?
Legen sie glückliche Liebe in Scherben?
Strafen sie Liebende für ihre Sünden?
Niemand konnte es jemals ergründen.
Drum haltet fest, was euch einmal gegeben,
lasst eure Liebsten euch niemals entschweben.
Hört auf niemanden, nur auf das Herz,
denn nur so bewahrt ihr einander vor Schmerz... |
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