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Nutzer: Edelfeder
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geschrieben am: 11.07.2005    um 22:00 Uhr   
Mattie saß in ihrem Rollstuhl auf dem Balkon hinter der Küche und sah ihrer Tochter beim Schwimmen zu. Es war ungewöhnlich kühl für Ende September, und vom beheizten Swimmingpool stieg Dampf auf. Matties Blick folgte dem eleganten Bogen, den die Arme von ihrer Tochter beim eintauchen beschrieben, ihren schlanken geschmeidigen Körper , der angetrieben vom stetigen Stoß ihrer Füße durchs Wasser glitt. Wie eine schöne junge Meerjungfrau, dachte sie und stellte sich vor, an der Seite ihrer Tochter zu schwimmen.
“Ist Ihnen kalt , Mrs. Smith?”, fragte eine Stimme irgendwo hinter ihr.
“Ein bisschen“, brachte Mattie unter großen Mühen hervor.
Sofort spürte sie, wie ein Schal um ihre Schultern gelegt wurde. “Danke, Anja”, flüsterte sie, ohne zu wissen, ob die zierliche Haushälterin, die David Anfang des Sommers engagiert hatte, sie hören konnte. Ihre Stimme war mittlerweile sehr leise, so schwach. Jedes Wort war ein Kampf. Für alle Beteiligten. Sie bemühte sich zu sprechen, um nicht an ihren Gedanken zu ersticken, und die Menschen in ihrer Umgebung bemühten sich sie zu verstehen, was sie zu sagen versuchte.
“Komm rein, George”, rief Celine dem ausgelassenen Welpen zu, der neben dem Becken auf und ab lief. “ Das Wasser ist ganz warm.”
George tat bellend seine Verweigerung kund, sprang die Balkontreppe hinauf, hüpfte in Matties Schoß und leckte ihr Gesicht ab. Er konnte sich problemlos verständlich machen, dachte Mattie und genoss das Gefühl seiner feuchten Zunge auf ihren Lippen, während Celine ihr vom Becken fröhlich zuwinkte und dann weiterschwamm.
“Nein, nein “, sagte Anja, hob den kleinen Hund von Matties Schoß und setzte ihn auf die Zedernholzplatten. “Nicht Mrs. Smith Lippen lecken.”
“Das ist schon in Ordnung, Anja”, wollte Mattie sagen, doch stattdessen hustete sie, und ihr husten ging in ein verzweifeltes röcheln über. In den vergangenen Monaten wären Matties Hände nach oben geschnellt, während sie versuchte, Sauerstoff in ihre Lunge zu zwängen, doch jetzt hingen ihre knochigen Arme leblos herab, und ihre knorrigen Finger lagen ordentlich gefaltet in ihrem Schoß. Nur ihr Kopf wippte mit jedem erstickten Atemzug auf und ab.
“Es ist okay. Sie okay”, erklärte Anja ihr ruhig, die bei solchen Attacken längst nicht mehr in Panik geriet, sondern Mattie fest in die Augen sah, bis der Anfall vorüber war”, Sie okay”, wiederholte sie, wischte mit einem Taschentuch die Tränen aus Matties Augen, strich ihr Haar aus dem Gesicht und tätschelte ihre leblosen Hände, die auf ihren ebenso nutzlosen Beinen lagen.
“Wollen Sie etwas trinken? Wasser oder Saft?”
“Wasser”, sagte Mattie und konnte nur die erste Silbe klar hören, während sich die zweite wie der heiße Dampf aus dem Pool i der kalten Luft auflöste.
Sobald Anja sich in die Küche zurückzog, sprang George wieder auf Matties Schoß und leckte zwei Mal über die Lippen, bevor seine neugierige Zunge in ihrem linken Nasenloch verschwand.

...fortsetzung folgt...

Edelfeder
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Nutzer: Edelfeder
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geschrieben am: 12.07.2005    um 13:42 Uhr   
Mattie lachte, und der Welpe machte es sich auf ihrem Schoß bequem und wärmte ihre kalten Hände mit seinem warmen Fell, sodass sie das Gefühl hatte, Fleece -gefütterte Fäustlinge zu tragen. Wie lautet noch die alte Redensart? Das Glück ist ein warmer junger Hund? Das stimmte tatsächlich, Mattie staunte und beobachtete, wie der kleine Hund die Augen schloss und sofort einschlief. Sie musste nur einen bequemen Fleck anbieten, auf dem er sich zusammenrollen konnte, und er liebte sie. Bedingungslos.
Und sie liebte ihn, erkannte sie zu ihrem größten Erstaunen. Nach all den Jahren, die sie sich geweigert hatte, auch nur darüber nachzudenken, einen Hund ins Haus zu lassen, war sie völlig verschossen, Hals über Kopf verliebt. Mein süßes baby, dachte sie und sehnte sich schmerzhaft danach, ihn streicheln zu können .
“Oh, weg mit dir”, sagte Anja und scheuchte George davon, bevor Mattie protestieren konnte. Anja führte ein Glas Wasser an ihre Lippen , Mattie nippte daran und spürte, wie die Flüssigkeit mühsam durch ihre Kehle sickerte. “Noch ein bisschen mehr”, wies Anja sie an.
Mattie schüttelte den Kopf, obwohl sie noch durstig war. Doch je mehr sie trank, desto öfter musste sie pinkeln, und Mattie hatte diesen Ruf der Natur fürchten gelernt. Von den vielen Dingen, die Mattie an ihrer Krankheit hasste, hasste sie es am meisten, dass sie mit jeder Verschlechterung ihres Zustands nach und nach all dessen beraubt wurde, was sie einst für selbstverständlich gehalten hatte- ihrer Mobilität, ihrer Freiheit, ihrer Privatsphäre und zuletzt und am grausamsten ihre Würde. Sie konnte nicht einmal mehr alleine auf die Toilette gehen, Sie brauchte jemanden, der sie brachte, sie auf die Schüssel setzte und sie hinterher abwischte. Anja war ein Geschenk des Himmels und erledigte all diese Pflichten klaglos. Genau wie Celine und David, wenn Anja Feierabend hatte. Doch Mattie wollte nicht, dass ihre Tochter ihre Krankenschwester spielen oder ihr Mann ihr den Hintern abwischen musste. “Du musst essen und trinken”, sagten ihr immer alle. “Damit du kräftig bleibst.” Doch Mattie was das Kräftigsein überdrüssig. Welchen Sinn hatte all die Kraft, wenn man trotzdem gefüttert ungetragen werden und sich den Hintern abwischen lassen musste? Sie war dieser Zwangs - Infantilisierung müde. Dieser Zustand konnte sich noch Jahre lang hinziehen, und so wollte sie nicht in Erinnerung bleiben. Sie hatte genug. Sie wollte zumindest mit einem Anschein von Würde sterben.
Es war an der Zeit.
“Brrr”, machte Celine, stick aus dem Pool und wickelte sich in mehrere Schichten dunkelroter Badelaken. “Wenn man raus kommt, ist es ganz schön kalt.” George, war sofort bei ihren Füßen und leckte das Wasser zwischen Celines Zehen ab.” Und was denkst du?”, fragte Celine, als sie dicht gefolgt von George, die Treppe hoch rannte. “ Fünfzig Bahnen. Ziemlich gut, was?”
“Übertreib Žs nicht”, sagte Mattie langsam und leise.
“Mach ich schon nicht. Wenn es wieder zwanghaft wird, höre ich sofort auf. Versprochen.”
Mattie lächelte. Die Tage von quälenden Zwei - Stunden - Trainings und strenger Diät waren zum Glück vorbei. Celine ging auf eine neue Schule, wo sie einen viel versprechenden Start hingelegt hatte. Sie ging weiterhin einmal die Woche zum Therapeuten, genau wie David. Manchmal gingen die beiden auch gemeinsam, Celine und ihr Vater kamen sich con tag zu Tag näher.
Es war an der Zeit.
“Wann fängt das Spiel an?” , fragte Mattie, und Celine sich zu ihr herab, um sie zu verstehen.
“Um sieben, hat Dad , glaube ich, gesagt.” Sie blickte auf ihre Uhr.” Ich sollte mich wohl langsam fertig machen. Es ist schon fast fünf. Ich will mir vorher noch die Haare waschen.”
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Nutzer: Edelfeder
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geschrieben am: 12.07.2005    um 13:42 Uhr   
Mattie nickte. ”Geh nur. Mach dich fertig.”
Celine küsste die knochige Wanger ihrer Mutter. Mattie spürte die weiche kalte Wange ihrer Tochter an ihrer.
“Du weißt doch, wie sehr ich dich liebe?” , fragte Mattie.
“Ich liebe dich auch”, sagte Celine, hob George hoch und rannte nach drinnen, bevor Mattie noch etwa sagen konnte.
“Wir gehen auch rein,” sagte Anja, drehte Matties Rollstuhl herum und schob sie in die Küche.
Und was wenn ich nicht rein will?, fragte Mattie sich und begriff, dass jeder Protest sinnlos war. Ihre Macht, Entscheidungen zu treffen, war von anderen übernommen worden, die letzte Stufe einer allmählichen Beschneidung ihrer grundlegenden Persönlichkeitsrechte. Denn was nützen Entscheidungen, wenn man nicht mehr die Macht hatte, sie umzusetzen? Mattie machte Anja keinen Vorwürfe. Sie machte niemanden einen Vorwurf. Die gut gemeinte Taktlosigkeit anderer überraschte sie nicht mehr. Sie war nicht mehr wütend. Was half es, wütend zu sein? Was geschah, war niemandes Schuld, weder die Ihrer Tante noch ihre eigene, noch Gottes. Wenn es einen Gott gab, hatte Mattie entschieden, dann hatte er sich nicht vorsätzlich mit diesem Zustandgeschlagen. Genauso wenig, wie er etwas daran ändern konnte. Nachdem sie monatelang zugesehen hatte, wie ihr Körper stetig Pfunde verlor und in sich zusammengesunken war, nachdem sie gespürt hatte, wie ihr Haar schlaf wurde und sich ihre Gesichtszüge gedehnt und verzerrt hatten, als wäre sie in einem Spiegelkabinett gefangen, hatte sie sich schließlich einer Haltung ergeben , die wer anders einmal “ die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt “ genannt hatte.
Sie war so müde.
Es war an der Zeit.
Es war die beste Zeit.
Es war die schlimmste Zeit,
zitierte Mattie stumm.
Charles Dickens. Kein Zweifel.
Das schlimmste Jahr ihres Lebens.
Das beste Jahr ihres Lebens.
Es war an der Zeit.

...fortsetzung folgt...
Edelfeder



Geändert am 12.07.2005 um 13:51 Uhr von Edelfeder

Geändert am 12.07.2005 um 13:52 Uhr von Edelfeder
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Nutzer: inna
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geschrieben am: 12.07.2005    um 15:28 Uhr   
PUH

Das geht an die Nieren! Toll geschrieben.
So mittendrin angefangen -und nach und nach bekommt man immer mehr Informationen über den Zustand des *ich*...

ich bin total gespannt, was mit der Tante ist!
WAS war nicht die Schuld der Tante?

*warte auf die Fortsetzung* inna
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 12.07.2005    um 20:09 Uhr   
die gleichgültige zärtlichkeit in einer welt voller zärtlicher gleichgültigkeit - killing me softly ..
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Nutzer: Edelfeder
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geschrieben am: 13.07.2005    um 16:19 Uhr   
“Hi, Schatz, wie gehtŽs?” David betrat die Küche, als Anja gerade die Glasschiebetür abschloss.
Mattie lächelte wie immer, wenn sie ihren Mann sah. Er hatte in den vergangenen Monaten abgenommen und ein paar graue Haare bekommen, Nebenwirkungen ihrer heimtückischen Krankheit, doch er schaffte es, so attraktiv wie eh und je, vielleicht sogar noch ein bisschen distinguierter. Er behauptete. Gewichtsverlust und graues Haar seien der Preis, den er dafür zahlte, wieder zu arbeiten. Im Laude des Sommers hat man ihn als Berater für mehrere komplizierte Fälle hinzugezogen, und er war von einer Reihe junger Anwälte angesprochen worden, die daran dachten, sich selbstständig zu machen und Anfang kommendes Jahres um eine eignende Kanzlei zu eröffnen. Kein Interesse, erklärte Davidihnen und behauptete, er wäre vollauf zufrieden damit, zu Hause zu arbeiten. Doch Mattie konnte nicht umhin, das Feuer in seinen Augen zu bemerken, das täglich Nahkampfs vermisste. Wie lange konnte sie ihn noch zurück halten? Was konnte er noch für sie tun, was er nicht schon getan hatte? Sie konnte ihn nicht einmal mehr anfassen, dachte sie, als sich David zu einem Kuss herabbeugte.
Es war an der Zeit.
Alles fügte sich. Es war nicht nötig das Mattie blieb, bis David die Ziellinie überquerte. Er hatte bereits gewonnen, dachte sie und genoss den sanften Druck seiner Lippen auf ihren.
“Im Museum wird nächste Woche eine Fotoausstellung eröffnet”, erzählte David ihr und setze sich auf den Küchenstuhl, damit er ihr in die Augen sehen konnte. “Ich dachte, wir könnten vielleicht nächsten Sonntag hingen und Celine mitnehmen.”
Mattie nickte.
“Ich habe gedacht, dass wir Celine vielleicht eine neue Kamera kaufen könnten”, sagte David, als hätte er Matties Gedanken gelesen. “Die, die sie jetzt hat, ist ziemlich primitiv.”
Mattie nickte noch einmal.
“O je, wir haben fast keine Milch mehr”, verkündete Anja, als sie den Karton aus dem Kühlschrank nahm und ihn schüttelte.
“Ich hol später welche”, bot David an.
“Und Apfelsaft”, fügte Anja hinzu.
“Ich hol alles nach dem Spiel.”
Er tat so viel, dachte Mattie. Er hatte so viel aufgegeben. Seine Karriere. Das letzte Jahr seines Lebens. Alles für sie.

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Nutzer: Edelfeder
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geschrieben am: 13.07.2005    um 16:21 Uhr   
Es war an der Zeit.
“Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe”, fragte Mattie
“Hast du eine Ahnung, wie viel Freude du in mein Leben gebracht hast?”, fragte er zurück.
Es klingelte.
“Das ist Janine”, sagte Mattie, als Anja zur Tür ging und der Hund die Treppe hinunter rannte und bellend um ihre Füße sprang.
“Wie geht es Mattie heute?”, hörte Mattie Janine fragen, als David sie im Flur begrüßte.
“Sie wirkt ein wenig niedergeschlagen”, hörte sie David sagen.
“Vielleicht sollte ich nicht weggehen.”
“Unsinn” , rief Mattie hervor, und die Anstrengung löste eine weitere schreckliche Attacke aus, die erst abbete, als David versprach, seine Pläne nicht zu ändern.” Du siehst großartig aus”, sagte Mattie zu Janine und bewunderte die neue Frisur ihrer Freundin, während sie sich zu erinnern versuchte, wann sie zuletzt in einem Friseursalon gewesen war.
“Danke”, sagte Janine, griff nach ihrer Arzttasche, entnahm das Blutruck - Messgerät und legte die Manschette um Matties Arm, als wäre das ebenso normal, wie sich zur Begrüßung, die Hand zu schütteln.” Du siehst selbst auch ziemlich gut aus.”
“Danke”, sagte Mattie. Es war zwecklos zu widersprechen. So wog weniger als 50 Kilo, ihre haut war so dünn, dass sie beinahe durchsichtig war, und ihr Körper verbog sich wie eine Brezel. Trotzdem beharrten alle darauf, dass sie schön sei, als ob ihr Zustand ihr jegliche Urteilskraft geraubt hätte, als ob sie nicht mehr in der Lage wäre, zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu unterscheiden.” Danke” , sagte Mattie noch einmal. Warum sollte sie nicht glauben, dass sie noch schön war? Was konnte es schaden, so zu tun, als ob?
Janine ließ das Stethoskop in ihrem Schoß sinken und löste die enge Manschette von Matties Arm. “So weit klingt alle okay”, verkündete sie, obwohl ihre Augen ihre Worte Lügen straften. Die nächste Dreiviertelstunde hörte Mattie zu, während Janine ihr alle wichtigen und schlüpfrigen Details berichtete und sie auf den neuesten Stand des Klatsches über Menschen brachte, die Mattie kannte oder auch nicht. Sie erfuhr, welcher Prominente mit wem zusammen war. Welche Filme ihre Vorschusslorbeeren wirklich verdient hatten und welche eine schreckliche Enttäuschung waren, welche Schauspielerin Implantate trugen und wer aus der alten Elite Hollywood eine Schönheitsoperation hinter sich hatte.
“Glaub mir”, sagte Janine vertraulich, “Jede Frau über vierzig ohne Falten hat sich liften lassen.”
Mattie lächelte, obwohl sie wusste, dass sie nicht lange genug leben würde, um sich derlei luxuriöse Sorgen zu machen. Was hätte sie für ein paar Falten gegeben ! Was hätte sie darum gegeben, sich in eine verschrumpelte alte Pflaume zu verwandeln.
“Offenbar gibt es ein neues tolles Hörbuch. Den Titel habe ich vergessen”, sagte Janine, “aber ich habe ihn irgendwo aufgeschrieben und bring dir die Kassette beim nächsten Mal mit. Brauchst du sonst noch was?”, fragte sie und sah auf die Uhr, während Mattie auf die Uhren auf der gegenüberliegenden Wand blickte. 18.05 oder 18.07. Freie Auswahl.
So oder so, dachte Mattie, es war an er Zeit.
“Ich möchte das du meine Tante anrufst”, sagte sie schwerfällig, aber deutlich.” Du musst sie fragen, ob sie vorbeikommen kann. Heute Abend.”

...fortzestzung folgt...

Edelfeder

Geändert am 13.07.2005 um 16:33 Uhr von Edelfeder
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 13.07.2005    um 22:29 Uhr   
auweia - das nimmt kein gutes ende ..
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Nutzer: Edelfeder
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geschrieben am: 15.07.2005    um 14:21 Uhr   
Janine fand Matties Adressbuch in der Schublade bei dem Telfon und rief Matties Tante an. “ Sie ist in einer Stunde hier” , sagte Janine, als sie auflegte.
“Wer ist in einer Stunde hier, fragte Celine, die frisch geduscht und umgezogen, das lange Haar offen unter einer Chicago - Cubs - Mütze, in der Küche kam.
“Auf dem Weg zum Spiel?”, fragte Janine.
“Dieses Jahr werden wir gewinnen, sagte Celine lachend. “ Wer ist in einer Stunde hier?” , wiederholte sie.
“Deine Großtante.”
“ Heidi? Warum?” Besorgnis blitze in Celines blauen Augen auf.
“Startklar?”, fragte David, als er zu den Frauen in der Küche stieß.
“Vielleicht sollten wir doch nicht gehen,”, sagte Celine.
“Stimmt irgendwas nicht?”, fragte David.
“Matties Tante kommt vorbei”, sagte Janine.
“Das ist doch großartig, wo ist das Problem, Celine?”
“Mama?”, fragte Celine.” Gibt es irgendein Problem?”
Mattie hob den Blick zu ihrem Mann und ihrer Tochter, und ihre Augen waren wie eine gierige Kameralinse, die ein Bild nach dem anderem schoss - ihre Gedanken rasten zurück durch die Zeit und lüfteten Erinnerungen um Erinnerungen - das erste Mal, dass sie David gesehen hatte, das erste Mal, dass sie miteinander geschlafen hatten, das erste Mal, dass ihr wunderschöne Tochter in den Armen gehalten hatte. “Ich liebe euch beide so sehr.” Bitte denkt immer daran, wie sehr ich euch liebe.”
“Wir lieben dich auch”, sagte David und küsste Mattie sanft auf den Mund.” Wir kommen bestimmt nicht zu spät zurück.”
“Du bist ein wundervoller Mann, David Smith”, flüsterte Mattie in sein Ohr und genoss seinen Geschmack, seinen Geruch und seine Berührung.
Celine trat vor ihren Rollstuhl, beugte sich herab und nahm ihre Mutter in die Arme, als wäre sie die Mutter und Mattie das Kind.
“Sei geduldig mit deinem Vater”, sagte Mattie, bevor das Mädchen etwas sagen konnte.” Bitte versuche zu akzeptieren, was immer ihn glücklich macht.”
Celine starrte ihre Mutter direkt in die Augen. Als ob sie verstehen würde. Als ob sie es wüsste.” Du bist die beste Mutter, die man überhaupt haben kann”, sagte sie so leise, dass nur Mattie es hören konnte.
“Mein süßes Baby.” Mattie drückte ihr Gesicht in das Haar ihrer Tochter, merkte sich seine Beschaffenheit und das Gefühl auf ihrer Haut.” Geh jetzt”, drängte sie sanft.” Es wird Zeit.”
“Ich liebe dich”, sagte Celine.
“Ich liebe dich”, wiederholte David.
Ich liebe euch, rief Mattie ihnen stumm hinterher und sah ihnen nach, bis sie verschwunden waren, ihre Bilder für immer in ihre Seele gebrannt. Passt gut aufeinander auf.
“Haben sie etwas gesagt, Mrs. Smith?” Fragte Anja. Mattie schüttelte den Kopf, als sie Anja mit einer Schale frisch gekochter Suppe nahen hörte.
“Hühnersuppe mit Nudeln, sehr gut für Sie”, Anja führte einen vollen Löffel zu Matties Mund.
“Das kann ich machen”, sagte Janine und nahm Anja die Schale ab. “Warum gehen Sie nicht nach Hause? Ich bleibe bei Mattie, bis ihre Tante kommt.”
“Sie sicher?” Anja zögerte und sah Mattie an.
“Geh ruhig!, erklärte Mattie ihr.” Und danke, Anja. Danke für alles.”
“Bis morgen.”
“Lebewohl”, sagte Mattie und sah ihr nach. Ein weiteres Bild für den Skizzenblock ihrer Seele.
“Suppe, sagte Janine, als sie allein waren, und führte den Löffel an Matties Mund.” Richt sehr lecker.”
“Danke”, sagte Mattie, sperrte den Mund auf wie ein frisch geschlüpfter Vogel und spürte, wie die warme Flüssigkeit durch ihre Kehle sickerte.”Vielen dank für alles.”
“Nicht reden. Essen.”
Mattie ließ sich von Janine mit der Suppe füttern und sagte nichts mehr, bis die Schale komplett ausgelöffelt war.
“Da hatte aber jemand Hunger”, bemerkte Janine, und ihre Lippen verzogen sich zitternd zu einem tapferen Lächeln.
“DU bist eine gute Freundin”, sagte Mattie.
“Ich hatte ja auch genug Übung”, erinnerte Janine sie.” Wir kennen und schon seit Uhrzeiten. Sind das jetzt schon wirklich mehr als dreißig Jahre?”
“Dreiunddreißig”, ergänzte Mattie und fragte dann nach kurzem Überlegen:”
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Nutzer: Edelfeder
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geschrieben am: 15.07.2005    um 14:23 Uhr   
Erinnerst du dich eigentlich noch an unsere erste Begegnung?”
Janine dachte ihrerseits nach und schüttelte dann schuldbewusst den Kopf.” Du?”
Mattie lächelte.” nein.”
Sie lachten beide.
“Ich weiß nur, dass du schon immer da warst”, sagte Mattie schlicht.
“Ich liebe dich”, sagte Janine.2 Das weißt du doch, oder?”
Mattie wusste es.” Ich liebe dich auch”, sagte sie.

“Danke das du gekommen bist”, sagte Mattie zu ihrer Tante. Heide hatte sich sichtlich Mühe mit ihrer Erscheinung gegeben. Sie trug eine lavendelfarbene Bluse, die sie in einer schicken grauen Hose gesteckt hatte, und selbst auf den zu einem beklommenen Lächeln verzogenen Lippen schimmerte ein Hauch von Farbe.
“Wie fühlst du dich”, fragte sie, und ihr blick huschte rastlos durchs Matties Schlafzimmer, bis er an dem kleinen Hund hängen blieb, der zusammengegrollt zu Matties Füßen lag.“ Du siehst gut aus.”
“Danke. Du auch.”
Ihre Tante nestelte verlegen an ihrem haar.” George scheint eine neue Freundin gefunden zu haben.”
“ich glaube, es gefällt ihm hier.”
Ihre Tante streckte die Hand aus und kraulte den Welpen, der sich sofort auf den Rücken drehte und seine Beinchen in die Luft streckte, als wolle er sie ermutigen weiterzumachen. Wie leicht er sich verständigen kann, sachte Mattie wieder und beobachtete, wie ihre Tante behutsam über die zarte Unterseite des kleinen Hundes strich. Wie mühelos er seine Wünsche deutlich machen konnte.” Es war nett, Janine wieder zu sehen”, sagte Heidi.” Es ist erstaunlich. Ihr Gesicht sieht noch genauso aus wie mit zehn.”
“Sie verändert sich nie”, stimmte Mattie ihrer Tante zu und merkte, wie tröstend dieser Gedanke war.
“Es ist schwer, sie sich als erfolgreiche Ärztin vorzustellen.”
“Sie wollte nie etwas anderes sein”, erinnerte Mattie sich.
“Als Janine Doktor gespielt hat, hat sie es wirklich ernst gemeint.”
Ihre Tante lachte.” Du klingst so viel besser”, sagte sie mit offensichtlicher Erleichterung. “ Deine Stimme ist klar und kräftig.”
“Sie kommt und geht”, erklärte Mattie ihr.

...fortsetzung folgt....

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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 17.07.2005    um 19:04 Uhr   
sie folgt hoffentlich bald ! *ungeduldig auf dem stuhl rumrutschtz
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Nutzer: Edelfeder
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geschrieben am: 19.07.2005    um 16:25 Uhr   
“Dann ist es wichtig nicht aufzugeben, nicht die Hoffnung zu verlieren.”
“Es gibt keine Hoffnung, Tante”, sagte Mattie, so behutsam sie konnte. Ihre Tante erstarrte und zog sich vom Bett ans Fenster zurück. Sie starrte ziellos in die Dämmerung.
“Die Tage werden schon kürzer.”
“Ja, das stimmt.”
“Ihr werdet wahrscheinlich demnächst den Pool abdecken.”
“In ein paar Wochen.”
“Celine sagt, dass ie eine ziemlich gute Schwimmerin geworden ist.”
“Celine wird in allem gut sein, wenn sie sich darauf konzentriert und es wirklich will.”
“Ja, das ist wohl wahr”, stimmte ihre Tante iht zu.
“Du wirst dich um sie kümmern, nicht wahr? Du wirst auf sie aufpassen, dass es ihr gut geht?”
Schweigen
“Tante-”
“Natürlich werde ich mich um sie kümmern.”
“Sie hat dich sehr gern.”
Matties Tante blickte mit zitterndem Kinn zur Decke und schob ihre Unterlippe vor, bis ihre Oberlippe darunter verschwunden war.” Hast du das Foto gesehen, das sie von mir und meinen Hund gemacht hat?”
“Es ist ein sehr schönes Bild”, sagte Mattie.
“Ich glaube sie hat wirklich Talent. Ich denke, dass das vielleicht etwas ist, was sie weiterverfolgen sollte.” Mattie lächelte traurig.” Ich denke du musst mir jetzt zuhören.”
“ich denke du solltest eine Weile schlafen”, fuhr ihre Tante unbeirrt fort.” Du bist müde. Nach einem kleinen Nickerchen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.”
“Tante, bitte, hör mir zu. Es ist Zeit.”
“Ich weiß nicht was du meinst.”
“Ich glaube das weißt du sehr wohl.”
“Nein.”
“Bitte, Tante. Du hast es mir versprochen.”
Schweigen.
“Was genau soll ich denn machen?”, fragte Heidi schließlich. Mattie schloss die Augen.” Danke”, flüsterte sie und atmete tief aus. Sie öffnete die Augen und blickte zum Badezimmer.
“Das Fläschchen mit dem Morphium ist im Medizinschrank. Du musst zwanzig Tabletten zerstampfen und in Wasser auflösen, das du mir dann nach und nach einflößt, bis ich alles geschluckt habe.”
Ihrer Tante stockte vernehmlich der Atem, doch sie sagte nichts.
“dann könntest du vielleicht einfach bei mir sitzen bleiben, bis ich einschlafe. Würdest du das tun?”
Ihre Tante nickte langsam und mit klappernden Zähnen, als wäre ihr kalt.” Im Medizinschrank?”
“Am Waschbecken findest du einen Löffel. Und ein Glas.”, rief Mattie ihr nach, obwohl ihre Stimme immer schwächer wurde. Sie sprach ein stummes Gebet, obwohl sich keine Worte bildeten, nicht einmal im ihrem Kopf. Sie tat das Richtige.
Es war an der Zeit.

...fortsetzung folgt....

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Geändert am 19.07.2005 um 16:28 Uhr von Edelfeder
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geschrieben am: 20.07.2005    um 22:19 Uhr   
(zitat)Sie tat das Richtige.(/zitat)
naja .. warum sollte das ein anderer tun ?
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