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geschrieben am: 28.07.2005 um 23:17 Uhr
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Außer ihre Gedichte: ihre Gedichte fand sie meistens gut, auch noch nach einiger Zeit. Ihre Gedichte waren sowieso das beste, was sie schrieb, einige fand sie sehr genial und dann dachte sie, so was schreibe ich eh nie wieder und sie hatte bei manchen Gedichten eh das Gefühl, dass sie sie gar nicht geschrieben hatte, weil es schon so lange her war und sie nicht mehr wusste, wie sie auf die Idee für dieses Gedicht gekommen war.
Aber Gedichte waren die perfekte Art zu schreiben für sie, abgesehen von den Glossen, die sie gut schreiben konnte, weil sie sehr fies und sehr ironisch sein konnte und gut formulieren, ja Gedichte waren perfekt, weil sie kurz waren. Je kürzer desto besser. Aber ihre meisten Gedichte waren dann sogar etwas länger. Aber in Gedichten konnte man schreiben wie man wollte, es war offen für Interpretation.
Sie schrieb keine Gedichte, die sich reimten, sie hatte bisher nur zwei oder drei geschrieben, die sich reimten.
Aber in letzter Zeit hatte sie auch keine Gedichte mehr geschrieben, nämlich gar nichts, außer ein bisschen Tagebuch. Sie wollte etwas Großes schreiben, eine großartige Geschichte über wichtige Dinge, fantastische Dinge, es sollte etwas Ausgedachtes sein, es sollte von der Liebe handeln und von Abenteuern. Eigentlich wusste sie schon sehr genau, was in der Geschichte vorkommen sollte, aber sie hatte keine Handlung.
Im Grunde kannte sie ihre Helden, aber sie gefielen ihr noch nicht so recht, weil sie alle perfekt waren. Sie hatte schon angefangen diese Geschichte zu schreiben, aber jetzt gefiel sie ihr nicht mehr. Sie war zu einfach, und sie verstrickte sich immer wieder in Kleinigkeiten und sie kannte die Handlung nur bis zu einem gewissem Punkt und danach wusste sie nicht weiter, weil sie keine Ideen hatte.
Eigentlich fehlte auch der ganze Hintergrund zu der Geschichte, denn es gab keinen Grund warum dies alles passierte, was in der Geschichte geschah und eigentlich sollte es eh alles ganz anders laufen. Man sollte eine Idee haben mit Hintergrund und dann überlegte man sich Helden, die in dieser Geschichte ihre Rollen spielten und schließlich, wenn die ganze Geschichte im Kopf da war, dann konnte man anfangen sie aufzuschreiben und lustige Details einzubauen und sich Gefahren und Rettungen ausdenken und die weiteren Verwicklungen zwischen den Charakteren. Aber wenn man wie sie nur einen kleinen Teil der Arbeit machte, dann konnte es nicht funktionieren. Das wusste sie und sie schreib nicht mehr weiter an dieser Geschichte, seit einiger Zeit, denn sie musste erst die ganze Geschichte kennen bevor sie aufgeschrieben werden konnte.
Es war immer dasselbe.
Außerdem hatte sie Probleme mit Dialogen und sie hatte immer das Gefühl die ganze Geschichte erzählen zu müssen, soll heißen, jede Minute ohne einmal einen Tag auszulassen, was natürlich völliger Quatsch war, denn diese Details wollte doch niemand lesen. Trotzdem, trotzdem sie wusste, dass ihre Geschichte nicht gut war, war sie beleidigt und in ihrem Stolz als Schriftstellerin gekränkt, wenn jemand ihre Geschichte nicht so gut fand und Kritik übte. Vor allem, wenn dieser jemand auch eine Geschichte schrieb, die viel besser war und die der jenige schon fertig im Kopf hatte. Aber diese Geschichte gab es schon.
Ihr war schon früh aufgefallen, dass sie keine Ideen hatte, auch wenn sie sich das vielleicht nicht richtig eingestanden hatte. Sie hatte ihre Eltern mit der ewigen Frage genervt, was sie schreiben würden, wenn sie ein Buch schreiben würden. Über was sie schreiben würden. Natürlich hatten ihre Eltern keine Ahnung, was sie schreiben würden, machten Witze über die Antwort oder waren beim hundertsten Mal einfach nur genervt. Es interessierte sie auch nicht ein Buch über irgendetwas zu schreiben. Aber sie wollte eines schreiben, eben immer schon. Wahrscheinlich weil sie Bücher liebte. Vor allem Romane. Sie las sehr viel, verschlang alles und hatte zuletzt in drei Wochen England-Urlaub sechs oder sieben Bücher gelesen. Und sie las immer.
Jeden Tag las sie an einem Buch, immer nur an einem. In der Schulzeit weniger, weil sie dann nicht so viel Zeit hatte und manchmal hatte sie auch keine Lust zu lesen oder sie war zu müde. Sie bewunderte jeden Autor für das, was er geschafft hatte, eigentlich auch diejenigen, deren Bücher sie nicht mochte. Eigentlich wollte sie auch nicht irgendein Buch schreiben (auch wenn ihr manchmal danach war, nur um eben ein Buch geschrieben zu haben), nein, sie wollte einen tausendseitigen Wälzer, einen Bestseller, ein Monumentalwerk. |
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