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Zwei Engel

Nutzer: Blutmond
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geschrieben am: 10.09.2005    um 23:16 Uhr   
Zwei Engel

Wendest du den Blick sanft zu den Sternen empor,
so kannst du sehen, wie der Himmel ganz heimlich, still und leise
von einer fernen Sehensucht erzählt.
Dort oben an des himmels Tor,
da steht ein Engel, auf sonderbare Weise,
der all die fernen Sterne zählt.

Am liebsten würd' er fallen, schreien, weinen,
denn das einsame Herz in seiner Brust
sucht frei und unverwandt nach Lieb'.
Ein Engel könnt nicht missen, so möcht' man meinen,
doch zu des Engels Frust
ist's Liebe die ihm nichtmehr blieb.

Legst du dein Ohr sacht auf der guten Mutter Grund,
so kannst du hören, wie eine Stimme, unscheinbar und nicht zu fassen,
von einer fernen Sehensucht erzählt.
Dort unten in der Hölle Schlund,
da sitzt ein Engel, dunkel, die Schwingen schwarz, das Herz verlassen
und hätt' das Schicksal gerne selbst gewählt.

Am liebsten würd' sie nach oben schleichen
um ihn, des Herzens Sehensucht, zu finden,
an den sie niemals hätt' geglaubt.
Sie würd' die schwarzen Federn weiß bleichen
um ihn an sich zu binden,
den Liebsten, der ihr das geraubt.

Die beiden Engel, ungeeint,
ob schwarz, ob weiß,
fühlten sich einsam und verlassen.
Die Augen rot geweint,
ganz heimlich still und leis'
begannen sie sich selbst zu hassen.

Ferne Sehensucht war's was beide lange quälte,
so kam's ihnen ganz recht, dass sie im ew'gen Streite,
zwischen Höll' und Himmel, in den Krieg ziehen mussten.
Aber, das man sie beide erwählte,
jeden auf seiner Seite,
war's was sie nicht wußten.

Sie standen auf des Kampfes Felde
umspielt vom kühlen Abendwind
mit nichts was sie einander mehr verband,
ohne zu wissen das man in Bälde,
so unverhofft wie ein kleines Kind
still einander wiederfand.

Stürmend brach das Gefecht los
und die beiden Engel fliegen,
mit hocherhobenen Schwertern auf die Feinde zu.
Sie holen aus zum ersten Stoß,
mit dem Willen zu siegen
schicken sie einen nach dem Anderen zur ewg'en Ruh.

Stund um Stund klang klagend schreiend das Metall
als Schwert auf Schwert schlug
und die Herzen Beider all den Kummer vergaßen.
Weit flog der gellend Schreie Hall
als sich die kalte Klinge ins Fleisch der Gegner grub
und Tiere all die Toten fraßen.

Da kam's das unsere beiden Engel aufeinander trafen,
blutverschmiert, unrein und befleckt
erkannten sie einander nicht.
So kam's das die Liebenden sich selbst bestrefen,
das Antlitz vor dem anderen hinter Masken versteckt,
bis jeder den Anderen ersticht.

Im Sterben hielten sie sich fest umschlungen,
weinten bitt're Tränen umeinander
in ihrem letztem Atemzug.
Wie ein Knäul ineinander verschlungen
liegen sie tot beieinander,
der eine bös' der And're gut.


In meinen Träumen flieg ich weiter: Blutmond
Geändert am 10.09.2005 um 23:18 Uhr von Blutmond
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Nutzer: Nekir
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geschrieben am: 12.09.2005    um 15:06 Uhr   
schön schön schön, das gefällt mir sehr gut. ich mag deine reime, vor allem die tatsache, dass das metrum nicht immer ganz gleichmäßig ist, das macht dein gedicht viel interessanter. auch wenn das ende der beiden abzusehen war, finde ich die ausarbeitung des themas sehr gelungen. nur weiß ich nicht genau, was ich von der letzten zeile halten soll. irgendwie stört es mich, dass du am ende, da die beiden ebenbürtig, nämlich beide blutbeschmiert, sind, nochmal die gegensätze hervorhebst. ich denke gerade weil sie beide gemordet haben, spielen dinge wie gut und böse keine rolle mehr.

nekir
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Nutzer: Blutmond
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geschrieben am: 13.09.2005    um 15:52 Uhr   
Genau, du hast es im prinzip erfasst. Am Ende sind sie gleich, liegen Tod beieinander. Böse und Gut sind hier auf eine Ebene gestellt. Ich will damit sagen, das man egal, was man ist, wer man ist im Grunde doch gleich ist. Du kannst das jetzt noch weiter ausarbeien und so weit gehen zu sagen, das wir alle nur Menschen sind egal ob Bettler oder Firmenchef. Im grunde sind wir nur das was wir sind und die Seite auf der wir stehen, die Schicht in der wir Leben, die Schulen die wir Besuchen, der Beruf, den wir ausüben. Das alles ist Egal denn wir sind und bleiben einfach nur wir selbst und im Endefekt ist es völlig egal. Genau das ist auch der Grund, warum ich hier in der letzten Zeile den Gegensatz noch einmal hervorgehoben habe.

Kill mi in my dreams, my dear: Blutmond
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